Kreis Südwestpfalz Kopf-Kino soll vorsichtiger machen

Zeugen, Einsätzkräfte und Angehörige berichten beim „Crash-Kurs“ der Polizei von einem schweren Unfall. Die Schilderungen und Bi
Zeugen, Einsätzkräfte und Angehörige berichten beim »Crash-Kurs« der Polizei von einem schweren Unfall. Die Schilderungen und Bilder sollen die Schüler aufrütteln – und vorsichtiger fahren lassen.

An einem „Crash-Kurs“ der rheinland-pfälzischen Polizei haben am Mittwoch im Ramstein-Miesenbacher Broadway Kino rund 400 Schüler der Berufsbildenden Schule Landstuhl teilgenommen. Die Präventionsveranstaltung hinterließ nachdenkliche Gesichter.

Die Schüler im Kinosaal sehen kurze, musikalisch und mit Informationen untermalte Sequenzen von Unfällen und der Arbeit der Rettungskräfte. Ein auf dem Dach liegendes Auto , daneben Wasserflasche und Stofftier. Ein anderes hinter einer Hecke, eingedrückte Fahrerkabinen, Feuerwehrleute, Rettungshubschrauber. „Bei euch soll Kopfkino entstehen. Die Bilder sollen euch betroffen machen. Ihr sollt heute die Realität erfahren“, leitet Moderator Patrick Brummer von der rheinland-pfälzischen Polizeihochschule zu den Berichten von Personen über, die einen Unfall mit Todesopfer erlebt haben. Der 14. März 2017 war ein sonniger Tag. Ideal für eine Motorradtour, berichtete Andreas Bohnert. Als er von Schwedelbach nach Reichenbach-Steegen fuhr, ahnte er nicht, dass der Autofahrer, der schon zuvor nervös gewirkt hatte, trotz durchgezogener Linie und Gegenverkehr zum Überholen ansetzen würde. Was folgte, war ein Frontalzusammenstoß mit Riesenknall, splitterndem Glas und umherfliegenden Fahrzeugteilen. Ein rotes Etwas, das Unfallauto, sei durch die Luft geflogen. „Ich habe nichts mehr gespürt und gezittert wie Espenlaub, als ich meine Maschine abgestellt habe.“ Eindrücklich und detailreich beschreibt der Ersthelfer die Szenerie. Der Fahrer mit verrenkten Gliedern, eingeklemmt im Sitz, der aus der Verankerung gerissen wurde. Blut, das aus Augen, Ohren und Nase strömt, ein deformierter Kopf und ein starrer Blick. Mit anderen befreit Bohnert den Verletzten. Sie leisten Herzdruckmassage und Beatmung und müssen immer wieder Erbrochenes aus dem Mund entfernen. Auch Alena Schwörer, die zeitweise die Herzdruckmassage übernommen hatte, erinnert sich: „Er hat mich angestarrt mit einem Blick, der sagte: Das war’s, hier komme ich nicht mehr raus.“ Zunächst sei es ihr noch gut gegangen, auch als sie im Krankenhaus ihre mit Dreck und Blut verschmierte Kleidung wahrgenommen habe. Erst später habe sie begonnen zu weinen, habe nicht schlafen können und viel mit ihren Feuerwehrkameraden, Familie und Freund über das Erlebte gesprochen. Für die Feuerwehr verliest Anja Resch den Text eines Wehrleiters, der das Szenario als „absolut krasses, dramatisches Bild“ beschreibt. Es ist von Geschrei, Blut und einem entstellten Menschen die Rede. Von Feuerwehrleuten, die ihren Job ruhig erledigen und von zwei älteren Kameraden, die sich freiwillig melden, um den Bestatter zu unterstützen. Die Schwester des Verunglückten, Cansu Karaoglan, berichtet davon, wie sie vom Tod ihres Bruders erfahren hat, wie die Reaktionen waren. „Bei unserem Eintreffen war es ein einziges Schlachtfeld“, berichten die Polizisten Alexander Engers und Sebastian Hüther Über Stunden habe sich die Aufnahme des Unfalls hingezogen, später mussten die Polizisten die Identität feststellen. „Da geht einem so einiges durch den Kopf. Es wird erwartet, dass man seine Arbeit macht, und das macht man auch, man funktioniert“, resümieren sie.

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