Kreis Südwestpfalz Kein Tag wie der andere

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WALDFISCHBACH-BURGALBEN. Während andere Arbeitsplätze bunt dekoriert sind, findet sich hier nichts Persönliches. Keine Familienfotos, Glücksbringer oder Gummibärchen-Notrationen. Höchstens eine Flasche Wasser nimmt Marcel Engel mit, aber nur gut verstaut in seiner Tasche im Kofferraum. Denn wenn es zu einer Verfolgungsfahrt komme, erklärt der Polizeikommissar bei der Polizeiinspektion Waldfischbach-Burgalben, sei er froh, wenn ihm nichts um die Ohren fliege. Ein Streifenwagen ist eben ein Arbeitsmittel. Ausgestattet mit dem Nötigsten: Im Kofferraum finden sich ein Abstandsmesser für Verkehrsunfälle, Pylone, eine Schutzdecke für Amokläufe, ein Feuerlöscher, eine Kiste für den Einsatz bei Chemieunfällen, die persönliche Einsatztasche mit Sets für Blut- und Urinproben plus Formulare, ein Ablagefach für eine Maschinenpistole. Hinzu kommen Blaulicht – nur erlaubt bei höchster Eile –, das elektronische Schriftband auf dem Dach, Handfunk, Handy, ein externes Navigationsgerät und eine Kamera am Spiegel, die sich mit dem Blaulicht einschaltet – auch zum Eigenschutz der Beamten. Ein bisschen mehr, als Privatautos gemeinhin vorweisen, aber doch weniger technische Raffinesse, als man annehmen würde. Von neuestem Komfort ganz zu schweigen – ein Passat der Flotte dient etwa schon seit über 200 000 Kilometern. Doch die Digitalisierung schreitet voran. Voraussichtlich ab Sommer soll die Inspektion nach und nach neue Wagen des Typs Audi A 4 bekommen mit moderner Media-Technik, wie der stellvertretende Dienststellenleiter Peter Baumann erklärt. Der neue Sonderfahrzeug-Assistent vereine Funktionen, die bisher einzeln bedient werden müssen: Sondersignal, Funk, Laufschrift, Navigation. Vereinfachen soll er die Dateneingabe, die bisher stets von Neuem erforderlich war; auch Einsätze können dann aus der Zentrale aufs Display gespielt werden. Eingebaut ist die neue Technik bereits im Zivilfahrzeug der Inspektion. Dieses wird zum Beispiel genutzt bei Observationen oder bei Gurt-Kontrollen im Straßenverkehr. Neben dem unauffälligen Golf umfasst die Fahrzeug-Flotte noch einen Transporter und drei Streifenwagen-Kombis, von denen einer durch die drei Bezirksbeamten genutzt wird. Das Dienstfahrzeug nimmt viel Raum ein im Alltag. Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit sind sie unterwegs, wie Peter Baumann schätzt – weniger im Winter, mehr im Sommer, wenn draußen laut gefeiert und ausgiebig Rasen gemäht wird. Da könne es vorkommen, sagt Baumann, dass eine Streife – stets besetzt mit zwei Beamten – um 20.30 Uhr abfahre und um 2 Uhr zurückkomme. Zu berücksichtigen sei dabei ihr großes Zuständigkeitsgebiet: von Winterbach bis Johanniskreuz. Da können sie auch bei einem schweren Motorradunfall auf der B 48 nicht unbedingt in zehn Minuten vor Ort sein. Wie viele Beamte in den Früh-, Spät- und Nachtschichten arbeiten, dürfen sie nicht sagen – kein Ganove soll Rückschlüsse auf ihre Einsatzfähigkeit ziehen können. Doch hier wie in anderen Inspektionen gilt: Verstärkung würden sie mit offenen Armen aufnehmen. Sofort. So breit wie das Gebiet ist die Palette ihrer Fälle: vom Einbruch über Unfälle, Drogen- oder Alkoholkontrollen bis zur Vollstreckung von Haftbefehlen und Begleitung von Schwertransporten. Was ihn im Dienst erwarte, wisse er nicht, stellt Marcel Engel fest – kein Tag sei wie der andere. Auch kein „Kunde“, wobei die meisten „sehr ordentlich“ reagierten. Für Engel ist es ein abwechslungsreicher und anspruchsvoller Job, wenn auch nicht ungefährlich. Eines würde sich der 30-Jährige aber wünschen: Mehr Zeit „für draußen“ zu haben. Und dafür weniger Umstand mit Schreibarbeit. So nehmen die Beamten etwa bei der Aufnahme von Personalien draußen noch alles handschriftlich auf, geben es später wieder in den Computer ein – allein ein Scanner für den Ausweis würde da schon Zeit sparen. Es gibt auch Einsätze, da bleibt das Auto stehen: Als im Dezember ein Vierjähriger im Wald bei Waldfischbach-Burgalben mit Hilfe eines Hubschraubers und zweier Hunde gesucht und zum Glück rasch gefunden wurde, unterstützte Engel die Kollegen bei der