Reifenberg
Kindergarten „Apfelbäumchen“ bleibt katholisch
Der Reifenberger Kindergarten ist für 25 Kinder gebaut und darf fünf weitere Kinder mit einer Ausnahmegenehmigung aufnehmen, die Mitte des Jahres ausläuft. In den nächsten Jahren könnten aber fast 50 Reifenberger Kinder einen Kindergartenplatz brauchen. Ob der Kindergarten tatsächlich für diese Anzahl ausgebaut wird und was genau gemacht wird, das muss der Rat erst noch besprechen. Er war aber geschlossen dafür, den Anbau voranzutreiben.
Das fordert auch der Elternbeirat, der hierfür in den vergangenen Wochen 300 Unterschriften gesammelt hat – was Bürgermeister Pirmin Zimmer als starkes Zeichen sah, dass die Reifenberger hinter ihrem Kindergarten stehen. Etwas erstaunt waren manche Gemeinderatsmitglieder dennoch: „Ich versteh’ die Aktion nicht. Wir hatten doch schon im Dezember beschlossen, dass wir anbauen möchten. Da war doch keiner dagegen“, wunderte sich Annette Mutter. Markus Hüther entgegnete, dass in der vorherigen Ratssitzung im März „bei dem ein oder anderen doch etwas Bedenken da waren – auch bei mir“. Aber er habe auch von der Unterschriftensammlung gehört und sich gedacht: „Was soll das jetzt?“
„Noch sehr viel Diskussionsbedarf“
Die Entscheidung, den Kindergarten auszubauen, fiel einstimmig. Laut Zimmer gibt es nun „noch sehr viel Diskussionsbedarf, für welche Grundlage wir uns entscheiden“. Bereits in der März-Sitzung waren Zweifel angeklungen, ob der Kindergarten tatsächlich Platz für 50 Kinder bieten muss. Kindergartenleiterin Tanja Becker sieht diesen Bedarf für die kommenden Jahre durchaus, wie sie am Freitagmorgen im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte. Sie würde auch gerne Kinder unter zwei Jahren aufnehmen, die derzeit nach Maßweiler gingen und nicht mehr zurückkämen. Acht Reifenberger Kinder seien derzeit in Maßweiler, eins in Thaleischweiler-Fröschen, eins in Rieschweiler-Mühlbach. Zwei Kinder kämen vom Stockbornerhof, die gingen aber sowieso eher nach Dellfeld oder Battweiler. Sechs Kinder gehen im Herbst zur Schule, sieben bis acht stehen bisher auf einer Warteliste. Die Leiterin ist optimistisch, dass der Kindergarten auch ab Juli weiterhin 30 Kinder aufnehmen kann. Für nächste Woche ist ein Gespräch mit Gemeinde, Kirche, Landes- und Kreisjugendamt geplant.
Weil die Kirche künftig nur noch halb so viel fürs Personal bezahlen möchte und das auch nur für die Anzahl, die für die ursprünglichen 25 Kinder gebraucht wird, kam auch die Frage auf, ob die Gemeinde die Trägerschaft von der Kirche übernehmen soll. Diesen Schritt könne man auch später noch gehen, wegen der Verhandlungen über die Kostenbeteiligung sei es derzeit aber einfacher, erläuterte Bürgermeister Zimmer, warum das Thema im Moment diskutiert wird.
Der Träger entscheidet, wen er einstellt, und gibt das Konzept vor, antwortete Zimmer auf die Frage von Hans Lauer, was die Kirche für ihren Beitrag alleine entscheiden kann. Die Frage nach der Trägerschaft sei aber aufgekommen, weil die Kirche derzeit „sehr zurückhaltend“ sei, wenn es um eine Erweiterung des Kindergartens und die Verlängerung der Ausnahmegenehmigung geht. Solche Absprachen fielen weg, wenn die Gemeinde alleiniger Träger wäre.
Rat möchte Kirche nicht außen vor lassen
Für den Gemeinderat wog das alles nicht schwer genug, die Kirche völlig außen vor zu lassen. Bernd Hüther erinnerte daran, dass die Angestellten mit der Kirche als Arbeitgeber zufrieden sind. Annette Mutter fragte, warum man auf die Personalverwaltung, bessere Fortbildungen und die Kostenbeteiligung der Kirche verzichten sollte. Nadine Bold sagte schlicht: „Ich würd’s so lassen“, woraufhin Tanja Becker – nicht die Kindergartenleiterin, sondern ein Ratsmitglied mit gleichem Namen – und Markus Semmet jeweils einwarfen: „Ich auch.“
Die Gemeinde Reifenberg zahlt 12,5 Prozent der Personalkosten. Laut Dirk Kattler, dem Leiter der Finanzabteilung, sind dieses und nächstes Jahr hierfür jeweils 27.000 Euro im Haushalt eingeplant. Hochgerechnet ergibt das Personalkosten von 216.000 Euro im Jahr. Da die Kirche nur für die Betreuung von 25 Kindern zahlt, entsprechen ihre zehn Prozent um die 20.000 Euro.
Kindergartenleiterin Tanja Becker sagte am Freitag auf Anfrage, sie sei „ein bisschen zwiegespalten“: „Die Zurückhaltung der Kirche ärgert mich schon.“ Sie verstehe es, wenn man sich da ausgebremst fühle. Auf der anderen Seite sei die Kirche ein wichtiger Teil des Ortes, und Speyer habe viel Geld in die Qualität der Kindergärten gesteckt. Die Kirche stehe schon noch hinter ihren Kindergärten, sei aber schon seit 15 Jahren nicht bereit, mehr Geld beizutragen als bisher vereinbart sei.
Zur Jahresmitte muss nicht nur die Ausnahmegenehmigung verlängert werden, sondern es tritt auch das neue Kindergartengesetz in Kraft, von dem die Kindergärten wenig halten. Tanja Becker sagt: „Das verbessert die Lage nicht.“ Wird die Ausnahmegenehmigung verlängert, wird Reifenberg neues Personal brauchen, das derzeit nicht einfach zu finden sei.