Kreis Südwestpfalz Kleiner Fisch mit 400 000 Tonnen
400 000 Tonnen Altpapier. Um die Menge zu transportieren, braucht man rund 17 000 Lastwagen. Das ist die Menge an Altpapier, die das Kaiserslauterer Unternehmen Uniroh im Jahr quasi weltweit vermarktet und somit wieder neuen Bestimmungen zuführt. Am Samstag feierte die Firma ihren 20. Geburtstag.
„Die Lauterer sind gute Trenner“, findet Werner Steingaß, Geschäftsführer von Uniroh. Rund 750 Tonnen Altpapier pro Monat allein aus Lautern vermarktet das Unternehmen. Insgesamt sind es 400 000 Tonnen. „Wir haben Lieferanten in ganz Europa, und unsere Abnehmer sitzen in der ganzen Welt“, erklärt Steingaß. Am Anfang stand die Idee, den Rohstoff Papier besser zu vermarkten als das dem Abfallbeseitigungsunternehmen Jakob Becker möglich gewesen sei, blickt Steingaß auf die Anfangszeit 1998 zurück. Damals gründeten er und einige Becker-Mitarbeiter Uniroh. „Wir wollten eigenständig etwas bewegen, ohne eine Konkurrenz zu Becker zu sein, eher eine Ergänzung.“ Der Plan ging auf, nach zwei Jahren konnte Steingaß seine Mitgründer ausbezahlen, wurde mit seiner Frau, einer Tochter aus dem Hause Becker, alleiniger Gesellschafter bei Uniroh. Das Unternehmen floriert: 2001 setzte das Unternehmen umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro um, heute hat die Gruppe, zu der zwei Gebäudereinigungsfirmen zählen, rund 60 Millionen Euro Jahresumsatz. Dennoch sagt Steingaß: „Wir sind ein kleiner Fisch in einem Haifischbecken.“ Uniroh stehe im Wettbewerb mit Großkonzernen, die Millionen Tonnen Altpapier vermarkten. Der 57-Jährige kennt die Branche: Er ist Vorstandsvorsitzender und Vizepräsident des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Mit Uniroh will er sich weiter „im harten Wettbewerb behaupten“. In Deutschland fallen laut Steingaß rund 16 Millionen Tonnen pro Jahr an. Und Altpapier ist nicht gleich Altpapier: Gut 70 Sorten unterscheidet der Fachmann, von Zeitungen und Illustrierten – die wieder zu Druckerzeugnissen verarbeitet werden – über Druckereiabfälle bis hin zu Produkten aus der Aktenvernichtung. Seit ein paar Jahren stagniert die Menge, die Verwendung von Papier und Kartonage hat sich verschoben. Es gibt mehr Verpackungspapier (Steingaß: „Stichwort Amazon“), dafür nimmt der Anteil an Druckerzeugnissen ab. Der Kontakt zur Keimzelle von Uniroh, der Firma Becker, ist da, nicht zuletzt wegen der familiären Verbindungen. Werner Steingaß’ Sohn Max, der bei Uniroh schon dabei ist, hat zwei Brüder, die bei Becker arbeiten, auch deren Cousin und Onkel sind dort beschäftigt. Die nächste Generation steht also bei Uniroh (und Becker) bereits in den Startlöchern. „Ein Ziel ist, die Unternehmen zusammenzuführen“, so Max Steingaß.