Erlenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Künftiges Dorf-Café kommt gut voran

Bauherr Dirk Eichberger mit den gerade eingesetzten renovierten Klappläden.
Bauherr Dirk Eichberger mit den gerade eingesetzten renovierten Klappläden.

Fleißig gearbeitet wird am Hedwigshaus in Erlenbach. Das geschichtsträchtige Haus hat Ortsbürgermeister Dirk Eichberger vor zwei Jahren erworben und baut es gerade zu einem Dorf-Café um. Dabei hat er nun eine rätselhafte alte Steinplatte entdeckt.

Die Corona-Pandemie konnte den agilen Bauherrn bisher offenbar nicht bremsen. Bei einem Rundgang am Anwesen zeigt Dirk Eichberger, was sich seit vorigem Jahr verändert hat. „Den ehemaligen Garten an der Nordseite haben wir total umgekrempelt“, erklärt er. Eine neue Stützmauer aus Sandstein wurde an der Bergseite errichtet, die Hälfte der Fläche mit Rasen eingesät. Die andere Hälfte wird noch mit Splitt geebnet. Hier soll ein Biergarten entstehen. Damit es gemütlich wird, hat er schon mal zwei Nussbäume in die Mitte gepflanzt. An der Einfriedung zur Straße hin sprießt frisches Grün des neuen lebenden Zaunes. Die hofseitige Sandsteinmauer hat André Mertel versetzt und erneuert. So wurde Platz geschaffen für einen behindertengerechten Eingang.

Dach komplett erneuert, Innenräume saniert

Am Gebäude selbst wurde über Winter das Mansardenwalmdach komplett erneuert und mit Biber eingedeckt. Spenglerarbeiten wurden erledigt und die alten Dachgauben hergerichtet. Der Außenputz wurde komplett erneuert und mit gelbem Farbanstrich versehen. Nach Entfernen des alten Putzes wurden schadhafte Sandsteinquader ergänzt. Als Ecklisenen betonen sie jetzt optisch die Gebäudekanten der Fassaden. Den Planern und Peter Martini vom Denkmalschutz der Kreisverwaltung ist damit ein architektonischer Effekt gelungen. „Mit dem Denkmalschutz arbeiten wir prima zusammen und sprechen uns ständig über Details ab“, sagt der Bauherr. Zusammen mit den erneuerten Klappläden ist das Hedwigshaus äußerlich schon jetzt wieder eine Augenweide.

Die Innenräume hat Eichberger mittlerweile teilentkernt und saniert. Die neuen Grundrisse und Raumaufteilungen sind bereits geschaffen. Dabei soll möglichst alles Alte erhalten bleiben. Die Rohbauinstallation ist montiert, die Toilettenanlage im Erdgeschoss nimmt langsam Gestalt an. Der Grundriss fürs Café ist ebenfalls hergestellt und die neue Tür zum Biergarten montiert. Das erste Obergeschoss hat neue Fenster in den Gauben und ein Rauchabzugsfenster im Treppenhaus erhalten. Hier werden gerade Brandschutzforderungen umgesetzt. Das Dachgebälk aus Eichenholz wurde saniert, im Dachgeschoss Lager-, Technik- und Heizraum geschaffen. Die Nasszellen in den künftigen Fremdenzimmern befinden sich im Rohbau.

Alte Inschrift entdeckt

Beim Entfernen des Putzes im Erdgeschoss gab es eine Überraschung. Auf der Rückseite einer Mauernische kam eine Sandsteinplatte mit Inschrift zutage. Die Schrift ist teils schlecht zu entziffern. Das Hauptproblem: Das rechte Drittel der Platte fehlt. Folgender Text konnte entziffert werden, wobei die fehlenden Stellen (in Klammer gesetzt) vorsichtig und sinngemäß ergänzt wurden: „Anno XII MDCC (…?) - Alß Ihro Churfirstliche zu Pfa(lz das Amt Berwartstein) - denen Freyherren von W(aldenburg lehnten, wurde auch) - Ihne dieser orth und das (Schloß übergeben. Doch waren) - anbey Die Unterthanen (dieser Herrschaft) - in einem recht betriebt und sehr (schlimmen Zustand) - man suchet daher andere milltere (neue Herren) - da vecht gott durch dhat und O(bsorge) - auch unß In Diß Freyherrn von (Waldenburg Besitz) - und dessen all Vormünders p meinung (so dass wieder) - alles geheilet und Hergestellet word(en ist).“

Rätsel bleiben

Die Textergänzungen in den Klammern sind Interpretationen des Chronisten, welche sich aus den historischen Begebenheiten erschließen. Trotzdem gibt die Inschrift Rätsel auf. Wer hat sie einmal anfertigen lassen, wann und zu welchem Zweck? Schon die Jahresangabe ist ungewöhnlich. Genau hinter dem MDCC (1700 ?) befindet sich die Bruchstelle, womit die Jahreszahl unvollständig genannt wird. Die römische Zwölf vor der Jahreszahl ist eigentlich deplatziert. Erklärbar wäre sie für die Zeit der Französischen Revolution. Um den christlichen Kalender den Garaus zu machen wurde damals ein eigener Revolutionskalender verordnet, beginnend mit dem Jahr 1792. In deutschen Amtsstuben hat man manchmal beide Zeiten nebeneinander genannt, also neuer Revolutionskalender und den bisher gebräuchlichen. In diesem Fall wäre die Angabe „das 12. Jahr der Französischen Republik“ (= 22.9.1803 bis 21.9.1804), dahinter in römischen Ziffern MDCCCIV (1804).

Wechselvolle Geschichte

Bis zum Dreißigjährigen Krieg war die Kurpfalz Eigentümer von Burg und Amt Berwartstein. 1641 verlieh Kaiser Ferdinand III. den Besitz an Freiherr Gerhard von Waldenburg. Ende des 18. Jahrhunderts verwaltete der Erlenbacher Schultheiß Franz Josef Dahm den Besitz für den Freiherrn. Als die Revolutionäre ins Land zogen, flohen die Feudalherrn und ihre Amtsleute. Dahm emigrierte mit Familie nach Mannheim. Der pfälzische Besitz wurde von der Nation beschlagnahmt und mit der Versteigerung begonnen. Dagegen legte Dahm Beschwerde ein. Im Namen der Freiherrn kämpfte er um die Aufhebung der Beschlagnahme, welche er 1804 erreichte. Wenige Monate später ging der Besitz mit Burg und Berwartsteiner Hof absprachegemäß und notariell an Dahm über. Die Formulierung im Text „auch unß in dis Freyherrn Besitz“ zeigt eindeutig, dass Dahm der Auftraggeber für den Stein war. Anlass dürfte die Beendigung des jahrzehntelangen Streites um den Besitz gewesen sein. Die Platte mit dem profanen Text zierte wahrscheinlich einmal die Außenwand eines herrschaftlichen Hauses. Als solches ist damals im Dorf nur das Kellereihaus am Berwartsteiner Hof bekannt. 1809 verließ Schultheiß Dahm diesen Hof, verpachtete ihn und errichtete 1810 das Hedwigshaus, wo die Platte nun eine Zweitverwendung fand.

Der heutige Bauherr Dirk Eichberger möchte die Steinplatte erhalten und an exponierter Stelle am Hedwigshaus präsentieren. Da die Arbeiten gut voranschreiten, plant er mit der Eröffnung des Dorf-Cafés bis zum 1. Mai 2021.

Rätsel gibt diese alte Inschrift auf.
Rätsel gibt diese alte Inschrift auf.
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