Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kreisbeigeordneter Peter Spitzer setzt auf Tourismus

In ein paar Jahren könnte jeder fünfte Südwestpfälzer im Tourismus arbeiten, glaubt der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer – „wenn
In ein paar Jahren könnte jeder fünfte Südwestpfälzer im Tourismus arbeiten, glaubt der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer – »wenn wir es richtig anstellen«.

Haarscharf: Der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer hat bei dem lange geplanten Sommerurlaub auf Sardinien gerade noch mal Glück gehabt. Der Lockdown auf der schönen italienischen Insel wurde nur einen Tag, bevor die Familie anreiste, aufgehoben.

Auch im Hause Spitzer wurde lange um den Urlaub gezittert. Doch es ging gut: Die ersten zehn Tage der Sommerferien verbrachte die Familie an „traumhaft schönen Stränden“, erzählt Peter Spitzer. Kein Trubel, keine Hektik und kein Gefühl, sich um 100 Baustellen gleichzeitig kümmern zu müssen – „ich bin sehr, sehr erholt“. Da der Inselaufenthalt lange fraglich war, hatte sich der Kreisbeigeordnete um eine Alternative gekümmert: „Dann hätten wir einen kleinen Urlaub in einem Appartement in Ludwigswinkel gemacht. Das wäre auch nicht verkehrt gewesen.“ Spitzer geht davon aus, dass die Reisezeit im Landkreis zu einer höheren Infiziertenanzahl führt. Das wäre seiner Meinung nach nicht so schlimm, solange der Anstieg kontrolliert verläuft: „Da mal zwei Ansteckungen und dort mal fünf, damit kommen wir klar.“

Keine Blaupause für Corona

Vor Mitte 2021 rechnet der Beigeordnete mit keinem Impfstoff. „Solange müssen wir mit Einschränkungen leben“, mahnt er. Die Resonanz aus der Bevölkerung sei überwiegend verständnisvoll. Zwar gebe es Unzufriedene, aber „es gehen nicht reihenweise Beschwerden ein“. Er habe „ein gewisses Verständnis“ für Unmut – für die Corona-Pandemie gibt es keine Blaupause, die Kreisverwaltung habe Maßnahmen umgesetzt, aus den Erfahrungen gelernt und dann nachgesteuert. „Alles in allem hat es gut funktioniert“, meint Spitzer. Er lobt den engen Austausch mit anderen Gebietskörperschaften. Selten sei das schiefgegangen. Der Plan, zehn Dahner Flüchtlinge mit Sars-CoV-2 im ehemaligen Zweibrücker Krankenhaus unterzubringen, scheiterte: „Wir stehen in der Verantwortung. Es hat nicht geklappt.“

Verwaltung: Heimarbeit während Umbau?

Auch in der Verwaltung habe die Pandemie einiges verändert: Der Trend zum Homeoffice ist angekommen, für Mitarbeiter, die einer Risikogruppe angehören oder für deren Angehörige das zutrifft. Die Idee gab es laut Spitzer schon lange, doch der plötzliche Druck durch die Pandemie verlieh dem Ganzen einen kräftigen Schub. Ob die Heimarbeit beibehalten wird, müsse diskutiert werden. Sie könnte aber Teil der Lösung sein, um während des Umbaus des Verwaltungsgebäudes – wie auch immer der aussehen mag – den Betrieb am Laufen zu halten. Einen Umzug ins Rodalber Krankenhaus-Gebäude, das in ein paar Jahren frei wird, lehnt Spitzer ab. Von einem maroden Gebäude aus den 70er Jahren in ein marodes Gebäude aus den 60ern zu ziehen, sei wenig sinnvoll.

Die Schließung der Klinik, die mit dem Städtischen am Standort Pirmasens fusionieren soll, treffe ihn – wie viele Südwestpfälzer. „Ich bin ein Rodalber Kind, bin dort im Krankenhaus geboren, hatte alle OPs dort, genau wie meine Familie“, erklärt er die persönliche Betroffenheit. Nun müsse schleunigst über die Nachnutzung des Hauses gesprochen werden, Spitzer denkt dabei an betreutes Wohnen oder Pflegeangebote, eventuell an einen Teilabriss des Gebäudes.

Tourismus ist die Zukunft

Für ihn liegt die Zukunft in Konzepten, die Senioren ermöglichen, möglichst lange eigenständig zu leben. Spitzer verweist auf zwei geplante Projekte in Waldfischbach-Burgalben: Dort wollen gleich zwei Investoren Altenheime in Verbindung mit Betreuungsangeboten bauen. „Das sind beides hervorragende Konzepte.“ Der Gemeinderat werde sich für ein Projekt entscheiden müssen, der Bedarf sei für zwei neue Einrichtungen nicht groß genug, meint der Beigeordnete. Bis ein neues Heim gebaut ist, bestehe im Umkreis von Waldfischbach-Burgalben aber eine Vakanz an Plätzen, denn die Einrichtung auf Maria Rosenberg schließt. Das sieht Spitzer als Chance für ein Quartierskonzept, das Angebote für Pflege und Betreuung zu Hause vorsieht.

Eine Chance für die Region, sagt Spitzer, der Bürgermeister von Donsieders ist, sei auch der geplante Umbau der Biebermühle in ein Naturbad. „Wir haben genug Spaßbäder in der Region.“ Wenn das nachhaltige Bad erst mal gebaut ist, könne auch die Stadt Pirmasens damit werben. Gäste der Jugendherberge seien mit dem Zug in fünf Minuten an der Biebermühle. Spitzer hält den Tourismus – „sanfter Wandertourismus und Mountainbiking“ – für eine Zukunftsbranche: „In ein paar Jahren könnten 20 Prozent der Leute im Tourismus arbeiten – wenn wir es richtig anstellen.“ Dazu müsse sich die Region gemeinsam vermarkten, so wie es Schwarzwald und Breisgau tun.

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