Waldfischbach-Burgalben
Mit dem Schuhkarton ein bisschen Glück teilen
„Weihnachten im Schuhkarton“ heißt die Aktion, für die sich Sonja Wohlgemuth seit vielen Jahren engagiert. „Wie lange schon, weiß ich gar nicht“, sagt sie. Seit 25 Jahren gibt es die Aktion in Deutschland. „So lange mache ich es noch nicht“, meint die Hebamme schmunzelnd. Ihre Praxis in Waldfischbach-Burgalben wird zwischen Oktober und Mitte November zum Päckchen-Paradies. Bei Sonja Wohlgemuth können Menschen, die armen Kindern eine Freude bereiten wollen, ein Päckchen in der Größe eines Schuhkartons abgeben. Mitte November werden diese Päckchen abgeholt und auf den Weg zu bedürftigen Kindern in aller Welt gebracht.
Die Idee brachte Sonja Wohlgemuth von der Mennonitengemeinde in Sembach mit. Dort wurde die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ schon früh mitgetragen. „Ich fand die Idee von Anfang toll. Ich habe vier gesunde Kinder, ein gutes Leben. Von diesem Glück wollte ich ein bisschen was weitergeben“, erzählt sie. Es begann damit, dass sie selbst zunächst für ein Kind Weihnachten in den Schuhkarton packte.
Immer mehr Frauen machen mit
Weil auch in ihre Hebammenpraxis viele Menschen kommen, die gerade glückliche Momente erleben, sich auf das Kind freuen, begann sie zu fragen, ob kein Interesse bestünde, die Aktion zu unterstützen. „Das fanden und finden eigentlich alle toll“, sagt sie. So begannen die Frauen und Familien, die sie als Hebamme betreut, Weihnachten für ein Kind in den Schuhkarton zu packen, ihr Glück zu teilen.
Die Wohlgemuths – neben Mama Sonja sind das Papa Stephan und die Kinder Elija (18), Jona (16), Sem (12) und Enya (6) – nehmen nun schon seit einigen Jahren in der Zeit von Oktober bis Mitte November gepackte Päckchen in Empfang. Als eine von über 5000 Abgabestationen weltweit. „Natürlich packen wir auch selbst noch ein Päckchen“, sagt Sonja Wohlgemuth. Das ist eine Herzensangelegenheit für Tochter Enya. „Sie sucht aus, für wen wir packen und sucht dann natürlich auch mit Begeisterung die Geschenke aus, die in den Karton kommen“, verrät die Mama. Aussuchen heißt, dass der Schenkende entscheiden kann, ob er ein Mädchen oder einen Jungen beschenkt und die Altersgruppe festlegen kann. Denn ein zwölfjähriger Junge hat bekanntlich andere Wünsche als ein sechsjähriges Mädchen.
Über 70 Päckchen in diesem Jahr
In der Praxis wird ab Herbst gestapelt. Quer und natürlich ist auch hochstapeln erlaubt. Wohlgemuth erinnert sich noch an das erste Jahr, als sie Päckchen annahm. „Es kam ganz lange fast gar nichts und ich dachte schon ohje“, erzählt sie. Wenige Tage vor Abgabeschluss „kam dann Päckchen um Päckchen“, freut sie sich. Viele Frauen und Familien, die sie als Hebamme betreut hat, sind nun schon seit Jahren dabei, bringen das Schuhkarton-Weihnachten zu ihr, wissend, dass es dann den richtigen Weg nimmt.
Im vergangenen Jahr waren es über 90 Päckchen. „In diesem Jahr sind es etwas weniger, knapp über 70“, erzählt sie. Corona habe hierbei eine Rolle gespielt, ist sie sich sicher. Viele seien verunsichert, manche ängstlich und wieder andere haben einfach keinen Spaß dabei, „einfach mal shoppen zu gehen“, sagt sie und bekennt, dass auch ihr aktuell ein bisschen die Freude daran fehle. Gepackt wurde natürlich trotzdem. „Auch mit Freude. Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie wahrgenommen werden, wir wollen ihnen sagen, du bist wichtig“, unterstreicht Wohlgemuth.
Was in den Päckchen eingepackt ist, die bei ihr abgegeben werden, „weiß ich nicht“, sagt sie. Die Wohlgemuths stapeln diese zwar, „aber wir schauen nicht rein“, erklärt sie. Obwohl die Päckchen offen bleiben müssen. „Die Organisation, die sie dann verteilt, schaut noch mal rein“, weiß sie. Die Organisation, das sind die „Samaritan’s purse“. Die Idee zu dieser Aktion stammt ursprünglich aus den USA.
Eine Liste hilft bei der Auswahl
Aus mehreren Gründen werden die Päckchen noch mal geprüft. Es darf nichts drin sein, was andere verletzen könnte. Gegen Zollbestimmungen darf nicht verstoßen werden. Werden Süßigkeiten eingepackt, sind dabei etliche Dinge wie etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum zu beachten. „Es gibt eine Liste, auf der man sehen kann, was geht, was nicht geht“, erzählt Wohlgemuth. Dort gibt es auch Tipps, was geschenkt werden kann. Benötigt werden oft Dinge des alltäglichen Lebens, die bei uns selbstverständlich sind, in vielen Ländern aber schwer für die Kinder zu bekommen sind. Plüschtiere sorgen fast immer für strahlende Kinderaugen. Neben Spielzeug sind auch Lernmaterialien gefragt und natürlich Leckereien.
Aber es ist gibt noch einen weiteren Grund, weshalb in die Kartons geschaut wird. „Leider haben das manche wohl auch genutzt, um abgelegte Kleidung weiterzugeben. Das ist ganz sicher nicht der Sinn der Aktion“, sagt sie.
Ihr Wunsch: Menschlichkeit behalten
Was sie selbst gerne allen Menschen in einem Päckchen unter einen Weihnachtsbaum legen möchte, „wäre der Wunsch, dass die Menschlichkeit nicht verloren gehen darf“. Sie merke, wie sich die Menschen in diesen schwierigen Zeiten, in denen es das Virus ernst zu nehmen gelte, verändern. Wenn die Zukunft wieder ein bisschen mehr Normalität, mehr Angstfreiheit bringe, „wäre das schön“, hofft Sonja Wohlgemuth.