Kreis Südwestpfalz Kein Bier mehr aus Contwig
Der Pirmasenser Lebensmittelkonzern Wasgau hat seine Brauerei in Contwig geschlossen. Seit diesem Jahr wird dort kein „Wentzler-Bräu“ mehr produziert. Stattdessen bezieht Wasgau nun Bier von der Pirmasenser Kleinbrauerei Kuchem. Es soll Mitte nächster Woche als „Wasgau-Bräu“ in die Regale der Märkte kommen. Die Mitarbeiter, die bis Ende 2015 in Contwig beschäftigt waren, sind laut Wasgau in anderer Funktion im Unternehmen untergekommen.
Wasgau hatte die Marke Wentzler-Bräu zum 1. Februar 2011 übernommen. Bereits seit Ende 2009 hatte das Unternehmen Bier unter diesem Namen − damals noch von Namensgeber Martin Wentzler nebenberuflich in Riedelberg gebraut − in mehreren Wasgau-Märkten angeboten. 2010 siedelte Martin Wentzler dann nach Contwig um und arbeitete dort in der von Wasgau betriebenen Brauerei als Angestellter. 2013 stieg er aus und wurde Gastronom. Wasgau sicherte sich jedoch den Namen und ließ Wentzler-Bräu weiterhin in Contwig nahe des Freibads brauen. Zuletzt wurden zwei Sorten das ganze Jahr über produziert, zudem Saisonbiere wie Maibock, allesamt ungefilterte Frischbiere. Zum Jahresende waren laut Wasgau noch vier Mitarbeiter in der Contwiger Brauerei beschäftigt. Bei den Gründen für die Schließung bleibt Wasgau vage. Zahlen will das Unternehmen nicht nennen. Die Betriebsstätte in Contwig habe sich als „nicht optimal“ erwiesen, teilte Sprecherin Isolde Woll auf Nachfrage mit. Der Vorstand des Unternehmens habe beschlossen, „zur Weiterentwicklung und Sicherung der Brauereiaktivität (quantitativ und qualitativ)“, einen „strategischen regionalen Partner zu suchen“. Diesen Partner habe man mit Kuchems Brauhaus in Pirmasens gefunden. Gemeinsam wolle man sich „neu ausrichten“. Wolfgang Kuchem (63) ist Braumeister und betreibt seit 2001 eine Hausbrauerei in der Pirmasenser Fußgängerzone. Aus seiner Produktion wolle man zunächst zwei Sorten Wasgau-Bräu anbieten, „die dann bis auf vier Sorten ergänzt werden“, so Woll. Welche Menge an Bier Wasgau abnimmt, wollten Woll und Kuchem gestern nicht sagen. Das hänge von der Nachfrage ab. Kuchem stammt aus Neunkirchen. Seit 1985 lebt er in Pirmasens. Bis 2000 arbeitete er als Betriebsleiter und Prokurist bei der Parkbrauerei. Er beschäftigt in seiner Hausbrauerei rund 20 Leute. Aus dem Umfeld von Wasgau ist zu hören, die hauseigene Brauerei in Contwig habe nie schwarze Zahlen geschrieben. Sie habe dennoch besonders dem Vorstandsmitglied Wolfgang Dausend am Herzen gelegen. Dausend ging jedoch 2015 in Ruhestand. In der Folge habe das Interesse des Konzerns an der Brauerei nachgelassen, ist zu hören. Auch sei die Nachfrage der Wasgau-Märkte nach Wentzler-Bräu stetig zurückgegangen. Die Märkte hatten jeweils in Contwig ihren Bedarf angemeldet, dann wurden entsprechende Mengen Bier gebraut. Die Brauerei nahm laut Wasgau in dem Gebäude in der Pirmasenser Straße in Contwig „nur einen kleinen Teil“ der Gesamtfläche ein. „Wir gehen davon aus, dass für unsere Fläche ein Nachmieter gefunden wird“, teilt Isolde Woll mit. Nach RHEINPFALZ-Informationen unterhält Wasgau in dem Gebäude in der ehemaligen Schuh- und Kunststofffabrik auch ein Lager. Die RHEINPFALZ hatte im Juni 2014 über die Wasgau-Brauerei in Contwig berichtet. Damals hatte das Unternehmen von einer steigenden Nachfrage nach Wentzler-Bräu und für 2013 von einem Umsatz von 217 000 Euro gesprochen. 2013 seien 60 000 Euro in die Anlagen der hauseigenen Brauerei investiert worden. Man sei zufrieden, wie sich das Geschäft entwickelt, hieß es damals (wir berichteten am 3. Juni 2014). Zahlen für 2014 und 2015 wollte Wasgau auf Nachfrage gestern nicht nennen. „Der Ausstoß und die Absatz- und Umsatzzahlen sind stabil zu den Vorjahren mit saisonal- beziehungsweise wetterbedingten Ausschlägen“, hieß es lediglich. Wie viel Bier zuletzt in Contwig gebraut und in den Wasgau-Märkten verkauft wurde, verriet das Unternehmen gestern ebenfalls nicht.