Biedershausen / Battweiler / Reifenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Landwirte ernten in diesem Jahr sehr früh

Für die Ernte des Raps’ mit seinen winzigen, schwarzen Körnern wird ein spezielles Schneidwerk benötigt.
Für die Ernte des Raps’ mit seinen winzigen, schwarzen Körnern wird ein spezielles Schneidwerk benötigt.

Die Getreideernte auf der Sickinger Höhe und im Zweibrücker Land hat im Eiltempo begonnen. Wintergerste, Weizen und Raps sind fast überall bereits reif.

Am Sonntag hat Christian Kau vom Stockbornerhof auf der Gemarkung Battweiler Raps gemäht für Andreas und Werner Veith. Der Raps habe einen extrem niedrigen Feuchtigkeitsgehalt und in der Menge die Landwirte überrascht. Es habe mehr von der schwarzen Ölfrucht auf die Wagen gepumpt werden können, als die vorhandenen Kipper fassen konnten. Auch Steffen Sewohl aus Battweiler hat den Raps schon abgeerntet. Er ist mit dem Ergebnis zufrieden. Am späten Sonntagabend habe er noch Backweizen gemäht, der ihn besonders erfreut habe, da die Korngröße und die Trockenheit gestimmt hätten. Den Brotweizen habe er bei der Mahlmühle Sties in Rieschweiler-Mühlbach abgeliefert. Sven Sewohl habe schon bereitgestanden, um mit der vollen Wagenladung loszufahren, damit sie als hochwertiges Brotgetreide in der Mühle vor einem möglichen Regen ankommt.

Frühe Aussaat

Am Sonntagmittag wollte der Landwirt aus Battweiler im Schachen Weizen abernten. Die Arbeit habe er zu seiner Verwunderung sofort einstellen müssen, da das Mähgut zu feucht gewesen sei und noch zu viele grüne Körner getragen habe. Der Bauer führt den nicht erwarteten Reifezustand auf den völlig anderen Ackerboden mit mehr Restfeuchtigkeit zurück, was das Abreifen des Getreides verzögere. Er müsse sich noch einige Tage gedulden, bis die Sonne die optimale Reife geschaffen hat. Eigentlich sei dies nicht so schlimm, denn die Ernte habe bestimmt zwei Wochen früher begonnen als üblich, meint Sewohl. Nur sollten dann wieder einige gute Erntetage kommen. Auch im Frühjahr habe man unerwartet früh das Getreide aussäen können, sodass der nur spärliche Regen und die vielen Sonnenstunden die Reife beschleunigt hätten.

Auch Christian Kau vom Stockbornerhof spüre die allgemeine Wetterveränderung in der Region. Glücklich könne man in der Südwestpfalz trotz aller verschiedenen ungünstigen Begleiterscheinungen sein, dass man von Unwetterschäden verschont blieb. Nur der Getreidepreis sei ein Ärgernis für die Landwirte, da es ein Missverhältnis zwischen Unkostendeckung und dem noch notwendigen Gewinn gebe. Dies sei absolut ungesund, wenn man die Versorgung der Bevölkerung sichern wolle.

Sonne satt bringt bessere Ernteergebnisse

„Die vermeintlich quälenden Sonnentage bringen die erwünschte gute Kornbildung bei den Getreidesorten. Nässe um die Erntewochen bringt Krankheiten und Verdruss beim Getreide für den Bauern“, sagt Steffen Sewohl. Spielt das Wetter weiterhin mit, gebe es eine deutlich bessere Ernte als in den Jahren 2023 und 2024.

Auch für Christian Kau verläuft die Ernte bisher weitaus besser als vor Wochen noch befürchtet. Er könne die Ernteergebnisse gut vergleichen, da er über mehrere Gemarkungen hinweg auch für andere Landwirte mähe. Anders als sie habe er das für Raps passende Mähwerk, mit dem die kleinen Körner nicht verloren gehen. In Battweiler habe er am Sonntagabend das Mähwerk zusammen mit seinen Söhnen Dominik, Felix und seiner Ehefrau Tanja gewechselt, um danach wieder mit dem anderen Schneidwerk Getreide zu ernten. Alles habe sehr schnell gehen müssen. Jeder habe seine eingespielten Handgriffe erledigt, damit der Bauer anschließend noch bis in die Dunkelheit Getreide mähen konnte. Der angekündigte Wetterumschwung ab Wochenbeginn habe den Bauer zusätzlich angetrieben, das für den Verkauf gut gereifte Getreide vorher noch in bester Güte abernten zu können.

Getreideverkauf nach Frankreich

Christian Kau hat seine Wintergerste und den Weizen nach Frankreich verkauft. Schon länger habe sich bei ihm dieser Verkaufsweg bewährt. Das Getreide werde von Lastwagen auf dem Bauernhof abgeholt und ins elsässische Lauterburg transportiert. Eine sehr angenehme Abgabe des so wichtigen Grundnahrungsmittels Getreide, findet der Landwirt. Die Abwicklung des Verkaufs ins Nachbarland verlaufe ohne Probleme.

Veith hat seine gute Rapsausbeute gleich am Sonntag zur Abnahmestelle beim Raiffeisenwarenlager in Zweibrücken gebracht. Dort hat am Sonntagvormittag auch Gerhard Süs aus Biedershausen seinen Triticale hingefahren, ein Futtergetreide. Er findet, dass der Verkaufspreis mit rund 13 Euro für den Doppelzentner erschütternd ist. Seine weiteren Wagenladungen wolle er daher bei der Biogasanlage in Lambsborn abliefern. Das sei für ihn der einfachere Weg und bedeute keinen Verlust. Sein Backweizen stehe noch schön auf dem Halm. Er sei jedoch noch nicht reif genug für die geforderte Güte zur Brotherstellung oder für gute Teigwaren. Auf der Höhe um Biedershausen stehe noch viel Raps, der ebenfalls noch nicht das richtige Reifestadium habe. Deshalb habe er sich am Sonntag gewundert, dass in Zweibrücken bei Raiffeisen so viele Ladungen Raps auf die Abfertigung warteten.

Preis im Keller

Noch weniger erfreulich sieht Süs die Entwicklung bei der Braugerste für die Bierherstellung. Für diese habe er vor drei oder vier Jahren noch 34,50 Euro für den Doppelzentner erhalten. Nun liegt der Preis unerklärlich im Keller. Als Kleinbauer im Nebenerwerb kann Süs die Entwicklung etwas beruhigter sehen, aber trotzdem nur schwer nachvollziehen. Süs stellte ebenfalls fest, dass er sich an einen solch frühen Beginn der Getreideernte nicht erinnern könne. Manchmal sei die Ernte abgeschlossen gewesen bis zum Biedershauser Dorffest am zweiten Augustwochenende. Es habe aber öfter Jahre gegeben, in denen die Ernte zu diesem Zeitpunkt erst richtig angelaufen sei.

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