Kreis Südwestpfalz „Männer schwer zugerichtet, Wohnung voller Blut“

„So nach gut 20 Minuten haben wir ihn noch mal gekriegt“: Gemeint hat die Rettungsassistentin, dass sie und ihr Kollege den Kreislauf des schon Totgeglaubten noch einmal in Schwung hatten bringen können. Genutzt hat es nichts: Der 51-Jährige aus Lauterecken starb kurz darauf, am frühen Morgen des 1. Juli 2016, im Krankenhaus. Dass er zuvor massive Hiebe hat einstecken müssen, ist unstrittig. Die Verhandlung gegen seinen mutmaßlichen Peiniger ist am Freitag fortgesetzt worden.
Gestorben ist der 51-Jährige nach einem Schach-Abend mit zwei Bekannten in Lauterecken, da sind sich die Gerichtsmediziner sicher, nicht etwa an den Folgen der Schläge. Es waren vielmehr die 3,99 Promille Alkohol im Blut, die laut Gutachten letztlich zum Organversagen geführt haben. Deshalb sieht sich der 39-jährige mutmaßliche Schläger seit Mitte Dezember vorm Kaiserslauterer Landgericht auch nur dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen ausgesetzt (wir berichteten mehrfach). Am Freitagnachmittag ging der Prozess in die wohl vorletzte Runde. Vier Zeugen kamen vor der Großen Strafkammer zu Wort. Die Rettungsdienst-Mitarbeiterin und einer ihrer Kollegen sowie zwei Polizeibeamte schilderten, was sie in der Sommernacht in dem Lauterecker Drei-Parteien-Haus vorgefunden hatten: Hinter der mit Brachialgewalt zerdepperten Haus- sowie der unversehrten Wohnungstür lagen in wenig anheimelnder Umgebung in Wohn- und Schlafgemach zwei Männer sprichwörtlich in ihrem Blut. Ich hab’ so was noch nie gesehen“, umschrieb ein Kriminalbeamter den Anblick, den der weniger schwer Lädierte bot. Später, als der „schwer zugerichtete“ Mann im Präsidium in einen Spiegel geschaut habe, sei er ob seines Anblicks selber erschrocken. „Er hat nicht mal gemerkt, wie schwer er verletzt ist“, berichtete der Kriminalbeamte. Gar nichts mehr bemerkt hat der noch stärker betrunkene 51-Jährige. Der Wohnungsinhaber lag schon im Todeskampf, als der Rettungsdienst massive Wiederbelebungsversuche startete. „Ich dachte zuerst, er ist schon tot“, sagte die Zeugin. Doch ihre Arbeit hatte dann tatsächlich Erfolg. Der 51-Jährige wurde noch ins Krankenhaus gebracht, doch es war zu spät. Das zweite Prügelopfer hatten die Retter inzwischen wach bekommen. Der Mann habe sogar auf eigenen Beinen zum Rettungswagen wanken können. „Das Wohnzimmer hat ganz verlebt ausgesehen.“ Muffig, durcheinander, hinüber, beschrieb gestern einer der Polizisten bei einer „Bilder-Schau“ am Richtertisch die Szenerie. Der Vorsitzende, seine beiden Berufsrichter-Kollegen und die beiden Schöffen, Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklage-Anwälte erhielten Erläuterungen zu den Fotos aus der Tatnacht. Was die zeigten, konnten sich die Zuhörer gut ausmalen: Zu anschaulich hatten die Zeugen geschildert, dass in der ganzen Wohnung Blut zu sehen war, Lachen in Schlaf- und Wohnzimmer standen, das Bad geradezu troff. Der Angeklagte war gestern nicht gefragt, sagte auch kein Wort. Er hat bereits zugegeben, im Laufe des von einem Gelage flankierten Schach-Abends beide Männer „technisch sauber k. o. geboxt“ zu haben. Allerdings habe ihn der später Verstorbene „Vogel“ genannt, also massiv provoziert. Der andere habe sich die Hiebe selbst auserbeten. Das Verfahren wird am 14. Februar, 9 Uhr, fortgesetzt. |cha