Knopp-Labach RHEINPFALZ Plus Artikel Landmetzgerei Gries: Fleischige Freuden aus dem Automaten

Petra Gries in der Metzgerei mit ihrem Sohn.
Petra Gries in der Metzgerei mit ihrem Sohn.

„Meine Soße kann man sonst nirgends kaufen“, rühmt Petra Gries ihre Currysoße in der 400-Gramm-Dose. Doch die gelernte Metzgerin verkauft nicht nur Currywurst, sondern auch Fleisch. Und das teils auf recht ungewöhnliche Weise.

Petra Gries betreibt in Knopp-Labach eine kleine Landmetzgerei und ihr Mann Mathias eine kleine Landwirtschaft. Verkauft werden die Würste und das Fleisch auf Bestellung ab Haus und mittels Verkaufsautomaten rund um die Uhr. Die beiden sind 2015 aus dem saarländischen Rohrbach nach Knopp auf die Sickinger Höhe umgezogen. Mit dem dort beheimateten Revierförster, Jagdvorsteher und Ratsmitglied Hermann Gries sind sie nicht verwandt. Auch mit der Metzgerei Gries in Waldmohr hätten sie nichts zu tun, grenzen sich die beiden 41-Jährigen ab. Von 2013 bis 2021 hatten die begeisterten Jäger die Knopper Jagd gepachtet. Der Gemeinderat vergab die Jagd dann an einen auswärtigen Dachdecker. Die Weidfrau und der Weidmann haben 2021 sodann das Jagdrevier in Hettenhausen mit einer bejagbaren Fläche von rund 420 Hektar übernommen.

Die Familie Gries hat sich in der Hauptstraße am Ortsausgang Richtung Wallhalben ein kleines Anwesen gekauft. Aus der ursprünglichen Selbstversorgung mit Wurst und Schinken wurde über die Wildvermarktung eine professionelle Eigenvermarktung. Im Februar 2021 erfolgte die Anmeldung des Gewerbebetriebs. „Das ist genau mein Ding“, sagt die Geschäftsführerin des reinen Familienunternehmens begeistert.

Käseherstellung wurde aufgegeben

Petra Gries ist seit 2002 Metzgermeisterin, seit 2003 auch Bäckermeisterin. Mathias Gries ist Kraftfahrer und seit 2018 Nebenerwerbs-Landwirt. Vier Kinder hat die Familie: Annalena (17 Jahre), Leonard (10), Emelie (7) und Frederik (6). In Knopp begann die Familie Gries gleich mit der Haltung von Tieren. Aktuell befinden sich auf dem Hof drei Ponys, drei Hunde, eine Katze, zwei Ziegen, Hühner, Enten und Tauben. Auf der Weide mit solidem Unterstand Richtung Labach laufen fünf trächtige Mutterkühe der Rasse Belted Galloway und fünf Kälber, die unter anderem Krümel oder Schoko-Goldi heißen. „Ursprünglich hatten wir 22 Ziegen. Die Käseherstellung gaben wir wieder auf und konzentrierten uns aufs Fleisch“, berichtet Petra Gries. Im Stall sind zwei Sattelschweine anzutreffen. Das Fleisch dieser alten Schweinerasse hat ein typisches Aroma. Die Schlachtung der Tiere erfolgt im Schlachthof Zweibrücken, was einen kurzen Transportweg und zeitnahe Schlachtung bedeutet. Um die Nachfrage zu decken, wird von regionalen Landwirten zugekauft.

Das Fleisch des Sattelschweins, hier mit Ferkeln, hat ein spezielles Aroma.
Das Fleisch des Sattelschweins, hier mit Ferkeln, hat ein spezielles Aroma.

„Angefangen haben wir mit Schweine- und Rindfleischpaketen zu fünf und zehn Kilogramm“, erzählt die Geschäftsfrau. „In den Paketen hatten wir alles drin: Rouladen, Gulasch, Braten-, Suppenfleisch. Für Abschnitte wie Bratwurst oder Lyoner kommt niemand extra her.“ Der Verkauf erfolgte nach dem Prinzip Bestellung – Schlachtung - Abholtermin. Direktverkauf wie beim Knopper Adventsmarkt an der Kirche soll die Ausnahme bleiben.

