Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Sicherheit für die Narren: Was heißt das für den Dahner Umzug?

2020 fand der Dahner Umzug zuletzt statt. Mit etwa 60 Zugnummern und mehreren Tausend Besuchern zählt er zu den größten in der R
2020 fand der Dahner Umzug zuletzt statt. Mit etwa 60 Zugnummern und mehreren Tausend Besuchern zählt er zu den größten in der Region.

Mittwochsinterview: Die Narren dürfen wieder feiern, doch viele Karnevalvereine sagen ihren Umzug ab. Begründung: Die 2020 in Rheinland-Pfalz verschärften Sicherheitsauflagen seien nicht zu stemmen. In Dahn plant der Karnevalverein Elwetritsche (KVE) seinen Umzug. Was das heißt, erklären der Vereinsvorsitzende Sven Breiner und Umzugsleiter Daniel Laux.

Frankenthal, Ludwigshafen-Mannheim, Germersheim: Die Liste der Absagen ist schon lang. Können Sie die Rückzieher verstehen?
Sven Breiner: Der Schutz der Strecke spielt eine große Rolle in den Sicherheitskonzepten. Das ging los mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016, als ein Sattelzug hinein gesteuert wurde. Aber wenn jetzt, wie zum Beispiel in Frankenthal, fast 40 Fahrzeuge zum Schutz der Umzugsstrecke verlangt werden, dann ist das schon ein großer Aufwand und letztlich eine Kostenfrage.

Und was ist in Dahn anders?
Sven Breiner: Wir haben nur drei Hauptzufahrtsstraßen auf der Umzugsstrecke, die wir sichern müssen. Und da hatten wir zuletzt auch noch Glück, weil uns ein Bauunternehmen mit 40-Tonnern unterstützt hat.

Daniel Laux: Aber das geht jetzt nicht mehr, wegen der Ruhezeiten für Lkw-Fahrer. Wenn der Fahrer am Wochenende für uns im Einsatz ist, darf er in der Regel nicht schon am Montag wieder arbeiten. Er muss ja die ganze Zeit am Fahrzeug bleiben, für den Fall, dass Rettungsdienst oder Feuerwehr durchfahren müssen. Deswegen werden wir jetzt auch kleinere Fahrzeuge aufstellen. Die Streckensicherung ist aber nur ein Teil des Sicherheitskonzepts. Die Auflagen sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Das hängt ja auch von der zu erwartenden Zuschauermenge ab.

Was heißt das konkret?
Daniel Laux: Ab 15.000 Zuschauer müssten wir das Sicherheitskonzept zum Beispiel auf Kreisebene abstimmen und sechs Monate vorher erstellen. Da wir aber mit ungefähr 6000 Zuschauern rechnen, können wir das Konzept direkt mit der Verbandsgemeinde und dem Ordnungsamt klären; Polizei und Feuerwehr sind auch eingebunden. Das klappt gut.

Befürchten Sie nicht, dass es mehr Zuschauer werden, nachdem in der Vorderpfalz so viele Umzüge ausfallen?
Sven Breiner: Das ist schwer zu sagen. Ein großer Faktor ist immer das Wetter. Das macht das Ganze bis zuletzt unsicher und erfordert eine Menge Flexibilität bei den Vereinen.

Wie läuft das überhaupt mit dem Sicherheitskonzept für den Umzug? Wer erstellt das?
Sven Breiner: Das machen wir im Verein, also der Vorstand und die beiden Umzugsleiter. Dafür gibt es Formulare, mit denen wir eine Risiko-Analyse erstellen müssen. Also die Häufigkeit bestimmter Risiken feststellen, beispielsweise für Sturm. Da sitzt man dann abends dran und googelt Paragrafen, um manches zu verstehen. Bei einem großen Umzug wie in Mainz wird vieles von Behörden übernommen. Kleinere Vereine wie wir können das eigentlich kaum leisten, wir sind ja alle fachfremd.

Das klingt nach viel Bürokratie ...
Sven Breiner: Es gibt immer mehr Vorgaben und Auflagen. Auch bei Dingen, die gut funktioniert haben. Jetzt muss zum Beispiel auch jeder gezogene Wagen eine Betriebserlaubnis haben; bisher war diese über die Zugmaschine erteilt. Wir achten darauf, dass alles technisch in Ordnung ist. Aber für Wagen, die vor 20 Jahren mal gebaut wurden, wird das kompliziert. Ich verstehe, dass das Thema Sicherheit wichtig ist. Aber manchmal wünsche ich mir schon ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl von Seiten der Behörden.

