Erlenbach / Erfweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Lob für die ersten Gäste

Pfeile auf dem Boden, Schilder für die Gäste: Am Seehof-Kiosk lief der „Corona-Betrieb“ am Wochenende gut an.
Pfeile auf dem Boden, Schilder für die Gäste: Am Seehof-Kiosk lief der »Corona-Betrieb« am Wochenende gut an.

Die ersten Urlauber sind da. Und es läuft besser als befürchtet: Die Gäste halten sich an Corona-Regeln. Zumindest in der Pension Hahnfels ist das so, wie Pensionswirtin Sandra Lowrie feststellt. Gut gelaufen ist ebenfalls für ihr Kiosk das erste Betriebswochenende am Seehof. Nur eines behagt ihr nicht: offensichtliches Wildcamping auf dem Parkplatz.

Am Donnerstag hat Sandra Lowrie ihren Kiosk am Seehof wieder geöffnet – das erste Mal seit der unfreiwillig verlängerten Winterpause. Natürlich unter Corona-Auflagen. So durften beispielsweise im Umkreis von 50 Metern keine Tische und Bänke aufgestellt werden, ausgegebene Speisen müssen verpackt werden – eine „Müll-Produktion“, die Sandra Lowrie sehr gegen den Strich geht. Denn mit ihrer Spülmaschine könnten sie ja alles heiß reinigen, meint sie. Doch sie weiß: Klagen hilft nichts – durch die Regelflut, die Corona ausgelöst hat, müssen alle durch. Zumindest jene, die am öffentlichen Leben wieder teilhaben wollen. Sorgen hat sie sich vor der Öffnung übers lange Wochenende dennoch gemacht und für sich beschlossen: Wenn sich die Seehof-Besucher nicht an die Regeln hielten, würde sie gleich wieder schließen.

Viele Gäste waren dankbar für das Angebot

Sandra Lowrie hat tags darauf wieder geöffnet. Denn ihre Gäste hätten sich an die Regeln gehalten, stellt sie nach dem Wochenende erleichtert fest. Und das waren nicht wenige: Zahlreiche Stammgäste kamen, auch viele Ausflügler aus Baden-Württemberg und der weiteren Region. Mit etlichen Kindern. Kritisiert wurde nichts, im Gegenteil: Viele seien dankbar gewesen, sagt die Kiosk-Pächterin, dass sie geöffnet hätten. „Es war richtig toll.“ Zu beanstanden hatte auch die Polizei wohl nichts – die sei gleich am Donnerstag da gewesen und habe unter anderem kontrolliert, ob sich die Leute auf der Wiese an das Abstandsgebot hielten.

Pension läuft an: „Wahnsinnig viele Anfragen“

Keine Probleme gab es auch in der Pension Hahnfels von Familie Lowrie in Erfweiler. Dort zogen am Mittwoch vor einer Woche wieder die ersten Gäste ein – noch nicht in die vier Mehrbettzimmer, aber in Doppelzimmer und in die Ferienwohnung. Die Urlauber fragten meist am Telefon nach den Einschränkungen und hielten sich dann auch daran, sagt Sandra Lowrie. So viele Auflagen seien es im Grunde auch gar nicht: Abstand halten, Mundschutz im Haus tragen, Hände desinfizieren und – bis zur aktuellen Lockerung am Montagabend – kein Frühstücksbüffet, sondern Frühstück nur mit Bedienung am Tisch. Letzteres komme sogar gut an bei den Gästen, berichtet Tochter Ann-Katrin, die in der Pension mithilft. Denn die Gäste hätten eine Auswahl und füllten dafür am Abend zuvor ein Formular aus.

Um Gäste müssen sich Mutter und Tochter nicht sorgen. Die Nachfrage ist groß: „Wir haben wahnsinnig viele Anfragen“, stellt Sandra Lowrie fest. Allerdings: Das seit Mitte März entgangene Geschäft könnten sie dennoch nicht mehr aufholen. Im April und Mai seien sie sehr gut gebucht gewesen, berichtet die Pensionswirtin. Gerade der Mai habe dann „richtig weh getan“. Als sie ihren Gästen absagen mussten, sei manche Träne gerollt. Für die Gastgeber selbst war diese Zeit „nervenaufreibend“, wie Sandra Lowrie erzählt. Zumal die Vier-Sterne-Pension gerade vor einem Jahr eröffnet worden war. Und erst seit kurzem eine Mitarbeiterin fest angestellt ist, die zunächst mal in Kurzarbeit ging.

