Bechhofen / Landstuhl
Nach über 40 Jahren: Apotheke macht zu
Schon im Sommer hatte Anne Matheis in der RHEINPFALZ vor einem Apothekensterben gewarnt, das vor allem die Fläche treffe. Anlass war der bundesweite Apothekenstreiktag am 14. Juni. Matheis hatte selbst erlebt, wie in Landstuhl die Anzahl der örtlichen Versorger innerhalb kurzer Zeit von fünf auf drei sank. „Eines der beiden Häuser gab es seit 160 Jahren.“ Ursachen gebe es viele. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände beklagt schon lange, dass die Entlohnung der Apotheker steigen müsse. Zuletzt sei aber der Zwangsrabatt, den Apotheken den Krankenkassen einräumen müssen, sogar von 1,77 auf 2 Euro gestiegen.
Nun haben die Landstuhler das Glück, nicht noch eine Apotheke zu verlieren. Die in Bechhofen macht dagegen zu. Die einzige Apotheke im Dorf, vor über 40 Jahren eröffnet. Vor allem Personalmangel führt dazu: „Ich habe das Problem, dass ich ab dem kommenden Jahr keine Filialleitung mehr für Landstuhl habe. Ich suche auch schon die ganze Zeit. Die Filialleitung, das muss ein Apotheker sein. Der muss mindestens 30 Stunden arbeiten. Das ist eine gesetzliche Vorgabe. Das habe ich mir nicht ausgedacht. Einen Nachfolger für meine Mutter in Bechhofen suche ich auch schon seit drei Jahren. So kann ich beide Filialen nicht mehr aufrechterhalten.“
Zu viel Arbeit für zu wenige Leute
Selbst wenn jetzt kurzfristig eine Filialleitung vom Himmel fiele, „ist es jetzt einfach zu spät. Weil alles zur Schließung der Apotheke eingeleitet ist. Und die Personalnot über den Filialleiter hinaus ist noch viel größer. Unser Team kommt der Arbeit nicht mehr hinterher. Wer nach Bechhofen kommt, der merkt das. Entweder stehe ich alleine da, oder es stehen dort noch Kisten rum, weil wir einfach nicht mehr dazukommen, sie auszupacken. Arbeitsbelastungstechnisch kommen wir nicht mehr hinterher.“
Warum schließt Matheis Bechhofen und nicht Landstuhl? Aus wirtschaftlichen Gründen. Die Lage der Apotheke auf der Atzel sei günstiger, weil in unmittelbarer Nähe zwei Arztpraxen sind. Das bringe Laufkundschaft von außerhalb. Diese Laufkundschaft gebe es in Bechhofen nicht. Zwar sind mit Alexander Schilling und Bernd Hammer zwei Ärzte für Innere Medizin, Allgemein- und Herzmedizin vor Ort. Deren Praxis befindet sich aber nicht in Sichtweite der Von-Sickingen-Apotheke. „Mir gehen dadurch jede Menge auswärtige Kunden verloren, was in der Natur der Sache liegt. Das ist nicht vorwurfsvoll gemeint. Ich musste mich bis Ende des Jahres für eine Apotheke entscheiden. Und ich muss mich natürlich für die entscheiden, die auch zukunftsträchtig ist. Es wäre auch den Mitarbeitern gegenüber unverantwortlich.“
Was Ärzte und Bürgermeister sagen
Wie stehen die Bechhofer Ärzte zur Schließung der Apotheke? „Das ist wahrscheinlich ein schwerer Schlag für viele Leute hier im Ort. Ich kann das selbst nicht beeinflussen. Wie es weitergeht, das müssen wir einfach mal abwarten. Die Lebensqualität und der Charme des Dorfs werden sicherlich geringer, wenn eine Apotheke schließt. Das kann man mit der Schließung eines Kindergartens und einer Schule vergleichen. Oder mit der Schließung einer Bäckerei oder Metzgerei. Aber wir müssen jetzt damit leben“, meint Schilling, der selbst Bechhofer ist.
Bürgermeister Paul Sefrin beklagt die Schließung der Apotheke als zweiten schweren Schlag innerhalb weniger Jahr für das Dorf; nach der Schließung der Sparkassenfiliale. Politisch könne er aber nichts dagegen tun.
Infoveranstaltung am 4. November
Anne Matheis will aber ihr Möglichstes geben, um die Versorgung der Bechhofer mit Medikamenten auch im kommenden Jahr aufrecht zu erhalten. Um ihre Ideen vorzustellen, lädt sie für Samstag, 4. November, um 17 Uhr zu einer Infoveranstaltung ins Dorfgemeinschaftshaus ein. Doch nicht nur dafür. „Ich möchte vor mich meinem Dorf erklären. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“
