Rodalben
Krankenhaus-Geschäftsführer stellen sich VG-Rat
Zusammen mit Günter Merschbächer, Geschäftsführer der Marienhaus-Unternehmensgruppe, ist Forster am Montagabend gekommen, um den Ratsmitgliedern Rede und Antwort zu stehen. Der Tenor der Krankenhaus-Vertreter ist klar: „Es kann nur diese eine Lösung geben“, sagt Forster. Gemeint ist die Fusion der beiden Häuser in Pirmasens, während der Rodalber Standort in einigen Jahren dichtmachen soll. Merschbächer: „Priorität hat nicht, in Rodalben ein Krankenhaus zu erhalten, weil das unrealistisch ist.“
Beide Geschäftsführer werben mit deutlichen Worten für diesen Plan, loben den jeweils anderen und die Zusammenarbeit. Es ist die Rede von einem „guten Auftakt“, einem „guten, dankbaren Weg“ und davon, dass Pirmasens sich auch für die Versorgung des Landkreises verantwortlich fühlt. Merschbächer beschreibt Forster als zuverlässigen und kompetenten Partner, der ein offenes Wort schätzt und mit dem er schon seit zwei Jahrzehnten eine berufliche Beziehung pflegt.
„Es freut mich ja sehr, dass Sie sich so gut verstehen“, kommentiert Ulrike Kahl-Jordan (SPD) mit sarkastischem Unterton. Die Krankenhaus-Leute würden sich in der Sitzung gegenseitig die Bälle zuspielen. Bei seinem Vortrag habe Merschbächer vor allem die Ergebnisse des Gutachtens über die Krankenhäuser in der Region präsentiert, das die Firma Curacon erarbeitet hat – und das dem Rat vorliege. „Lesen können die Verbandsgemeinderäte selbst“, meint die SPD-Frau. Doch sie zweifele am Gutachten, das die Fusion in Pirmasens empfiehlt, denn die beiden Krankenhäuser haben es gemeinsam in Auftrag gegeben und bezahlt. „Es würde mich sehr wundern, wenn der, der bestellt, nicht das bekommt, was er wollte“, kritisiert Kahl-Jordan.
„Was gibt Pirmasens zurück?“
Merschbächer hätte sich mehr einsetzen müssen, um für Rodalben etwas herauszuholen, sagt Kahl-Jordan. So hätte man einzelne Abteilungen wie Geriatrie oder Psychiatrie in Rodalben ansiedeln können. Das SPD-Ratsmitglied bleibt mit diesem Gedanken nicht allein. „Im Prinzip ist die Kuh schon geschlachtet“, meint Georg Schäfer (CDU). Die Fusion habe vor allem Vorteile für Pirmasens. „Die Frage ist: Was kann uns Pirmasens zurückgeben?“ Auch Schäfer denkt an die Auslagerung von Abteilungen, die die vollständige Schließung des Standorts Rodalben abwenden könnten. Nach Ansicht von Merschbächer ist die Geriatrie ein „hochanspruchsvolles“ Fachgebiet, das an einem Schwerpunktkrankenhaus angesiedelt sein müsse. Einmal fusioniert, könnte Pirmasens die Schwelle zum Schwerpunktkrankenhaus (Stufe drei bei der Kategorisierung von Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz) überspringen.
Peter Pfundstein (FWG) sieht das Städtische in Pirmasens, das Betten, Ausrüstung und gut ausgebildetes Personal dazubekomme, als Gewinner der Fusion. Rodalben hingegen verliere: „Das Gebäude kommt auf die Resterampe.“ Im derzeitigen Zustand könne niemand etwas damit anfangen, meint Pfundstein. Merschbächer sagt zur Nachnutzung des Gebäudes: „Das halte ich auch für – vorsichtig formuliert – sehr schwierig.“ Er schlägt eine Projektgruppe vor, die sich damit befasst.
Neubau statt Anbau
„Wir sind gewählte Vertreter, und das Krankenhaus Rodalben gehört zur Verbandsgemeinde Rodalben und zur Stadt Rodalben“, betont Grünensprecher Ralf Lehmann. Er spricht von Fehlern der Vergangenheit. So gab es schon vor Jahren Zusammenschlüsse von Kliniken in der Großregion, der Grünen-Politiker nennt das Westpfalzklinikum in Kaiserslautern und das Klinikum Landau/Südliche Weinstraße. „Nur in der Südwestpfalz hat jedes Krankenhaus für sich weitergewerkelt“, sagt Lehmann. Als Ergebnis seien die Häuser in Dahn und Zweibrücken geschlossen worden, und Rodalben sei das Nächste.
