Thaleischweiler-Fröschen RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Zugfahrt zum Musical: Bahn will keine 200 Schüler mitnehmen

Die Grundschüler wollten am Donnerstag von Thaleischweiler-Fröschen nach Zweibrücken fahren. Für die 220 Passagiere hätte der Pl
Die Grundschüler wollten am Donnerstag von Thaleischweiler-Fröschen nach Zweibrücken fahren. Für die 220 Passagiere hätte der Platz aber nicht gereicht.

Wenn sich am Donnerstagmorgen in Zweibrücken der Vorhang zum Familienmusical „Die kleine Meerjungfrau“ hebt, sind rund 200 Kinder nicht dabei: die Grundschüler aus Thaleischweiler-Fröschen. Ein Trauerspiel, finden Schüler, Lehrer und Eltern.

Es hätte eine Geschichte mit Happy End werden können: Die Grundschule Thaleischweiler-Fröschen hatte alles für den Ausflug zum Musical vorbereitet. Geplant war, dass jedes Kind vier Euro für die Zugfahrt zahlt. Die Eltern waren einverstanden, die Schüler voller Vorfreude, die Fragen rund um die Logistik geklärt: Um 7.47 Uhr sollten die Grundschüler ab Thaleischweiler mit dem Zug nach Zweibrücken fahren, um pünktlich um 9 Uhr in der Zweibrücker Festhalle zu sein. Doch als die Schule die große Gruppe wie von der Bahn in solchen Fällen gefordert anmeldete, folgte die herbe Enttäuschung. Die Bahn verweigert den Transport. Begründung: Es seien schlichtweg zu viele Kinder. Die Bahn bot an, 60 statt der rund 220 Personen mitzunehmen. Für die Schule keine Option. Alle sollten teilnehmen können. „Wir versuchen jedes Jahr, einen solchen Ausflug anzubieten“, erklären Konrektorin Anja Bräuer und Schulsekretärin Corina Georgi im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Auch der Hinweis der Bahn, die Schüler könnten ja in Etappen fahren, sei keine Lösung: „Der Zug fährt nur alle Stunde. Das hätte von der Uhrzeit nicht hingehauen.“

Bahn: Zug bereits „stark ausgelastet“

Wie Bräuer und Georgi berichten, hat die Schule alle Hebel in Bewegung gesetzt: Lehrer und Sekretärin hingen sich an die Bahn-Hotline – „stundenlang“, wie die beiden versichern, schrieben Mails, recherchierten vor Ort am Bahnhof: Ist der besagte Zug tatsächlich zu klein? Kann die Bahn nicht mindestens einen weiteren Waggon anhängen? Doch die Deutsche Bahn blieb bei ihrer Absage. Es sei zwar das „ureigenste Interesse und Ziel“, möglichst vielen Menschen Zugfahrten zu ermöglichen und „ein wichtiges Anliegen“, für Schüler und Lehrer „Fahrten auf der klimafreundlichen Schiene zu buchen“, erklärt eine Bahnsprecherin auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Doch könne man hier dem Wunsch der Schule nicht nachkommen. „Die Fahrt sollte in der Hauptverkehrszeit mit einer Gruppe von 220 Personen stattfinden. In dieser Zeit sind die Züge mit Pendlern bereits sehr stark ausgelastet. Auf der Strecke sind Fahrzeuge vom Typ VT642 – Diesel-Triebzug mit 98 Sitz- und 100 Stehplätzen – unterwegs. Diese sind in dieser Form und Wagenlänge von den Aufgabenträgern im Nahverkehr langfristig bestellt“, erklärt die Sprecherin. „Ein ,Dranhängen’ von Wagen ist hierbei nicht möglich, denn bei dem Zug handelt es sich um einen zusammenhängenden Triebzug – also nicht um eine Lokomotive, die einzelnen Waggon zieht.“

Zwar könnten die Schüler auf gut Glück mitfahren, hatte die Bahn der Schule erklärt; „es besteht jedoch keine Mitnahmegarantie“. Bräuer und das Kollegium sind von der Absage der Bahn schwer enttäuscht. „Für jedes große Fußballspiel ist es möglich, noch Waggons anzuhängen“, sagt Bräuer. „Aber Kindern nach Corona endlich mal wieder ein schönes Erlebnis zu bieten, das geht offenbar nicht.“ Die Bahn bot der Schule zudem an, sich an Bahncharter zu wenden, um einen eigenen Zug zu bestellen. Ein Blick ins Internet zeigte schnell, dass das den finanziellen Rahmen deutlich sprengen würde.

Reisebusse viel teurer geworden

Die Schule ging mehrere Möglichkeiten durch. Dass Eltern den Transport übernehmen, sei schwer machbar. „Da bräuchten wir über 50 Autos“, rechnet Georgi vor. Dass ein Teil der Schüler auf gut Glück den Zug nimmt und der Rest dann in Autos hinterhergefahren wird: ebenfalls schwer machbar, weil nicht planbar. Bliebe die Möglichkeit, Reisebusse zu mieten. Es folgte die nächste Enttäuschung: Kostete eine solche Fahrt für gut 200 Schüler laut Georgi vor wenigen Jahren noch unter 1000 Euro, so seien es nun 3000 Euro. Die Preise seien nach Corona extrem gestiegen. „Jedes Kind hätte allein für die Fahrt 15 Euro zahlen müssen – für die kurze Strecke“, erklärt Georgi. Busfahrt also auch keine Option.

Schweren Herzens habe man daher den Ausflug ins gut 20 Kilometer entfernte Zweibrücken abgesagt, berichten Bräuer und Georgi. Auch die Idee, ein Tourneetheater zu engagieren, das an die Schule kommt und dort für die Kinder Theater spielt, habe man verwerfen müssen: Weil ihr Dach beschädigt ist, bleibt die Schulturnhalle derzeit gesperrt. Also auch keine Option. Von der Vorfreude über den Ausflug ist nichts mehr übrig geblieben. „Die Kinder sind supertraurig und richtig enttäuscht“, beschreibt es Bräuer.

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