Suche auf dem Fahrrad. DAHN. Wenn Klaus Flieger oder Walter Dezember ihre Arbeit aufnehmen, steht Information an erster Stelle. Die Polizeihauptkommissare arbeiten in der Polizeiinspektion (PI) Dahn. Bei Schichtwechsel ist die Übergabe ein zentraler Moment. Wissen, was gelaufen ist, während die Kollegen Dienst hatten, die Tagesberichte kennen, auch aus umliegenden Dienststellen, ist oberstes Gebot. „Kriminelle halten sich nicht an Dienststellengrenzen“, sagt Dezember. In Dahn arbeite man in festen Dienstgruppen, man kenne sich, könne sich aufeinander verlassen, auch und besonders wenn es ernst wird. „Das ist fast wie eine Zweitfamilie“, sagt er. Gearbeitet wird im Schichtdienst, Früh-, Nacht- und Spätdienste wechseln sich ab, dabei gibt es eine Kernarbeitszeit und eine Gleitzeit. Der Schichtdienst sei anstrengend, biete andererseits aber auch Planungssicherheit für Privates. Die Dahner Dienststelle ist zuständig für die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland und Hauenstein, aber auch für alles, was in diesem Bereich auf der B10 passiert. Die Grenznähe zu Frankreich bietet manches Mal besondere Herausforderungen, deshalb gibt es regelmäßige Zusammenarbeit mit den französischen Kollegen. „Wir leben hier zwar in einem landschaftlichen Paradies, aber an Straftaten gibt es hier das Gleiche wie anderswo in Städten auch, nur halt eben nicht so häufig“, erzählt Klaus Flieger. Mehrmals am Tag geht es auf Streife. Die Zeiten sind unregelmäßig und werden auch nicht verraten, um etwaigen Straftätern keine Planungssicherheit zu bieten. Präsenz zeigen und so vielleicht ein Verbrechen verhindern, Prävention eben, das ist allen wichtig. „Wir sind bei unserer Arbeit auf die Bevölkerung angewiesen“, sagt Flieger. Die Polizei könne die Augen nicht überall haben, daher sei es wichtig, dass man von der Bevölkerung Informationen bekomme. Dies funktioniere hier auf dem Land, wo jeder fast jeden kennt, ganz gut. Trotzdem stehe man immer im Spannungsfeld zwischen Vertrauensaufbau und Vollstreckung gesetzlicher Sanktionen. Zugenommen haben in den letzten Jahren die Motorradunfälle und auch die Kletterunfälle, stellt er fest. Die Personaldecke sei wie überall dünn, sagt Flieger, der die PI Dahn zurzeit kommissarisch leitet. Zehn weitere Beamte würde er nehmen, meint er, um dann zu relativieren: „Wenn ich zwei oder drei bekäme, wäre ich schon froh.“ Oft führe es zu Irritationen in der Bevölkerung, wenn bei Geschwindigkeitskontrollen vier oder fünf Beamte gleichzeitig vor Ort sind. „Da ist von uns aber höchstens einer dabei, die anderen kommen von der Zentrale, weil die Geschwindigkeitskontrollen zentralisiert sind“, erklärt Flieger. Man erlebe auch Kurioses sagt er. So hätten sich schon Bürger bei der Polizei wegen mehrmaligem Blitzeinschlag beschwert. „Wir können zwar vieles, aber aufs Wetter haben wir nun doch noch keinen Einfluss“, sagt er schmunzelnd. Einmal hätten Bürger über Facebook vor einer Verkehrskontrolle in Dahn-Reichenbach gewarnt. Was von einer anderen Nutzerin mit den Worten kommentiert wurde: „Anhalten lohnt sich aber, es sind lauter junge, gut aussehende Beamte dabei.“ Herzstück in der Dahner PI ist der Überwachungsraum. Neuralgische Punkte in der Stadt und die Eingänge des Gebäudes können so beobachtet werden, unter Einhaltung der strengen gesetzlichen Vorschriften, ergänzt Flieger. Büroräume, Ausnüchterungszelle und Asservatenkammer, aber auch ein eigener Raum für den Jugendsachbearbeiter und einen großen Besprechungsraum für Dienstgruppengespräche und die Planung von Einsätzen sind Bestandteile des Gebäudes. Wie überall im öffentlichen Dienst hat man mit dem Sparkurs zu kämpfen. Neue Schränke und Regale wären angesagt – wenn der entsprechende Antrag bewilligt werde, könnte man „etwas moderner“ werden, sagt Flieger. Die Dienststelle in Dahn sei notwendig. Eine Abschaffung halten sie für untragbar, Anfahrtswege würden viel zu weit, die Arbeit ineffektiver, der Kontakt zur Bevölkerung ginge verloren. Die Gesichter in der PI Dahn werden sich in den nächsten Jahren großteils ändern, da einige Beamte in Ruhestand gehen und jüngere nachkommen.

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