Rieschweiler-Mühlbach / Dietrichingen
Mittlerweile bauen sich viele Störche ihre Nester selbst
Die letzte in Deutschland registrierte Nachricht über die Flugbewegungen des mit einem GPS-Sender fliegenden Storches Hans stammte vom 24. Oktober 2020 aus dem Umland der spanischen Stadt Badajoz, nicht weit von der Grenze zu Portugal. Der Verhaltensbiologe Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte Radolfzell hatte der RHEINPFALZ Mitte März mitgeteilt, dass sich vermutlich die Solarbatterie des Senders nicht mehr richtig auflädt.
Völlig unerwartet wurde am 19. März der Ring am Bein von Hans auf dem Hitscherhof abgelesen. Diese Nachricht wurde einige Tage später auf der Internetseite des rheinland-pfälzischen Storchenzentrums in Bornheim bei Landau veröffentlicht. Eine Nachricht, die die Vogelfreunde im Zweibrücker Land und die Vogelwarte am Bodensee mit Freude und Erleichterung zur Kenntnis genommen haben.
Senderstorch Pirmin bleibt erneut in Frankreich. Er ist zwischenzeitlich wieder an der Elsässischen Weinstraße gelandet. Sein bisheriges Nest in Blaesheim konnte er jedoch nicht wieder beziehen. Gegenwärtig scheint es sicher, dass er in Geispolsheim nur drei Kilometer von seinem bisherigen Brutplatz eine neue Bleibe gefunden hat. Die Storchenbetreuer vor Ort bedauern, dass man den Aufenthaltsort hinter Straßburg wegen der Corona-Auflagen nicht einfach besuchen kann, um Näheres in Erfahrung zu bringen.
Ring gibt Auskunft über Aufenthalte und Reisewege
Die RHEINPFALZ hat der Vogelwarte des Max-Planck-Instituts am Bodensee eine weitere Buchstaben- und Zahlenkombination eines beringten Storches auf dem Kirschbacherhof mitgeteilt. Aus der von Monika Krome betreuten Datenbank geht hervor, dass das Männchen im Juni 2013 von Manfred Konrad aus Theisbergstegen auf dem Kirschbacherhof einen Ring erhielt. Im Jahr darauf wurde der Storch über Sommer am Niederrhein gesehen. Ab 2016 war er Dauergast an seinem Geburtsort.
Wenige Minuten nachdem das Foto mit dem sichtbaren Ring am Bein eingefangen war, da gab es einen Wechsel beim Bebrüten der Eier. Der Mann übernahm nun die wichtige Aufgabe von der Gattin, die kurz darauf zur Futtersuche abhob. Auf dem Rosenbogen der Gartentür des Hofgutes brütet das Paar.
Schwarzbachtalgemeinde will Storchendorf werden
Auf dem Hitscherhof und an der Bahnlinie in der Talaue wachsen die bisher noch übersichtlichen Storchenkolonien weiter. Auf der abgesägten Spitze eines Tannenbaumes, zwischen den Dächern der verschiedenen Hofgebäude beim Golfplatz hat sich ein Pärchen eine neue Behausung gebaut. Die aus Sicherheitsgründen für die umliegenden Ziegeldächer gekürzte Fichte ist ein idealer Platz für ein gut anzufliegendes und sicher verankertes Nest im Schutzbereich weiterer Artgenossen. Auf einen gegipfelten Weidenbaum beim Hofgut haben die Störche ebenfalls ein neues Nest gebaut. Zwei weitere Nester werden gerade an die Dachschrägen gehängt, wo man große Bedenken haben muss, dass sie bei stürmischem Wetter abrutschen könnten. Es gibt auch immer noch Luftkämpfe um Storchenweibchen. Auch auf den Bäumen im Talbereich bei der Bahnlinie und der Schuhfabrik Stuppy haben die Störche neue Naturnester gebaut.
Auf dem Hitscherhof gibt es nun zwölf Paare und in Höhmühlbach mindestens elf Nester, wo es bald Nachwuchs gibt. Hinter den Rieschweiler Mühlen und der Bahnhofstraße gibt es vier bewohnte Nester. Es ist gut möglich, dass noch mehr Störche Baumnester bauen. Trotzdem bieten Dorfbewohner weitere Nisthilfen an, was die gewachsene Verbundenheit zu den Weißstörchen unterstreicht. Eine schnelle Besiedlung dieser Brutplätze ist nicht ausgeschlossen. Rieschweiler-Mühlbachs Wunsch, zum Storchendorf zu werden, könnte bis 2025 vielleicht in Erfüllung gehen.