Kreis Südwestpfalz Lausbuben, Könige und ein bedrohtes Kunstwerk

Seit einigen Tagen ist das neue Jahrbuch des Saarpfalz-Kreises im regionalen Buchhandel zu haben. Das Buch, dessen Premierenausgabe anno 2005 noch unter dem Titel „Saarpfalz-Kalender“ veröffentlicht wurde, bietet einen Kalender für 2015, einen chronologischen Rückblick auf Ereignisse 2014 im Saarpfalz-Kreis sowie 38 Textbeiträge von drei Dutzend Autoren aus der Saar- und Westpfalz. Nicht ohne Brisanz ist der Artikel des Zweibrücker Heimatforschers Heinz Weinkauf.
Denn so besinnlich dessen Artikel über den verstorbenen Altstadter Bildkünstler Willi Spiess beginnt, so engagiert schreibt Heinz Weinkauf der Stadt Homburg am Schluss den Hinweis ins Stammbuch, dass sie Spiess’ bemerkenswertes Groß-Mosaik im inzwischen für immer geschlossenen alten Hallenbad achten soll. Mehrere abstrakte Spiess-Kunstwerke, die seit den 1960er und 1970er Jahren öffentliche Gebäudefassaden zierten, wurden bei Umbau- und Abrissarbeiten zerstört. Als Beispiele nennt Heinz Weinkauf die Kirrberger Grundschule, die Erbacher Sparkassenfiliale und einen Kindergarten in der Homburger Birkensiedlung. In seinem Beitrag für das Saarpfalz-Jahrbuch 2015 lenkt der Autor nun den Blick auf das ausrangierte Hallenbad, das früher oder später der Abrissbirne anheimfallen wird. An einer Wand in der Vorhalle dieses Bauwerks – dort, wo einst eine Milchbar betrieben wurde –, hatte Spiess im Jahre 1970 ein zwei Meter hohes und acht Meter langes „Spitzenwerk der Mosaikkunst“ geschaffen, wie Heinz Weinkauf schreibt: „Es ist ein hinreißendes Werk, es ist von außergewöhnlicher Dynamik in Formen, Farben, Linien und Strukturen und dennoch ein in sich ruhendes Ganzes.“ Der Autor beendet seinen Artikel mit dem Appell, dass „Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit oder gar Ignoranz“ beim Abriss des Hallenbades diesem Mosaik keine „Gewalt antun“ sollten. In diesem Zusammenhang sei auf das Beispiel des Neunkircher Ganzjahresbades „Lakai“ verwiesen, für dessen Innenwände zahlreiche Mosaiken des Künstlers Franz Schnei übernommen wurden, die dieser einst für das inzwischen abgerissene alte Neunkircher Hallenbad geschaffen hatte. Über dieses Thema hinaus hat das neue Jahrbuch, gedruckt in St. Ingbert, jede Menge Streifzüge in die Region zu bieten – quer durch die Jahrhunderte. Berichte zur Heimatgeschichte und Mundart-Gedichte ergänzen sich mit Beschreibungen der Kultur- und Naturlandschaft im Bliesgau und darüber hinaus. Da wird das abenteuerliche Leben des barocken Limbacher Reformators, Dichters, Diplomaten und Feldherrn Theobald Hock beschrieben, den es an den Prager Hof des Kaisers Rudolf verschlug, wo ihn 1618 erst der berühmte „Prager Fenstersturz“ vor der Vollstreckung des bereits ausgesprochenen Todesurteils rettete. Liebevoll wird vom „Brenschelbacher Lebensbaum“ erzählt, und eine St. Ingberter Lausbubengeschichte berichtet von den „scheinheiligen drei Königen“. Ein Kaplan am Zoll am Kaplaneihof kommt zu Wort, und auch Erinnerungen an den Ersten und Zweiten Weltkrieg fehlen in dem Kompendium nicht. Und ein eigenes Kapitel saarpfälzischer Heimatgeschichte ist das einleitende Grußwort des Landrats: Mit diesen Zeilen nimmt Clemens Lindemann Abschied von den Jahrbuch-Lesern, da er 2015 den Stab in der Kreisverwaltung an seinen Amtsnachfolger Theophil Gallo übergeben wird. (ghm)