Kreis Südwestpfalz Keine Organhändler, sondern Helfer weltweit

Das hautnahe Erleben des Kriegsausbruches in Jugoslawien berührte junge Menschen aus der Westpfalz so sehr, dass sie helfen wollten. Das war 1991. Aus der Hilfe für Jugoslawien ist die Deutsche Humanitäre Stiftung entstanden, die heute hilfsbedürftige Menschen in Krisengebieten auf der ganzen Welt unterstützt. Die Stiftung hat ihren Sitz in Wiesbach und feiert am Wochenende ihr 25-jähriges Bestehen.
„Eine Gruppe Jugendlicher verbrachte 1991 einen Urlaub in Jugoslawien. Auf dem Rückweg sahen sie, wie der Krieg ausbrach, Menschen um ihr Leben rannten, hungerten und starben. Die jungen Leute kamen aus der Westpfalz, überwiegend aus dem damaligen Landkreis Pirmasens und Zweibrücken“, erinnert sich Uwe Breininger, selbst einer der Jugendlichen von einst und heute hauptamtlicher Projektleiter bei der Deutschen Humanitären Stiftung (DHS). Die Jugendlichen hätten sich damals überlegt, was sie tun könnten. So sei die Idee geboren worden, Geld- und Sachspenden zu sammeln, um den Menschen im Kriegsgebiet zu helfen. Das sei zwar auch über Organisationen möglich gewesen, aber niemand habe schriftlich garantieren wollen, dass die Spenden auch direkt ins Kriegsgebiet kämen, erinnert sich Breininger. Also habe man beschlossen, die Spenden selbst nach Jugoslawien zu fahren − unterstützt unter anderem von der Karlsberg-Brauerei, die einen Lastwagen stellte, der Bundeswehr Zweibrücken und Bexbach sowie einzelnen Politikern. „Für den ersten Konvoi kamen Sachspenden im Wert von rund 20 000 Euro zusammen und 1500 Euro Bargeld. Es war viel Arbeit, und eigentlich sollte es eine einmalige Aktion bleiben“, berichtet Breininger. Es kam anders. Weitere Hilfstransporte folgten, die Not war einfach zu groß. 1992 wurde ein gemeinnütziger Verein angemeldet, aus dem 1994 eine Stiftung wurde. Von 1991 bis 1995 war die DHS in Jugoslawien aktiv, organisierte Hilfstransporte und betreute ein Flüchtlingslager. Qualifizierte ehrenamtliche Kräfte arbeiteten mit. „Wir hatten das Glück, dass sich mehrere junge Ingenieure für sechs bis zwölf Monate freiwillig zur Mitarbeit meldeten“, erzählt Uwe Breininger. Als das von der Stiftung eingerichtete Flüchtlingslager aufgelöst wurde, half die Stiftung noch von 1996 bis 2001 in Bosnien, damit Kinder und Frauen Wohnungen fanden und sich eine Existenz aufbauen konnten. Von 1996 bis 1998 lief ein Projekt in Mosambik. Hier wurden Straßenkinder mit Lebensmitteln und Schulmaterial unterstützt. 1998 begann die Flüchtlingshilfe der Stiftung im Kosovo. Sie dauerte zwei Jahre und bestand aus mehreren Hilfstransporten. 2001 wandte sich die DHS einem neuen Projekt in Mexiko zu. Ziel, so Breininger, sei es gewesen, Kindern zu helfen, damit sie zur Schule gehen konnten. Die Eltern hätten versprechen müssen, die Kinder von der Feldarbeit freizustellen, und die Familien hätten dafür Lebensmittelpakete bekommen. „Das Projekt war sehr schwer einzurichten, und anfangs hielten uns die Menschen für Organhändler oder US-Amerikaner, die Kinder adoptieren wollten. Erst nachdem der Bürgermeister sich einschaltete und übers Radio verkündete, dass wir wirklich aus Deutschland sind, und die Botschaft bestätigte, dass es eine deutsche Hilfsorganisation ist, kam Vertrauen in das 200 Kilometer von Mexiko City entfernte Bergdorf“, erzählt Breininger. Ein ähnliches Projekt lief ab 2002 in Bulgarien. Es wurde nach dem Beitritt Bulgariens zur EU eingestellt. Außerdem gab es mehrere Sonderprojekte wie zum Beispiel in Indonesien nach den Tsunami sowie Hochwasserhilfen 2004 und 2013. Im Togo richtete die Stiftung von 2008 bis 2010 ein zweijähriges Hilfsprojekt aus, Schule und Nothilfe. Seit 2010 betreut die DHS das gleiche Hilfsprojekt in Georgien und auf den Philippinen. „Aktuell haben wir also ein Projekt mit 105 Kindern in Georgien, eines mit 35 Kindern auf den Philippinen und eines mit 97 Kindern in Mexiko“, listet Breininger auf. Die DHS, eine nach eigenen Angaben politisch, religiös und kommerziell ungebundene Organisation, hat rund 460 feste Helfer und Förderer. 85 Prozent kommen aus Deutschland, die restlichen aus Österreich, der Schweiz und vereinzelt aus anderen europäischen Ländern sowie den USA. Seit 1995 vermittelt die DHS auch Patenschaften, um ein regelmäßiges Budget zu sichern, mit dem nicht nur die Patenkinder, sondern auch ihre Familien und ihr Umfeld finanziell unterstützt werden. INFO —Die Deutsche Humanitäre Stiftung (DHS) feiert am Samstag, 2. Juli, ab 14 Uhr ihren 25. Geburtstag in Wiesbach in der Hauptstraße 44b, im Pfarrheim hinter dem Kindergarten. Es gibt Informationen zur Geschichte der DHS, zu aktuellen Projekten und Vorführungen von Projektkindern. Außerdem werden Unterstützer geehrt. Um 19 Uhr beginnt der gemütliche Teil. —Die Deutsche Humanitäre Stiftung im Internet: www.dhs-kinderhilfe.de. |bsg