Dahn
Kaplan Chandra Nudurupati verlässt die Pfalz
Seit sechs Jahren ist Chandra, wie ihn alle nennen, in der Pfarrei Heiliger Petrus in Dahn. Davor war er vier Jahre in Deidesheim. Er habe früher eigentlich nie darüber nachgedacht, eine Zeit lang in Deutschland Dienst zu tun. „Es war am 19. Oktober 2010, als mein Heimatbischof mich anrief und fragte, ob ich nach Deutschland gehen möchte“, erinnert sich der Kaplan, als sei es gestern gewesen. Er war auf dem Rückweg vom Bahnhof, wohin er Gäste einer Hochzeit gebracht hatte. „Innerhalb von zwei Minuten war alles entschieden, ich hab sofort Ja gesagt“, erzählt Chandra Nudurupati lachend.
Normalerweise habe man zwei Tage Bedenkzeit, aber die brauchte er nicht. „Wenn der Bischof selber dich fragt, ob du ins Ausland gehen möchtest, ist das eine Ehre“, sagt er. Für einen Aufenthalt in den USA könne man sich melden, aber für das Bistum Speyer suche der Bischof die Kandidaten immer persönlich aus. Der Bischof war selber als Kaplan in Ramstein gewesen und habe immer noch guten Kontakt nach Speyer, berichtet Nudurupati.
Erster Einsatz bei der Kerweeröffnung
An seine ersten Eindrücke im neuen Land erinnert er sich auch noch gut: die großen Autobahnen, mit wenigen Autos darauf, die schönen Dörfer, aber ohne Menschen auf den Straßen. „In Indien findet das Leben auf den Straßen statt, da war ich zuerst mal irritiert, weil ich gar nicht wusste, wo man die Leute findet“, sagt der Priester. Die Kerweeröffnung in Forst war sein erster Einsatz, und zum ersten Mal im Leben habe er Frauen mit Weingläsern gesehen, die sich in aller Öffentlichkeit zuprosten. „Ich komme auch aus einer ländlichen Region, aber so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen. Da habe ich verstanden, dass hier so manches anders läuft“, erzählt Nudurupati lachend.
Über Frauen in der Kirche habe er in den vergangenen zehn Jahren einiges gelernt. „Mir sind viele Frauen mit Charisma begegnet, die sich in der Kirche einbringen und einen unverzichtbaren Dienst leisten. Da gab es Frauen, zu denen sind die Leute eher zum Gespräch gekommen, als zu den Priestern. Das kennt man so in Indien nicht, dort macht alles der Priester.“ Das Engagement der Frauen habe ihn beeindruckt, und diesen Impuls will er für seine Arbeit mit nach Hause nehmen. Genauso wie Erkenntnisse über die Organisation der Messdienerarbeit und der Verwaltung.
Europäische Frauen zu Diakonen weihen
Seine Meinung zur Diakonenweihe der Frau hat Nudurupati nach eigenen Worten grundlegend geändert. „In Indien wäre das zum jetzigen Zeitpunkt undenkbar, aber die Kirche in Europa braucht die Frauen.“ Die leeren Kirchen werde es in 30 Jahren auch in Indien geben, ist er überzeugt. Deshalb wolle er seine Erfahrungen, die er in der pastoralen Arbeit in Deutschland gemacht hat, schon heute in seiner neuen Pfarrei einfließen lassen. In Perecherla, einer Pfarrei mit fünf Gemeinden, vier Kirchen und etwa 4000 Katholiken im Südosten Indiens wird er in Zukunft tätig sein.
Vermissen werde er die deutsche Pünktlichkeit und den Luxus in Form von Krankenversicherungen, fließendem Wasser und Strom aus der Steckdose. Seine Kontakte und Freundschaften mit den Pfälzern wolle er auf jeden Fall weiter pflegen – auch auf die Entfernung.
Während der schlimmsten Corona-Zeit, als die Gottesdienste in Deutschland ausgesetzt waren, hat sich Nudurupati in die Materie der Streaming-Gottesdienste eingearbeitet. Solche Gottesdienste wolle er auch von Indien aus weiter halten, „damit ich etwas mit der Sprache in Übung bleibe“. Einmal im Jahr will er für vier Wochen als Urlaubsvertretung zurückkommen. Das gebe ihm Gelegenheit, seine Gesundheits- und Patenschaftsprojekte mit dem Freundeskreis weiter voranzubringen. „Hier habe ich viel Hilfe und Zuwendung erfahren, für die ich sehr dankbar bin und mit denen ich in Indien für die Menschen etwas aufbauen kann.“
Die Entscheidung, nach Indien zurückzugehen, habe er sich nicht leicht gemacht. Im täglichen Gebet und während der Meditation versuchte Nudurupati zu verstehen, was sein Gott von ihm will. Das entspricht seinem Lebensmotto: „Tut, was er euch sagt“ – ein Satz aus dem Johannesevangelium. „Als es dann entschieden war, habe ich gemerkt, wie gut es mir damit geht, wie ich mich entspanne, und da wusste ich, es ist richtig, zurückzukehren.“
Er freue sich darauf, nun nach zehn Jahren Assistenz als Kaplan eigenverantwortlich zu arbeiten. „Ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich hier machen durfte, und vor allem für die Menschen, die mich begleitet und immer unterstützt haben“, meint der Priester. Den Angehörigen seiner Pfarrei wünsche er für die Zukunft, sie mögen nicht aus dem Blick verlieren, dass das Christentum eine Religion der Gemeinschaft sei. „Man kann zwar auch zu Hause für sich beten, aber wenn die Christen zusammenkommen und gemeinsam beten und Gottesdienst feiern, dann entfaltet das eine ganz anderer Kraft“, glaubt Chandra Nudurupati.
Spenden
Spenden für das Kinderhilfsprojekt Ravipativaripalem von Kaplan Chandra Nudurupati sind willkommen: katholische Kirchenstiftung St. Ulrich Deidesheim, Verwendungszweck: Patenschaft Schulprojekt Indien, Iban: DE26 5465 1240 0004 6234 50. Weitere Fragen beantwortet das katholische Pfarramt in Dahn oder Kaplan Chandra Nudurupati per E-Mail an nnn.nchandra@yahoo.co.in.