Heltersberg
Nach Öffnung: Ein Tag auf dem Wertstoffhof
Die Häuser in Heltersberg hinter sich lassend, sind an diesem Samstagmorgen viele Auto- und einige Traktorfahrer unterwegs, teils mit Anhängern. Ihr Ziel: der Wertstoffhof des Landkreises Südwestpfalz in Heltersberg, der wieder geöffnet hat.
„Zum Glück“, freuen sich Nutzer, die am Abladeplatz dabei sind, den Grünabfall zu entsorgen, der sich in den vergangenen Tagen oder Stunden – manche kommen an diesem Samstag mehrfach gefahren – angesammelt hat. Drei Mitarbeiter des Kreises sind vor Ort. Auch wenn wieder geöffnet ist: Von Normalbetrieb kann noch keine Rede sein. Die Corona-Pandemie bestimmt auch hier den Ablauf.
Leute gehen lockerer mit Pandemie um
Im März waren die Wertstoffhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. In der Woche vor Ostern war dienstags und donnerstags geöffnet. „Es war die Hölle los“, erinnert sich ein Mitarbeiter an die beiden Ausnahmetage. Viele Menschen waren zu Hause, nutzten die freie Zeit und das schöne Wetter, um früh im Garten zu arbeiten. Aber es sei diszipliniert zugegangen.
Das soll so bleiben. „Obwohl man merkt, dass die Menschen mittlerweile wieder lockerer mit der Sache umgehen.“ Das haben die Mitarbeiter festgestellt. „An den ersten Öffnungstagen haben viele ihr Autofenster nur einen Spalt geöffnet. Mittlerweile machen sie die Fenster wieder auf“, so ein Beispiel für den veränderten Umgang. Manche wollen sogar aussteigen. Das wird verhindert, ist verboten. Zumindest im Einfahrtsbereich. Am Grünschnittabladeplatz natürlich nicht. „Aber halten Sie Abstand“, geben die Mitarbeiter jedem Einfahrenden mit auf den Weg. Maximal fünf Fahrzeuge dürfen zeitgleich auf den Wertstoffhof.
„Mit Schlimmerem gerechnet“
Staus auf dem Weg gibt es an diesem Samstag nicht, höchstens mal kurze Wartezeiten. „Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet“, bekennt Gunter Lakas aus Waldfischbach-Burgalben. Als er sich dem Gelände nähert, sind keine fünf Fahrzeuge auf dem Hof. Vorgeschriebener Stopp an den Pylonen oberhalb der Einfahrt. Normalerweise stehen die am Eingang. „Wir brauchen aktuell den Sicherheitsabstand beim Ein- und Ausfahren“, erläutert ein Mitarbeiter den vorgezogenen Haltepunkt, den nur wenige ignorieren.
Als Lakas anfährt, ist Platz im Hof. Kurzer Wink. Einfahren, Scheibe runter: „Ich habe Grünabfall“, sagt Lakas. „Runter zum Grünabladeplatz, links halten“, wird er eingewiesen. „Alles klar“, sagt Lakas, macht sich auf den Weg, um den ersten Rasenschnitt zu entsorgen. „Ich bin froh, dass wir den Grünschnitt wieder abgeben können“, sagt er, bevor er das Netz über den entladenen Anhänger spannt.
Ansturm für Montag erwartet
Bis Samstag konnte ausschließlich Grünabfall abgegeben werden. „Ich hätte Altmetall und Elektrosachen“, sagt der Fahrer eines Fahrzeugs mit Anhänger. „Tut uns leid, das geht heute noch nicht“, wird er aufgeklärt. Ab Montag wieder. „Am Montag erwarten wird hier wieder extrem viel los sein“, prognostiziert ein Mitarbeiter, dass dieser Samstag mit seinem beständigen, nie abreißenden Besucherstrom die Ruhe vor dem Sturm ist. Zahlreiche Gewerbetreibende, die zum Beispiel Reifen zu entsorgen haben, hätten zum Beispiel schon signalisiert, dass sie kommen werden. Diese Entsorgung kostet Geld. „Alles, was kostenpflichtig ist, haben wir bis einschließlich heute nicht gemacht“, erläutert ein Mitarbeiter. Das muss auch eine Frau erfahren, die gerne Restmüllsäcke gekauft hätte. „Tut uns leid, erst am Montag wieder.“
Gelbe Säcke können mitgenommen werden. „Ja, das funktioniert“, beantwortet ein Mitarbeiter die Frage eines Mannes: Grünabschnitt abladen, bei der Ausfahrt gibt es die Säcke, die ein Mitarbeiter zwischenzeitlich geholt hat.
Lauterer Auto, Geiselberger Grünschnitt
Dass sie an diesem Samstag zu dritt arbeiten, erweist sich als sinnvoll. Mindestens ein Mitarbeiter hat immer den Grünabladeplatz im Auge, schaut, dass der Kontakt zwischen den Besuchern nicht zu eng wird. Zwei sind am Eingang beschäftigt. Fahrer von Autos mit kreisfremden Kennzeichen werden gefragt: „Woher kommen sie?“ Der Wertstoffhof ist im Prinzip den Bürgern des Landkreises vorbehalten. „Die bezahlen das ja“, erklärt ein Mitarbeiter. OF oder KL stehen zum Beispiel auf den Kennzeichen. „Firmenauto“, erklärt einer. Oder Leasing. „Auto aus Kaiserslautern, Grünschnitt aus Geiselberg“, sagt ein Fahrer lachend.
Immer wieder klingelt das Telefon. „Ja, wir haben heute offen. Bis 12 Uhr. Nein, Donsieders ist heute zu.“ Wer vor Ort wissen will, wann die Flatterbänder und Pylonen weggenommen werden, die all die noch nicht nutzbaren Abladebereiche sperren, erfährt: Montag. Dann wird das rollierende System inklusive Annahme aller Abfallarten, die am jeweiligen Wertstoffhof abgegeben werden können, ausprobiert. Für den Wertstoffhof Heltersberg bedeutet das, dass montags, mittwochs und freitags ganztägig geöffnet ist. Dienstags, donnerstags und samstags bleibt geschlossen. An diesen drei Tagen öffnet der Wertstoffhof in Donsieders.
„Dann schmeiße ich es in den Wald“
Auch die Englisch-Kenntnisse der Mitarbeiter sind gefragt. Amerikanische Bürger, die im Holzland leben, wollen etwas entsorgen. „Sorry, not possible today“, wird aufgeklärt. Auf dem Hänger befindet sich vieles, aber kein Grünabfall. „Monday, Wednesday, Friday“ könne er mit vollem Hänger auf den und mit leerem Hänger vom Hof fahren.
Die meisten, die unverrichteter Dinge wieder abfahren müssen, weil die wilde Mischung auf dem Hänger noch nicht abgeladen werden darf, zeigen Verständnis. Das ist nicht immer so. „Wenn ihr das nicht annehmt, dann schmeiße ich es eben in den Wald“ – den Satz bekommen Mitarbeiter auf dem Wertstoffhof immer mal wieder zu hören. Nicht nur in Corona-Zeiten. Was auf einem Hänger geladen ist, aber nicht auf dem Wertstoffhof abgegeben werden kann, „das sehen wir ja genau“. Die dazugehörige Autonummer bei so einem Spruch, „die merken wir uns zur Sicherheit auch schon mal“, verraten sie. Für den Fall, dass sich der Müll tatsächlich im Wald finden sollte.
An diesem Samstag bleibt es entspannt. Ein schönes Wochenende wünschen den Mitarbeitern etliche glückliche Menschen, die ihren Grünabfall entsorgen konnten.