Geholfen hat der Bund und so mancher Gast

Geholfen hat die Soforthilfe des Bundes, stellt Sandra Lowrie fest. Die 9000 Euro hätten sie über diese Zeit gerettet, aber auch gerade dafür ausgereicht. Denn an laufenden Betriebskosten komme einiges zusammen: Darlehenstilgung, Versicherungen, Auto und mehr. Die etwa 1000 Euro für den zusätzlichen Hygieneaufwand seien davon schon nicht mehr gedeckt. So froh sie über die finanzielle Hilfe ist: Die wochenlange Abwicklungsdauer fand sie weniger gut. Auch nicht, dass sie zum früh gestellten zweiten Hilfsantrag für den Kiosk noch immer gar nichts gehört hat.

Geholfen haben aber auch Gäste: Der Großteil hat unbefristete Gutscheine für bereits getätigte Anzahlungen akzeptiert, wie Sandra und Ann-Katrin Lowrie erfreut feststellen. Und die können nun wieder eingelöst werden.

Ärger über wildes Camping

So sehr Sandra Lowrie ihre bisherigen Gäste am Seehof-Kiosk lobt, so verärgert ist sie über Ausflügler, die sich offenbar nicht an Regeln halten. Denn auf dem Parkplatz am See – Eigentum der Gemeinde Erlenbach – seien übers lange Wochenende etliche Camper gestanden, berichtet sie. Allein am Donnerstagabend habe sie zwölf Wohnmobile gezählt, mit Tischen und Stühlen davor. Dabei gebe es in der direkten Nachbarschaft am Berwartstein einen regulären Campingplatz. Was sie auch stört: Der Müll von wilden Campern lande oft in ihrer Tonne, Toilettenpapier aus ihrer Anlage werde immer wieder mitgenommen. Und letztens habe sich ein Mann die Haare mit Shampoo im See gewaschen – „da habe ich kein Verständnis dafür“.

Verständnis für manchen Unmut hat Klaus Flieger, Leiter der Polizeiinspektion Dahn. Deren Beamte haben über das zurückliegende Wochenende wie berichtet etliche Platzverweise gegen Wohnmobilisten ausgesprochen, weil sie gegen die Landesverordnung Naturpark Pfälzerwald verstoßen hätten; diese untersagt es, „an nicht behördlich zugelassenen Plätzen zu lagern, zu zelten, Wohnwagen oder Wohnmobile aufzustellen“. Bisher sei vieles geduldet worden, zumal es nicht überall genügend Stellplätze gebe. Aber nun habe dies überhand genommen, weil die Tendenz noch mehr zum Inlandsurlaub gehe, stellt Flieger fest. Ihnen lägen Beschwerden von Anwohnern, aber auch vom Forst vor.

Dabei geht es nicht nur um Wohnmobilisten. Auch Kletterer ecken manchmal an. Übernachten auf Felsen, wie kürzlich bei Busenberg, wo eine junge Frau verunglückte, ist ebenfalls nicht erlaubt.

Nicht allen Besuchern sei dies aber bewusst, weiß Flieger. Deswegen müsse die Verbandsgemeinde dies nun klar regeln. Sein Vorschlag: An bestimmten Parkplätzen könnten Schilder aufgestellt werden. Darüber werde man an einem runden Tisch sprechen.

Das Thema beschäftige das Ordnungsamt, bestätigt Verbandsbürgermeister Michael Zwick. Für Donnerstag sei eine Besprechung mit Polizei, Forst und Unterer Naturschutzbehörde vorgesehen darüber, wie gegen Auswüchse vorgegangen werden könne. Denn so einfach sei es rechtlich eben nicht, betonte Zwick erneut. Nicht jedes parkende Wohnmobil campiere wild und könne mit Bußgeld belangt werden; der Verstoß müsse belegbar sein. Und Parken an sich sei durchaus erlaubt, etwa für eine Wandertour oder zur Erholung, um die Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen.

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