Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis gibt weiter Geld für Französisch für Kinder, hält es aber für nicht so wichtig

Im Reifenberger Kindergarten wurde 15 Jahre lang spielerisch französisch gelernt. Hier liest Claire Pauly aus dem Buch "La petit
Im Reifenberger Kindergarten wurde 15 Jahre lang spielerisch französisch gelernt. Hier liest Claire Pauly aus dem Buch »La petite chenille« (Die kleine Raupe Nimmersatt).

Der Landkreis will nun doch Geld für ein französisches Sprachprogramm in den Kindergärten locker machen. Das kündigte der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer an. Für einige Kindergärten ist es allerdings zu spät – die französischen Erzieherinnen sind bereits weg.

Finanziert wurde das spielerische Lernen der französischen Sprache in den Kindergärten seit 1986 über das Landesprogramm „Lerne die Sprache des Nachbarn“. Die erste französische Sprachkraft in einem kommunalen Kindergarten des Kreises wurde laut Spitzer sogar noch früher eingesetzt, nämlich vor 40 Jahren in Wallhalben. Das Geld aus dem Förderprogramm reichte für fünf Stunden je Gruppe und Woche. Der Landkreis hat 40 Prozent der Kosten übernommen, das Land 60. Dass diese fünf Stunden nicht zum normalem Personalschlüssel gerechnet wurden, sondern zusätzlich obendrauf kamen, freute die Kindergärten umso mehr.

Wie Spitzer, in dessen Bereich die Kindergärten des Kreises fallen, mitteilte, sind momentan 19 französische Sprachkräfte in 29 Kindergärten im Einsatz. Doch das Landesprogramm läuft zum 30. Juni aus. Hinzu kommt, dass als Folge des neuen Kindergartengesetzes, das ab dem 1. Juli gilt, die Anzahl der Stellen in den Kindergärten neu berechnet wurde. Viele Einrichtungen wussten also nicht, wie viele Stellen sie bekommen, und konnten den französischen Sprachkräften demnach auch keine Angebote für eine feste Anstellung machen.

Besonders betroffen waren die kirchlichen Kindergärten. Denn die Kirchen hatten im Vorfeld angekündigt, Mehrkosten aus dem Kindergartengesetz nicht zu übernehmen. Das müssen die Gemeinden tun, und dafür ist ein Beschluss des Rates notwendig. So wie das beispielsweise am Mittwoch in Contwig war. Während die kommunalen Kindergärten also früher planen und entsprechende Angebote machen konnten, hingen die kirchlichen Kindergärten in der Luft.

Reifenberg verliert beliebte Erzieherin

Der katholische Kindergarten in Reifenberg hat deshalb seine Französin Claire Pauly, die seit 15 Jahren dabei war, schweren Herzens an einen kommunalen Kindergarten verloren. Allerdings kam in Reifenberg noch dazu, dass unklar war, ob eine Sondererlaubnis verlängert wird oder nicht. Mit dieser Erlaubnis kann der Kindergarten 30 statt 25 Kinder aufnehmen, was sich auf die Anzahl der Stellen auswirkt.

Aktuell, so Spitzer, konnten 14 der 19 Sprachkräfte fest in die Kindergärten übernommen werden. Diese seien künftig in elf kommunalen und vier kirchlichen Kindergärten im Einsatz. Fünf Verträge seien von katholischer oder evangelischer Seite aus gekündigt worden. Dies sei in Absprache mit den Französischkräften geschehen. So würden drei beispielsweise kurz vor der Rente stehen und die Basisqualifikation, die für eine feste Einstellung erforderlich ist, nicht mehr erwerben wollen.

Spitzer: Haben moralische Verantwortung

Kindergärten, die keine französischen Sprachkräfte fest einstellen konnten, sollen jetzt trotzdem Geld bekommen, um das Angebot finanzieren zu können. Dafür soll ein Teil des Sozialraumbudgets verwendet werden. Das Budget ist Teil des neuen Kindergartengesetzes und beträgt 1,25 Millionen Euro. Die Hälfte davon ist für Sozialarbeit vorgesehen, der Rest für andere Projekte. Darunter nun auch die französische Spracharbeit, so Spitzer, der sagte, dass „wir eine moralische Verantwortung für Leute haben, die seit 20 Jahren hier arbeiten oder noch zwei Jahre bis zur Rente haben“.

Wenn ein Kindergarten Geld für das Sprachprogramm wolle, „muss er Kontakt aufnehmen und begründen, warum eine französische Spracharbeit notwendig ist. Zum Beispiel, weil er direkt an der Grenze liegt“, erklärt Spitzer. Er räumt aber gleichzeitig ein, dass die französische Spracharbeit nicht die größte Priorität genieße. Viel wichtiger sei dem Kreis und den Kindergärten die Sozialarbeit. Das ist einer der wesentlichen Punkte im neuen Kindergartengesetz.

„Zur französischen Spracharbeit sage ich: nice to have (schön, wenn man sie hat, Anm. der Redaktion), aber sie spielt die geringste Rolle. Jedem sollte klar sein, dass Sozialarbeit wesentlich wichtiger als das Sprachprogramm ist, das in keiner der Grundschulen im Kreis weitergeführt wird“, stellt Spitzer klar.

Vorschlag: Französische Kollegen anwerben

Dennoch wolle der Kreis die Kindergärten auf Wunsch unterstützen, französische Kollegen anzuwerben, um diese fest einzustellen. „Dabei sind wir gerne behilflich. Es ist absolut sinnvoll, diese fest in den Alltag einzubinden, anstatt nur für ein paar Stunden in der Woche und sich – wie bei Förderprogrammen – dann immer von Jahr zu Jahr zu hangeln.“ Doch Spitzer weiß mit Blick auf die unterschiedliche Ausbildung: „Das wird schwierig“.

Das Sozialraumbudget und das Verwenden eines Teiles davon für das Sprachprogramm sei vergangene Woche im Jugendhilfeausschuss des Kreises vorgestellt worden und soll im gleichen Ausschuss am 29. Juni verabschiedet werden. „Der Kreistag muss nicht mehr zustimmen“, so Spitzer. Von den 1,25 Millionen Euro übernehmen 60 Prozent das Land und 40 Prozent der Kreis.

Zuständig für die Kindergärten im Kreis: der Beigeordnete Peter Spitzer.
Zuständig für die Kindergärten im Kreis: der Beigeordnete Peter Spitzer.
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