Höhfröschen
Maschinenbauer Mohrbach arbeitet klimaneutral
Ein neues Firmengebäude, das großteils aus dem klimaneutralen Baustoff Holz gebaut wurde, E-Ladestationen auf dem Parkplatz, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach: Dass Nachhaltigkeit bei der Mohrbach Verpackungen GmbH, die seit 2019 im Gewerbegebiet Höhfröschen arbeitet, Thema ist, lässt sich schnell erkennen. Seit kurzem hat das Unternehmen dafür auch eine offizielle Bestätigung: ein Zertifikat als „Klimaneutrales Unternehmen“. Dieses bescheinigt, dass dort klimaschädliche CO2-Emissionen für 2021 vollständig ausgeglichen wurden – sprich: dass die Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre nicht erhöht wird oder dass der eigene Ausstoß an anderer Stelle eingespart wird.
Für den geschäftsführenden Gesellschafter Lutz Demuß zeigt dies vor allem eines: dass vieles möglich ist – „man muss es nur machen“. Während anderswo noch über die Ziele diskutiert werde, hätten sie bereits das Ziel erreicht. Darauf ausruhen werden sie sich allerdings nicht. Im Gegenteil. Denn zum einen muss das Zertifikat jährlich erneuert werden, zum anderen soll Klimaneutralität künftig vollständig aus eigener Kraft erreicht werden – das Unternehmen solle energetisch autark werden, sagt der promovierte Ingenieur. Auch die Produkte sollen das Siegel der Klimaneutralität tragen.
Zertifikate als erster Schritt
Noch benötigt der Betrieb, der Maschinen zur Herstellung von Kartonagenverpackungen produziert, fremde Unterstützung, um klimaneutral zu arbeiten. Mit dem Erwerb von 227 Zertifikaten unterstützt das Unternehmen daher das Projekt „VCS Aufforstung Uruguay“, mit dessen Hilfe bisherige Rinderweiden wieder aufgeforstet werden. Mit den Zertifikaten kompensiert der Betrieb seine komplette Jahresemission. Ein Freikauf, wie Kritiker solche Projekte nennen, ist das für Lutz Demuß keineswegs. Denn die Zertifikate – mit einem Gegenwert von etwa 6000 Euro – sollen schließlich durch eigene CO2-Einsparungen ersetzt werden. Wobei es letztlich keine Rolle spiele, wo etwas fürs Klima getan werde, stellt Demuß mit Blick auf die globale Herausforderung fest. Deshalb unterstützt er auch die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, die im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums gegründet wurde und Klimaschutz in Entwicklungs- und Schwellenländer vorantreiben will. Dass man auf dem Markt der Zertifikate genauer hinschauen muss, ist Demuß freilich bewusst – Zertifikate für Windkraftanlagen in China seien für ihn nicht in Frage gekommen, sagt er.
Zu Beginn eine Bestandsaufnahme
Dass sich Investitionen in den Klimaschutz rechnen, davon ist Demuß überzeugt. Der Betrieb profitiere vor allem dadurch, dass sie nun ein Steuerungsinstrument hätten, sagt er – eine Art Energieeffizienzmanagement. Denn am Anfang stand eine Bestandsaufnahme: Wie viele Ressourcen verbraucht das Unternehmen in welchen Bereichen? Diese CO2-Bilanz, der sogenannte ökologische Fußabdruck, hat ein Fachberater erstellt – inklusive Verbesserungsvorschläge. Wärme- und Stromverbrauch, Kraftstoffverbrauch, Geschäftsreisen, Wasser, Abfall, Material in Produktion und Büros, Arbeitswege – alles wurde unter die Lupe genommen und unter dem Emissionsaspekt bewertet. Mit dem Ergebnis, dass Strom- und Kraftstoffverbrauch einen großen Anteil an der Gesamtbilanz haben, aber auch Wärmeverbrauch und Arbeitswege der etwa 75 Arbeitnehmer dort zu Buche schlagen.
Diese Bilanz wurde 2020 erstellt, noch mit den Daten des Jahres 2019. Seitdem hat sich manches geändert. So ging Anfang 2021 die Solaranlage auf dem Dach in Betrieb. Und die erste Rechnung sieht gut aus: Bisher hat der Betrieb bis zu 17.000 Kilowattstunden Strom pro Monat fremdbezogen, mit der Solaranlage waren es im April und Mai nur noch 5000 Kilowattstunden. Für Demuß ein erster Schritt. Denn aufstocken ließe sich Photovoltaik noch auf dem weitläufigen Firmengelände, meint er. Ein nächstes großes Thema werde aber auch die Energiespeicherung sein.
Die Emissionen durch Fahrzeuge hat der Chef ebenfalls im Blick. Zehn Ladeplätze gibt es bereits auf dem Parkplatz. Die eigenen Dienstwagen sind noch nicht elektrisch unterwegs – sie seien noch gut, sagt Demuß, sollen aber bei den kommenden Ersatzbeschaffungen ausgetauscht werden. Gegen reine E-Autos – von Hybrid-Varianten hält der Ingenieur nichts.
Konkret in Planung ist die Anschaffung von E-Bikes, die jeder Mitarbeiter leasen kann. Dazu, merkt Demuß kritisch an, fehlten aber Radwege im Umland. Generell lässt die Infrastruktur für klimafreundliche Fortbewegung aus seiner Sicht noch zu wünschen übrig. In der Schweiz setzten sie dagegen auf ganzheitliche Konzepte. Dort gebe es selbst in kleinen Dörfern gute Nahverkehrsangebote. Deswegen werde die Familie nun auch den nächsten Wanderurlaub in den Bergen ohne Auto antreten, berichtet Demuß. Während hierzulande Bus-Leerfahrten berechnet würden, schaue man in der Schweiz auf den Nutzen für die Volkswirtschaft.
Klimaschutz als Standortvorteil
Apropos Nutzen. Der schlägt sich für Unternehmen offenkundig nicht nur in Emissions- und Kostenersparnis nieder. Auch in puncto Personal kann aktiver Klimaschutz ein Standortvorteil sein, wie Demuß aus Gesprächen mit Kunden weiß. In manchen Städten sei es bereits so, dass Arbeitnehmer von ihren Kindern gefragt würden, ob auch ihr Arbeitgeber klimaneutral sei. Gerade die Jüngeren schauten zunehmend auf solche Dinge. Das sei für ihn zwar kein Grund gewesen, aktiv zu werden, sagt er – aber ein ziemlich guter Nebeneffekt.
Dass Arbeitgeber etwas tun müssen, um gute Mitarbeiter zu bekommen und zu halten, ist für Lutz Demuß ohnehin keine Frage. Neben Annehmlichkeiten wie Fitness- und Ruheraum werden in seinem Betrieb auch schon mal ungewöhnlichere Konzepte entwickelt. Weil der Heimunterricht während der pandemiebedingten Schulschließungen auch Eltern in seiner Belegschaft strapazierte, organisierte und finanzierte der Chef kurzerhand eine Lerngruppe für deren Kinder in der Firma – mit ehemaligen Lehrern, Abiturienten und Studenten, die in den Kernfächern halfen. Damit sich die Eltern auf ihre Arbeit konzentrieren können, sagt der Chef, selbst Vater eines Elfjährigen. Seine Devise: Nicht abwarten, bis der Staat in die Gänge kommt, sondern selbst etwas machen. Eben wie beim Klimaschutz.