Kreis Südwestpfalz Mehr Bildung als Betreuung

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Mehr Anerkennung ihrer Arbeit − natürlich auch in Form von mehr Gehalt. Gravierende Ungerechtigkeiten im Lohnsystem beseitigen. Die Arbeit der Erzieher, deren Beruf sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert hat, qualitativ neu bewerten. Das sind die Forderungen der kommunal Beschäftigten aus dem Landkreis Südwestpfalz, die beim aktuellen Streik der Erzieher mitmachen.

„Wir wollten uns nicht am Streik beteiligen, ohne zu erklären, warum wir jetzt auf die Straße gehen“, sagte Anja Schindler, die Leiterin des kommunalen Kindergartens in Waldfischbach-Burgalben, an dem seit gestern unbefristet gestreikt wird. Die Eltern, betonte Michael Hammer als Leiter der Kindertagesstätte in Heltersberg, die gleichfalls unbefristet streikt, hätten Verständnis für die Aktion. Zum Pressegespräch, an dem 40 Erzieher und Erzieherinnen aus dem Landkreis teilnahmen, hatten Schindler und ihr Team vorgestern eingeladen. „Wir streiken auf gar keinen Fall gegen die Eltern und Familien unserer Kitakinder“, unterstrich Schindler. Dass es für die Eltern eine schwierige Lage sei, sei nachvollziehbar. Da die Arbeitgeberseite kein tragfähiges Angebot vorgelegt habe, „bleibt uns nur der Streik, um unsere berechtigten Forderungen auszudrücken“. Forderungen nach mehr Gerechtigkeit. Beispielsweise in dem Punkt, dass Leiterinnen kleiner Einrichtungen, die im Bemessungszeitraum von Oktober bis Dezember nicht permanent 40 Kinder im Kindergarten haben, derzeit gerade mal 30 Euro brutto mehr pro Monat verdienten als Kolleginnen ohne Leitungsfunktion. Sind in diesem Zeitraum mindestens 40 Kinder im Kindergarten, verdient eine Leiterin fast 650 Euro mehr. „Das ist nicht in Ordnung“, bemängelt beispielsweise Ulrike Schattner, Leiterin der Kindertagesstätte in Maßweiler. Ungerecht sei auch, unterstrich Schindler, dass Arbeitgeber die vorherigen Arbeitsjahre einer Erzieherin nicht anerkennen müssten. Da könne es passieren, dass eine Erzieherin nach 20 Jahren im Beruf eine Leiterinnenstelle an einer anderen Kita übernehmen will und gerade mal 20 Euro mehr im Monat verdiene. Viele Erzieherinnen könnten sich einen Arbeitsplatzwechsel schon aus finanziellen Gründen nicht leisten. Die Leitungsfunktionen müssten völlig neu bewertet werden, sagte Schindler. Sie könne das aus eigener Erfahrung beurteilen. Sie habe vor 19 Jahren als Leiterin der Kita mit einer Gruppe begonnen, sei für vier Mitarbeiterinnen inklusive Reinigungskraft verantwortlich gewesen. Heute seien es 13 Mitarbeiter, sie müsse Früh-, Mittags- Ruhe- und Spätdienst organisieren. Es würden Öffnungszeiten von täglich zehn Stunden abgedeckt. „Ich bin Managerin eines kleinen Unternehmens und werde noch bezahlt wie vor 20 Jahren als Kindergartentante“, bemängelte sie. Eine Erzieherin steigt, Vollzeitjob vorausgesetzt, mit einem Bruttogehalt von 2367 Euro ein, erreicht nach 17 Berufsjahren die Höchststufe von aktuell 3289 Euro, „und bleibt auf dieser Stufe die nächsten 30 Jahre“, kritisierten die Erzieherinnen. Der rheinland-pfälzische Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer, sagte, der Beruf der Erzieherin sei nicht mehr wert als andere Berufe − er sei aber mehr wert als das Gehalt, das gezahlt wird. Nur für gutes Geld kriege man gute Leute. Werde nicht gerecht bezahlt, komme es zum längst vorhandenen Fachkräftemangel. Für ihn ist wichtig, dass die Arbeitgeber jetzt zeigen, dass sie es ernst meinen mit der besseren Bezahlung von Frauenberufen und dass ihnen Bildung wirklich etwas wert sei, Früher seien Kindertagesstätten Kindergärten gewesen, in denen Kinder betreut wurden. Heute seien es Bildungseinrichtungen, die nach Bildungs- und Erziehungsempfehlungen arbeiten, Bildungsinhalte vermitteln, Sprachförderung betreiben, was früher erst in der Grundschule relevant wurde, sagte Schindler. Trotzdem seien noch immer die seit 1970 geltenden Tätigkeitsmerkmale im Erziehungsdienst Grundlage für Einstufungen. Viel Kritik wurde auch an den Personalschlüsseln geübt, die Personalmängel einkalkulierten. (add)

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