Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kaufnomaden: Makler erklärt, wie man sie sich vom Leib hält

Beim Hausverkauf haben Matthias und Anja Andes einen entscheidenden Fehler gemacht.
Beim Hausverkauf haben Matthias und Anja Andes einen entscheidenden Fehler gemacht.

Mehr als ein Jahr lang haben Kaufnomaden ein Haus in der Südwestpfalz besetzt. Der Zweibrücker Makler Klaus Baumann erklärt, wie man sich beim Hausverkauf absichert.

Für Matthias und Anja Andes ist am 17. Oktober eine schlimme Zeit zu Ende gegangen. Über ein Jahr lang haben Kaufnomaden ihr Haus in einem Dorf bei Zweibrücken mit Beschlag gelegt. Jetzt ist das Haus geräumt. Zwar haben es die Andes’ nun zurück, doch sie bleiben auf hohen Kosten sitzen. Im Haus ist Schimmel und Dreck, es stinkt nach Katzenurin. Auch die laufenden Nebenkosten mussten die Eheleute für die Hausnomaden bezahlen. Gegenüber der RHEINPFALZ erklärt der Zweibrücker Makler Klaus Baumann, wie ein Hauskauf beziehungsweise -verkauf im Sinne beider Geschäftsparteien über die Bühne gehen sollte.

„Die Basis ist immer die Finanzierung des Käufers“, sagt Baumann. Diese erfolgt üblicherweise über einen Kredit, den die Bank bewilligt und schriftlich bestätigt. Manchmal komme es vor, dass die Käufer schon die komplette Summe beisammen haben. „Auch dann kann man sich eine schriftliche Finanzierungsbestätigung einholen“, erklärt Baumann. Von mündlichen Zusagen oder salopp zugeschickten Kontoauszügen als Finanzierungsnachweis rät der Makler ab. „Immer etwas Offizielles von der Bank einholen“, lautet seine Devise.

Der Kniff mit dem Grundbuch

Ohne Finanzierungsbestätigung sollte niemals ein Termin beim Notar vereinbart werden, rät Baumann. Beim Notar wird der Kaufvertrag von Verkäufer und Käufer unterschrieben. Anschließend setzt der Notar mehrere Abfragen in Gang. Zunächst geht es um die Nachfrage bei der Gemeinde, ob diese ein Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen will. Beantragt wird eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch: Diese ist für die Käuferseite wichtig, damit der Verkäufer als Noch-Eigentümer im Grundbuch keine Änderungen mehr vornehmen kann − etwa ein lebenslanges Wohnrecht, Wegerechte, anderweitige Nutzungsrechte eintragen oder gar das Haus mehrfach verkaufen. Nach einigen Wochen schickt der Notar dann die Aufforderung an den Käufer, den Kaufpreis zu zahlen. „In der Regel hat man dann zehn Tage Zeit, das Geld zu überweisen“, sagt Baumann. Passiere das nicht, bekomme der Verkäufer laut den meisten Kaufverträgen einen Vollstreckungstitel.

Hat der Käufer das Geld überwiesen und dieses ist dem Konto des Verkäufers gutgeschrieben − nachdem vorherige Fälligkeiten abgelöst sind, etwa ein noch offener Bankkredit −, muss der Verkäufer dem Notar mitteilen, dass er das Geld erhalten hat. Notfalls könne das auch der Verkäufer machen, sagt Baumann. Erst dann regt der Notar die Umschreibung des Grundbuches an, und der Schlüssel zum neuen Haus kann übergeben werden.

Makler achtet auf einen korrekten Ablauf

An dieser Stelle haben Matthias und Anja Andes im konkreten Fall einen Fehler begangen, wie die Eheleute zugeben. Sie rückten den Schlüssel heraus, bevor sie ihr Geld von den Käufern bekommen haben. Der Makler weiß, dass Kaufnomaden genau darauf spekulieren. Sie setzen auf die Gutgläubigkeit der Verkäufer und erzählen Geschichten, warum sie früher ins Haus möchten, bekommen den Schlüssel vor Entrichtung des Kaufpreises und ziehen ein. Damit sind sie Besitzer, aber nicht Eigentümer. Raus bekomme man sie dann nur noch mithilfe eines Gerichtsvollziehers samt vorherigem Urteil.

„Durch meine Erfahrung achte ich stets darauf, dass das Prozedere eingehalten wird“, sagt Baumann. Zum Schutz der Käufer gebe es vor der Zahlung meist noch mal einen Vor-Ort-Termin, bei dem geschaut wird, ob das Haus noch im selben Zustand ist wie bei der Besichtigung. „Immer erst der Kaufpreis, dann die Schlüsselübergabe. Anders würde ich es niemals tun“, warnt Baumann. Zudem dürfe man sich nie auf das äußere Erscheinungsbild der potenziellen Käufer verlassen. Auch wer beim Besichtigungstermine piekfein angezogen ist und mit einem dicken Auto vorfährt, könne ein Betrüger sein, sagt Baumann.

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