Daniel Laux: Einerseits wird das Ehrenamt immer hervorgehoben. Aber gerade nach der Pandemie, wo es für Vereine ohnehin schon schwierig ist, wird es noch schwieriger. Wenn ein Umzug drei oder vier Jahre ausfällt, wird er wahrscheinlich gar nicht mehr stattfinden.

Was müssen Sie noch beachten?
Daniel Laux: Wir müssen einen Sanitätsdienst engagieren. In unserem Fall sind es acht Teams mit je zwei Personen, zwei Rettungswagen, ein Notarzt und eine Kommunikationseinheit. Plus Ersatz für das Personal, denn die machen ja auch einmal Pause. Dazu kommen Auflagen wie wiederverwendbare Becher bei der Bewirtung, Plastikbecher dürften ja nicht mehr genommen werden. Das spielt bei unserem Guggemusik-Festival am Samstag zuvor eine Rolle. Dafür weichen wir in diesem Jahr übrigens aus in das Haus des Gastes. Die Kosten für das große Festzelt, das wir im Gewerbegebiet hatten, sind enorm, das finanzielle Risiko ist uns dieses Jahr zu groß. Die Stadthalle ist günstiger, aber auch da gibt es Besonderheiten. Beispielsweise muss der Boden dort geschützt werden.

Stichwort Kosten: Wie hat der Verein die Coronapause überstanden?
Sven Breiner: Bei den Kinder-Tanzgruppen sind einige abgewandert; mit den Kleinen war Online-Training nicht machbar. Aber die Größeren und die Mitglieder sind uns treu geblieben. Finanziell haben wir die Pause natürlich gemerkt, unsere Rücklagen sind kleiner geworden. Aber wir haben bisher gut gewirtschaftet, das zahlt sich aus.

Was kostet so ein Umzug eigentlich?
Sven Breiner: Wenn wir zu Sanitätsdienst, Verpflegung, Toiletten und unserer Wagenbauer-Prämie, die wir am Aschermittwoch vergeben, noch die Spielmannszüge dazu rechnen, sind wir schon bei etwa 20.000 Euro. Deswegen verkaufen wir ja auch unsere Eintritts-Plaketten zu je drei Euro, mit denen uns die Zuschauer freiwillig unterstützen können.

Wie viele tun das denn?
Daniel Laux: Wir schätzen, dass ungefähr ein Drittel der Zuschauer eine Plakette kauft.

Wie viele Zugnummern wird es dieses Jahr geben und unter welchem Motto steht der Umzug?
Daniel Laux: Bisher hatten wir um die 60 Zugnummern. Ob das so bleibt, wissen wir noch nicht; durch die coronabedingte Pause hat sich manche Fußgruppe verkleinert. Eine feste Motto-Vorgabe haben wir nicht. Aber da wir den 55. Umzug veranstalten, wollen einige Teilnehmer Themen aus vergangenen Jahren aufgreifen.

Was machen Sie selbst beim Umzug?
Daniel Laux: Wir kriegen gar nicht so viel mit davon, weil wir während des Umzugs bestimmte Abschnitte begleiten und dafür sorgen, dass dort alles rund läuft. Wir schauen uns dann am Abend ein Video vom Umzug in Ruhe an. Und wir genießen es, wenn wir bei anderen Umzügen am Montag und Dienstag mitlaufen können.

Der Umzug

Anmeldungen für den Umzug am Sonntag, 19. Februar, 13.33 Uhr, können über die Homepage des KVE erfolgen: https://kve-dahn.de/anmeldung-zum-umzug/. Wer in das Umzugsprogramm aufgenommen werden will, muss sich bis 5. Februar anmelden. Teilnehmen können Gruppen aber noch, wenn sie sich später anmelden.

Sie gehören zur Kerntruppe, die auch den Fasnachtsumzug organisiert: der Vereinsvorsitzende Sven Breiner (von links) und die Umz
Sie gehören zur Kerntruppe, die auch den Fasnachtsumzug organisiert: der Vereinsvorsitzende Sven Breiner (von links) und die Umzugsleiter Christian Hucke und Daniel Laux.
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