Fischbach
Mit Gelassenheit und Humor durchs Jahrhundert
Auf die Frage, wie sich die 100 Jahre anfühlen, meint Cornet mit verschmitztem Lächeln: „Das waren schon Zeiten, diese ersten hundert Jahre, mal sehen was in den zweiten hundert kommt.“ Am 2. August kam er in Fischbach zur Welt. Das Fest zum 100. Geburtstag hat er in vollen Zügen genossen – coronakonform mit einem Festzelt im Garten.
Das Alter macht ihm mittlerweile zu schaffen. Die Ohren machen nicht mehr so mit und ein Auge ist so gut wie blind – „das hab ich aus dem Krieg mitgebracht“, meint er. Er ist empfindlich gegen Zugluft, deshalb bleibt er am liebsten drinnen. Auch die Gedanken gehen langsamer, doch ab und an blitzt der alte Schalk durch, der ihm schon ein Leben lang im Nacken sitzt. Tochter Irmtraud hilft ihm bei der Erinnerung, ergänzt die Dinge, die sie von ihrem Vater erfahren hat. Holt sich mit Fragen Bestätigung für ihre eigenen Erinnerungen.
Die Jugend ist mit dem Krieg zu Ende
Cornet kam als jüngstes von sechs Geschwistern im Haus der Familie in der Dahner Straße auf die Welt. Viel Zeit zum Kindsein blieb damals nicht, nach der Schule ging es mit den Eltern aufs Feld oder mit dem Vater in den Wald zum Holzmachen. Schon früh arbeitet er auch im Sägewerk am Saarbacherhammer. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war für Cornet dann die Jugend zu Ende. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam mit anderen Fischbachern zum Afrikacorps unter Erwin Rommel. Noch bevor er in Afrika an Land gehen konnte, wurde das Schiff versenkt, Cornet und seine Kameraden mussten schwimmen, bis sie von Kameraden aus dem Meer gefischt wurden.
Als die „Heeresgruppe Afrika“ im Frühjahr 1943 kapitulierte, wurde er wie hunderttausende anderer Soldaten als Kriegsgefangener in die USA verschifft. „Nach der Entlassung 1947 waren wir auf dem Schiff nach Hause, als wir durch einen Funkspruch davor gewarnt wurden, in der Französischen Zone an Land zu gehen, weil die Franzosen zu der Zeit alle Deutschen und vor allem auch Pfälzer, derer sie habhaft werden konnten, in Arbeitslager steckten“, blickt Cornet mit Hilfe seiner Tochter zurück. Man sei dann in England gelandet, wo er noch einige Zeit zugebracht hat, bevor er im Juli 1947 nach Hause kam. Im November des gleichen Jahres heiratete er seine Liebe aus der Schulzeit, Maria Bauer.
Immer zu einem Spaß aufgelegt
Neben der Sorge um das tägliche Brot für seine Frau und die drei Kinder blieb Cornet nicht viel Zeit für andere Dinge. Er arbeitete im Straßenbau, anfangs auch auf Montage, half, wenn er irgendwo gebraucht wurde, unterstützte seine beiden Söhne beim Bau ihrer Häuser. Seine Tochter erinnert sich an ihren Vater zeitlebens als einen fröhlichen Menschen, der immer zu einem Spaß aufgelegt war. „Wir haben schon so manchen Unfug angestellt, als wir jung waren“, sagt Cornet und schweigt schmunzelnd über die Einzelheiten.
Wie man es schafft, so alt zu werden, wollen wir von ihm noch wissen: „Gutes Essen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen. Man muss ruhig bleiben und alles nehmen, wie es kommt, aufregen bringt nichts“, sagt Cornet. Und lädt uns schon mal zum nächsten runden Geburtstag ein.