Dahn
Kapuzinerpater aus Dahn: Mutiger Widerstand gegen Hitler
Die Ausstellung ist ein Baustein von vielen, die die Stadt im 140. Geburtsjahr des bekannten Stadtsohnes initiiert hat. Im Sommer wurde sie öffentlich gezeigt, nun ist sie im Schulzentrum angekommen. „Was Ingbert Naab zu sagen hat, hat leider eine hohe traurige Aktualität. So ist diese Ausstellung nicht nur Rückblick, sondern hat einen ganz aktuellen Bezug“, sagte Schulleiter Michael Dürphold bei der kleinen Eröffnungsfeier.
Bereits zwei Jahre vor der Machtergreifung habe Naab damals erkannt, dass Hitlers Weg in die Diktatur führen werde und das auch öffentlich gesagt. „Dafür hat er sein Leben riskiert und die verschiedensten Repressalien in Kauf genommen“, so der Schulleiter. Die Ausstellung, die von einem Arbeitskreis zum Pater-Ingbert-Naab-Jahr konzipiert wurde, beleuchtet das Leben Pater Naabs in all seinen Facetten – als Jugendseelsorger, Christ, früher Warner vor dem Nationalsozialismus und Publizist.
„Wer hat Sie gewählt?“
Neben den Tafeln mit Daten zu Naabs Leben und Wirken gibt es zahlreiche Zitate des Priesters zu lesen. Auch einige Drucke der Zeitung „Der gerade Weg“ sind in Originalgröße zu lesen. Das Blatt veröffentlichte Naabs offenen Brief an Adolf Hitler „Wer hat Sie gewählt?“ und danach auch Leserbriefe dazu, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten. Fromme Christen wünschten dem Kapuzinerpater darin, dass er als Strafe für diesen Brief in der Hölle schmoren möge.
Eindrucksvoll festgehalten sind auf einer Tafel die Zehn Gebote und darunter Naabs Erläuterung dieser mit Blick auf den Nationalsozialismus. Naab schrieb dazu: „Wenn die Deutschen die Zehn Gebote vor Augen hätten, dann besäßen wir den glänzendsten Staat der Weltgeschichte.“
Pater hatte die Nazis früh durchschaut
Eindrucksvoll zeigt die Ausstellung anhand von chronologisch geordneten Zitaten, wie frühzeitig Naab den Nationalsozialismus durchschaut hatte. Von April 1924 ist von ihm folgendes Zitat bekannt: „Wir gratulieren der kommenden Menschheit zu diesem völkischen Staat! Da war die alte Sklaverei noch eine humane Einrichtung.“ Im Oktober 1924: „Die völkische Bewegung ist … das Sammelbecken der großen politischen Naivität geworden. Die zerstörerischen Menschen und die Naiven werden gemeinsam das große Unglück heraufführen.“ Im Jahr 1930: „Jetzt hat die Masse nicht mehr mitzuarbeiten und mitzudenken. Jetzt heißt es nur mehr: Gehorchen, die Hacken zusammenklappen und strammstehen! Einer denkt! Einer befiehlt! Ja, wo sind wir denn? Haben wir wirklich unseren ganzen Verstand verloren?“ Und bereits 1933 erkannte er den drohenden Untergang: „Wenn diese Leute weiterregieren, dann kommt es zum Krieg. Dann ist mir klar: Wir werden ein bettelarmes Volk werden.“
Naab nannte die von Adolf Hitler in „Mein Kampf“ formulierten rassistischen Gedanken öffentlich „das Handbuch der Demagogie“, das außerdem eine Unvereinbarkeit mit den Zehn Geboten darstelle.
In den kommenden Wochen werden alle Klassen der Realschule plus die Ausstellung besuchen und am 4. November wird es einen Demokratietag mit Schwerpunkt Pater Ingbert Naab geben.