Vierter Automat geht in diesem Tagen an den Start

Über die Eier, Nudel- und Milchautomaten in der Region kamen die Grieses auf ihre Wurst- und Fleischautomaten. Den ersten Stüwer-Automaten mit Kühlung stellten sie in Bexbach auf dem Aloys-Nesseler-Platz auf; mit kräftiger Unterstützung der Stadtverwaltung. Nach dem guten Start wurde 2022 ein zweiter Automat in Waldmohr in der Breitenbacher Straße platziert. Dort hat die Baugenehmigung länger gedauert. Die Nummer drei steht in Nanzdietschweiler am Sportplatz in der Hauptstraße. Der vierte Verkaufsautomat wird die Tage neben der Reifenscheune in der Käshofener Höhenstraße aufgestellt. Ein Qualitätsautomat kostet je nach Ausstattung 15 000 bis 18 000 Euro. „Für Zahlung mit Banknoten oder Karten kann man rund 1000 Euro extra rechnen“, erklärt Petra Gries.

Der Verkaufsautomat in Waldmohr.
Der Verkaufsautomat in Waldmohr.

Produziert wird permanent unter der Woche. Die Automaten sollen am Wochenende mit frischer Ware gefüllt sein. Mathias Gries: „Alle zwei Tage müssen die Automaten abgefahren werden. Wenn ein Fach leer ist, rufen die Leute sofort an.“ Ganz problemlos seien die mechanischen Verkäufer nicht. „Da hat einmal einer einen gefalteten Geldschein in den Münzschlitz gesteckt und den Automaten so außer Funktion gesetzt. Oder ein anderer hat auf das Herausfallen seiner Wurst gewartet. Dabei hätte er nur die Klappe unten aufmachen müssen.“ Die Aufbruchserie im Raum Konken, Breitenbach und Waldmohr sei für die Unternehmer glimpflich ausgegangen. Ans Geld seien die Diebe nicht herangekommen. Es sei aber ein Sachschaden von rund 4000 Euro entstanden.

Kreative Fleisch- und Wurst-Ideen

Die Haupteinkaufszeit falle mit dem Arbeitsbeginn und dem Arbeitsende zusammen. In den Automaten würden auch Getränke angeboten; jedoch keine alkoholischen wegen des erforderlichen Altersnachweises. „Wiener sind nicht gegangen. Wildrohesser und Wildsalami werden gern gegessen“, berichtet Gries. Auch Wildgulasch und Chili con Carne sei gut nachgefragt, saisonal natürlich auch Schwenker. Besonders gern gekauft würden die doppelte weiße und rote Currywurst in der 400 g-Dose. „Feinstes aus Meisterhand“ steht auf der Banderole der Konserve. Drinnen ist die angebratene und geschnittene Wurst und die mit viel Liebe hergestellte Gries’sche Currysoße.

Verkaufsschlager: Die Gries'sche Currywurst in der 400-Gramm-Dose.
Verkaufsschlager: Die Gries'sche Currywurst in der 400-Gramm-Dose.

Die Corona-Pandemie habe das Kaufverhalten beeinflusst. Es werde in Pandemie-Hochs wohl mehr zuhause gekocht, vermuten die Gries’. Der Absatz an den Automaten spiegele auch die Home-Office-Zeit wider. Trotz Inflation versuche man, die Preise einigermaßen stabil zu halten. Obwohl die Herstellungskosten heftig angestiegen seien. „Der Preis für eine leere Dose hat sich verdoppelt. Der Deckel kostet nun neun statt sechs Cent und der Abschluss statt 17 statt elf Cent“, bedauert die Metzgerin. „Auch die Därme und Gewürze kosten mehr.“ Die bei den Landfrauen engagierte Knopperin ist aber erfinderisch. So variiert sie ihre Fertiggerichte und Schwenker. Mal gibt es den Senf-Knoblauch-Schwenker, ein andermal den Pfälzer Schwenkbraten, dann den saarländischen. Letztes Jahr konnten sich die Männer an einem Salami-Adventskalender erfreuen. Und im Moment schwebt ihr eine Nikolauswurst im Kopf herum.

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