Kreis Südwestpfalz Mit Disziplin und Teamwork zum Ziel
Ausschlafen und einmal gar nichts tun – das stand nach dem Abitur für einige Tage hoch im Kurs. Nach knapp 13 Schuljahren und teils intensivem Lernen ließ es Lea Wagner aus Hermersberg entspannter angehen. Mit einem Notenschnitt von 1,3 hat sie das beste Abitur an der Integrierten Gesamtschule in Thaleischweiler-Fröschen (IGS) abgelegt.
Die Ausruhphase blieb aber kurz: In einem Einkaufsmarkt in Pirmasens arbeitet die 18-Jährige zurzeit, um ihre Kasse aufzubessern. Nebenbei bastelt sie an ihrer Zukunft. In Köln möchte sie Geschichte und Archäologie studieren. Aber erst 2020. Bis dahin will sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Am liebsten würde sie mit Tieren arbeiten, zum Beispiel in einem Zoo. Im ersten Jahr nach der Schulzeit möchte sie sich praktisch betätigen, sich für Umwelt, Natur und deren Schutz einsetzen. Anpacken, sich um Tiere kümmern, das kennt Lea Wagner von Kindesbeinen an. Die Großeltern hatten eine Landwirtschaft, die ihre Eltern im Nebenerwerb weiterbetreiben. Pferde, Ponys, Ziegen, Enten und Katzen gehören schon immer zum Lebensumfeld von Lea Wagner. „Sie ist es gewohnt, dass es da mit anpacken heißt“, sagt Mama Helga. Und Lea weiß, was lernen heißt. Im Gegensatz zu Bruder Max, der vor Jahren an der IGS ein sehr gutes Abitur abgelegt hat und jetzt Medizin studiert, „fiel mir das Lernen nie leicht“, erzählt sie. Mathe und Rechtschreibung – „damit habe ich mich bis zur sechsten Klasse sehr schwer getan“, gesteht sie. Aber sie hat gelernt. Schon früh. „Ab der siebten Klasse ging es dann.“ Immer besser. Bereits die zehnte Klasse schloss sie als Jahrgangsbeste ab. Lea entschied sich für die Leistungskurse Biologie, Deutsch und Geschichte und begann als zweite Fremdsprache Latein. Sie legte nicht nur das beste Gesamtabitur ab, sondern erreichte auch in all ihren Prüfungsfächern die jeweils besten Leistungen. Neben der erforderlichen Disziplin war für sie Teamarbeit in Lerngruppen ganz entscheidend für das gute Abi. Drei Tage, bevor sie im mündlichen Abitur ihre Lateinkenntnisse nachweisen musste, kam noch eine Nachricht vom Bildungsministerium in Mainz. „Ihr habt da was gewonnen“, wurde ihr und einer Mitschülerin mitgeteilt. Es handelte sich um den ersten Preis im Landeswettbewerb Certamen Rheno-Palatinum; ein Wettbewerb für Latein und Griechisch, in ihrem Fall für die Schüler, die ab der elften Klasse mit einer der beiden Sprachen begonnen hatten. „Natürlich hat mich das für das mündliche Abitur noch mal motiviert“, sagt sie. 14 Punkte in Latein waren der Lohn. Der Frage „Darf der Kaiser alles?“ hatten die Wettbewerbsteilnehmer anhand von Texten aus dem alten Rom und der Moderne, zum Beispiel in Zeitungen, nachspüren müssen. Vergleichen, Parallelen ziehen, Veränderungen erkennen. Politik beziehungsweise Machtinteressen früher und heute. Dem Satz „Aus der Geschichte lernen“ kann sie viel abgewinnen. „Ein Leben ohne Geschichte kann ich mir gar nicht vorstellen“, sagt Lea Wagner. Deshalb reifte der Wunsch, Geschichte zu studieren. Weil es dazu ein zweites Studienfach braucht, rückte die Archäologie auf den Plan. Die Chance, bei Ausgrabungen dabei zu sein, findet sie spannend. „Und Köln ist eine tolle Stadt“, sagt sie zu ihrem Wunschstudienort. Bis zum geplanten Studienbeginn bleibt sie voraussichtlich daheim in der Region – je nachdem, wo sie während des Ökologischen Jahres anpacken wird – und nutzt die Gelegenheit, ihrem Hobby Reiten nachzugehen und ab und zu mal zu kochen. „Das mache ich gerne“, verrät sie. Gelernt hat sie viel von ihrer Oma Fanny.