Rodalben
Metzgerei Hirtle: Seit einem halben Jahrhundert Familienbetrieb
Pirmasens, Landstuhl, Thaleischweiler-Fröschen, zweimal Kaiserslautern und Neunkirchen: Die Metzgerei Hirtle ist in der Westpfalz und dem angrenzenden Saarland stark vertreten. Das Stammhaus des Traditionsbetriebs befindet sich aber – wie auch schon bei der Gründung – in Rodalben. In dem südwestpfälzischen Städtchen übernahm Fritz Hirtle zum 31. Juli 1975 als Pächter die Metzgerei Hoffmann Karl – alteingesessenen Rodalbern noch bekannt als „Knoche Kall“. Wer fit im Kopfrechnen ist, dürfte direkt bemerkt haben, dass die Metzgerei kurz vor einem runden Geburtstag steht. In rund zwei Monaten wird der Betrieb stolze 50 Jahre alt.
In dem halben Jahrhundert blieb allerdings nicht nur der Name gleich. Die Metzgerei befindet sich nach wie vor in Familienhand. Fritz Hirtles Söhne Romuald, besser bekannt als „Romi“, und Thilo sind bereits vor Jahrzehnten eingestiegen. Dass ein Familienbetrieb ein solches Jubiläum feiern darf, ist zunehmend zur Seltenheit geworden. Umso größer ist die Freude bei „Romi“ Hirtle darüber: „Es ist schon eine besondere Sache. Vor allem, weil ich seit dem ersten Tag dabei bin.“ Schon mit 13 Jahren hat der heutige Geschäftsführer in der Wurstküche mitgearbeitet. Frei nach dem Motto „früh übt sich“ fiel ihm die Berufswahl entsprechend leicht. „Mein Vater war Metzger, also habe ich mir gedacht, dass ich auch Metzger werde. Es stand eigentlich gar nichts anderes zur Wahl“, erzählt er beim Besuch der RHEINPFALZ mit einem Lachen. Wie die Traditionsmetzgerei ihr 50-jähriges Bestehen begehen will, steht hingegen noch nicht fest. „Wir hatten in letzter Zeit ein paar Engpässe und sind gar nicht dazu gekommen, etwas zu planen. Wir werden aber schon noch etwas auf die Beine gestellt bekommen“, berichtet Hirtle.
Metzgerei setzt auf traditionelles Handwerk
Rund 70 Mitarbeiter arbeiten in den Filialen der Metzgerei Hirtle – und in der hauseigenen Produktion. Alles rund um Wurst, Fleischkäse und Co. wird bis heute am Rodalber Stammsitz hergestellt. Trotz allen technischen Fortschritts hat sich am Handwerk nichts geändert. „Es ist alles etwas leichter geworden, man muss nicht mehr die großen Lasten schleppen. Aber die Zerlegung und Herstellung läuft immer noch ganz traditionell – und das schmeckt man beim Ergebnis“, erklärt „Romi“ Hirtle. Auch die Rezepte haben sich wenig bis gar nicht verändert: „Manche wurden etwas verfeinert – hier ein Gewürz dazu, dort eins weg. Aber im Grunde ist alles noch wie früher.“ Anfangs gab es allerdings gar keine festen Rezepte, erzählt Hirtle. „Da ging alles über Gefühl und Abschmecken“, sagt der Geschäftsführer lachend. Das sei heute natürlich nicht mehr möglich, ergänzt er: „Es ist ja unsere Verantwortung gegenüber den Kunden, dass unsere Produkte immer gleich schmecken.“
Besonders beliebt seien aktuell die Frikadellen, verrät Hirtle. „Davon machen wir rund 1500 Stück am Tag. Die gehen richtig gut.“ Ebenso gut kommt bei der Kundschaft der Mittagstisch an. Laut Hirtle gehen in den sieben Filialen circa 500 Tagesessen pro Tag über die Theke. „Zusammen mit unseren anderen Gerichten kommen wir täglich auf etwa 750 bis 800 Mittagessen täglich“, rechnet Hirtle vor. Ein Klassiker „auf die Hand“ ist das Fleischkäsebrötchen in verschiedenen Variationen. Rund 500 davon werden täglich verkauft, berichtet der Metzgermeister. Einen persönlichen Favoriten in seinem Sortiment hat der Metzgerei-Chef allerdings nicht: „Ich kann da nichts hervorheben. Mir schmeckt alles gut.“
Noch keine Rentenpläne
„Romi“ Hirtle ist inzwischen 62 Jahre alt. Mit dem Renteneintritt will er sich aber noch Zeit lassen. „Wenn ich es erlebe, mache ich das hier noch bis mindestens 95“, sagt Hirtle mit einem herzlichen Lachen und ergänzt: „Ich bin quasi dazu gezwungen.“ Es fehlt nämlich an einem Nachfolger für den Familienbetrieb. „Romi“ Hirtle und sein Bruder Thilo haben zwar jeweils zwei Kinder, doch sie alle haben sich bereits abseits der Metzgerei beruflich orientiert.
Ihn zieht es aber auch noch nicht in den Ruhestand, wie er erzählt: „Mir macht es immer noch Spaß. Ich habe tolle Mitarbeiter, die mich immer anspornen, auch wenn es mal stressig ist.“ Hirtle reizt vor allem die Vielfalt: „Ich bin Metzger, aber auch Geschäftsführer. Zusätzlich bin ich Partner und Seelsorger für meine Mitarbeiter.“ Er versuche, seiner Belegschaft als gutes Vorbild zu dienen und bei Bedarf jederzeit selbst mitzuhelfen. „Ich bin da, wo es fehlt“, betont er. So habe er um die Weihnachtszeit wegen mehrerer Krankheitsfälle am Standort Neunkirchen in der dortigen Filiale hinter der Verkaufstheke mitangepackt. Aktuell vertritt er in der Produktion seinen Metzgermeister, der nach einer Operation ausfällt.
Aus Krisen herausgekämpft
Neben den sieben Filialen beliefert die Metzgerei Hirtle von Rodalben aus rund 40 Großkunden. Die selbst hergestellten Produkte gehen etwa an Universitäten, Krankenhäuser, Altenheime und Imbisse. Auch auf Deutschlands höchstem Fußballberg, dem „Betze“ in Kaiserslautern, gibt es Hirtle-Produkte.
Zahlen möchte Hirtle nicht nennen, doch mit seinem Jahresumsatz ist der Geschäftsführer zufrieden. „Natürlich haben auch wir die jüngsten Krisen bemerkt – Corona, Ukraine-Krieg, Inflation, Energiekrise. Aber wir haben uns aus allem wieder herausgekämpft“, schildert Hirtle. Inzwischen sei man wirtschaftlich wieder auf Vor-Corona-Niveau angelangt. „Vielleicht liegen wir sogar ein bisschen darüber“, ergänzt er.