Sina Fränzel (SPD) regt eine weitere Option an: kein Anbau in Pirmasens, sondern ein Neubau für die fusionierten Kliniken an einem Standort zwischen den jetzigen Häusern. Fränzel denkt an das Militärgelände Grünbühl, das Rodalben schon lange als Gewerbegebiet erschließen will. Ein Neubau für 500 Betten wäre teurer als ein Anbau in Pirmasens, sagt Merschbächer dazu. Zudem müsse die Anbindung und gute Erreichbarkeit des Standortes gewährleistet sein.
500 Betten sind genug
Mit der Schließung des Rodalber Hauses werde der ländliche Raum geschwächt, sagt CDU-Sprecher Leo Littig. „Es wird uns immer mehr Infrastruktur weggenommen.“ Dabei hätte man doch aus der Corona-Pandemie lernen können. Da habe die Regierung so viel Geld in die Hand genommen – von einem Bruchteil hätte das Rodalber Krankenhaus saniert werden können, meint der CDUler. Merschbächer erinnert daran, dass es damit nicht getan wäre. Selbst wenn das Gebäude in Topform wäre, könnte der Betrieb nicht langfristig überleben: Das Krankenhaus sei einfach zu klein, um auf dem Markt zu bestehen. Die laufenden Kosten seien zu hoch im Vergleich zur Anzahl der Patienten. Teure, aber unnötige Eingriffe, wie sie manchen Kliniken vorgeworfen würden, würden in der Südwestpfalz von den Krankenkassen wenig beanstandet. „Wir sind ziemlich sauber, beide Häuser“, betont Merschbächer.
SPD-Sprecher Peter Spitzer fragt nach den Betten, die bei einer Fusion wegfallen sollen: Derzeit hat Pirmasens etwa 400 und Rodalben 155. Dem verschmolzenen Krankenhaus sollen aber nur um die 500 Betten zur Verfügung stehen. Sei der Landkreis dann nicht unterversorgt?, will Spitzer wissen. Merschbächer verneint das. Laut Einschätzung des Landes seien die 500 Betten ausreichend. Die beiden Krankenhäuser seien auch jetzt nicht vollständig ausgelastet. Von den 400 Pirmasenser Betten seien in der Regel etwa 350 belegt, in Rodalben rund 100. Es blieben nach der Fusion also noch einige Kapazitäten als Reserve. Zudem gehe der Trend zur ambulanten Behandlung, das werde sich noch verstärken, sagt Merschbächer. „Eigentlich müssten mehr als 500 Betten für die Region herausspringen“, meint Martin Forster. Doch man müsse nehmen, was sich finanzieren lässt.
Rettungswache bleibt
Forster sagt, das Haus in Pirmasens „steht stabil, auch noch in 15 Jahren“. Langfristig werde es aber auch für die größere Klinik schwierig, weshalb die Fusion Pirmasens nutze. Allerdings nur unter Bedingungen: „Wenn wir einsteigen, dann am Standort Pirmasens.“ Das Städtische hat schon in der Vergangenheit mitgeteilt, dass man nicht ins Rodalber Gebäude investieren werde. „Ich muss für mein Haus hart verhandeln“, kündigt der Geschäftsführer des Städtischen an. Pirmasens habe „nicht darauf gewartet, nach Dahn auch das Krankenhaus Rodalben in die Griffel zu kriegen“, spricht er Streitigkeiten aus der Vergangenheit an, als das Dahner Krankenhaus von Pirmasens übernommen und dann geschlossen wurde.
Eins kann Merschbächer den Rodalbern zusagen: Auf Nachfrage von Littig versichert er, dass die Rettungswache in der Stadt erhalten bleibe. Das habe der Kreis schon zugesagt.
Wer kann es besser?
Merschbächer plädiert für Einigkeit: Die Südwestpfalz müsse zusammenstehen in Mainz, eine Front bilden, und das möglichst fix. Drei bis vier Monate vor der Landtagswahl werde sich nichts mehr bewegen, ein halbes Jahr danach auch nicht, also müsse man vorher verbindliche, konkrete Zusagen erstreiten. Er bittet die Ratsmitglieder, die Fusion „kritisch und konstruktiv zu begleiten“. Doch mancher fühlt sich gedrängt. Kahl-Jordan macht mit scharfen Worten deutlich, dass der Geschäftsführer den Lokalpolitikern nichts zu sagen habe und es nicht Aufgabe des Rats sei, die Entscheidung klaglos mitzutragen, um Geschlossenheit zu demonstrieren.
„Natürlich habe ich Ihnen nichts zu sagen. Sie haben Ihren eigenen Kopf, ich auch“, entgegnet Merschbächer. Es gebe jetzt ein Zeitfenster, um sich zu positionieren. Einigkeit stärke die Region bei den Verhandlungen mit dem Land. Er arbeite in einer schwierigen Lage. „Wenn irgendeiner das besser kann, dann gern. Ich hab’ noch keinen getroffen.“
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