Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Käshofen: Aufgelöster Kinderchor feiert am Sonntag trotzdem Jubiläum

Neben Konzerten auf Weihnachtsfeiern – etwa in Sankt Martin – nahm der Chor auch an etlichen Fastnachtsumzügen teil. Jedes Jahr
Neben Konzerten auf Weihnachtsfeiern – etwa in Sankt Martin – nahm der Chor auch an etlichen Fastnachtsumzügen teil. Jedes Jahr bastelte die Gruppe dafür eigens einen neuen Motivwagen. Eine Arbeit, die insbesondere Günter Schäfer, dem Ehemann von Erika Schäfer, zu verdanken ist. Foto: Schäfer

Erika Schäfer ist stolz auf ihre Kinder. Auf alle 70. „Aus allen Kindern ist etwas geworden. Keiner von ihnen ist auf die schiefe Bahn gekommen“, erzählt sie. Es sind nicht ihre eigenen Kinder, sondern die Mitglieder des Käshofer Kinderchores. Der hat sich vor fast 15 Jahren aufgelöst. Aber am Sonntag, 10. November, gibt es ein großes Wiedersehen.

Anlass ist ein Jubiläum: Vor 40 Jahren hat sich der Kinderchor gegründet. Bekannt war er für seinen Gesang, aber auch für sein soziales Engagement. Das Jubiläum morgen ist ein Zusammentreffen, das melancholisch werden lässt. Über 26 Jahre lang trafen sich in Käshofen Generationen von Kindern zum gemeinsamen Singen, Musizieren oder einfach nur, um zusammen Spaß zu haben. Der Kinderchor war eine feste Institution in der Gemeinde. Doch 2005 war Schluss. Es fehlte einfach an Nachwuchs.

Am Sonntag werden sich viele von ihnen nun wiedersehen. Dann feiert der Kinderchor Käshofen den Jahrestag seiner Gründung vor 40 Jahren. Von Anfang an mit dabei: Chorleiterin Erika Schäfer. Schon 1976 war sie Gründungsmitglied des Erwachsenen-Chors Germania, seit 1979 dessen Chorleiterin. Der erste größere Auftritt ließ nicht lange auf sich warten: Bei der 800-Jahrfeier der Gemeinde standen die Gesangsfreunde erstmals gemeinsam auf einer großen Bühne. Als Erika Schäfer 1979 ihre Prüfung zur Chorleiterin beim Sängerbund der Pfalz abgeschlossen hatte, kam ihr die Idee eines Kinderchores.

Lange der einzige Kinderchor im Zweibrücker Land

Dabei waren die Startbedingungen alles andere als einfach. „Anfangs hatten wir nicht einmal einen Raum zum Proben. Später sind wir in den Tanzsaal ausgewichen“, erinnert sich Schäfer. Begonnen hat der Chor mit 16 Kindern. Doch schnell entwickelte er sich zu einem Treffpunkt für Jugendliche, der über die Dorfgrenzen hinaus bekannt wurde. „Wir waren damals sehr gefragt. Wir sind beispielsweise fünf Jahre hintereinander in Schwarzenbach aufgetreten, da es dort schon keinen Chor mehr gab“, sagt die heute 72-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Kinderchor sei lange Zeit der einzig verbliebene im Zweibrücker Umland gewesen.

Mehr als 30 Kinder waren es zeitweise, die bei Proben und Auftritten mitwirkten. Zwei Gruppen für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 14 Jahren wurden von Erika Schäfer betreut. Rund sieben Auftritte hatte der Chor im Durchschnitt pro Jahr. Neben Konzerten auf Weihnachtsfeiern – etwa in Sankt Martin – nahm der Chor auch an etlichen Fastnachtsumzügen teil. Jedes Jahr bastelte die Gruppe dafür eigens einen neuen Motivwagen. Eine Arbeit, die insbesondere Günter Schäfer, dem Ehemann von Erika Schäfer, zu verdanken ist. Er war jahrelang verantwortlich für die Bühnenbilder bei Auftritten des Chores. Ein ganz besonderer Höhepunkt in der Geschichte des Vereins: 1989, zum zehnjährigen Bestehen, fand in Käshofen ein großer Umzug durch die Gemeinde statt, an dem die Kinder gemeinsam mit französischen Chören teilnahmen.

Irgendwann fehlte der Nachwuchs

In über 26 Jahren in denen der Chor bestand, betreute Schäfer insgesamt rund 70 Kinder. Das Ende im Jahr 2005 traf die Chorleiterin hart. „Leider haben wir keinen Nachwuchs mehr gefunden. Kinder interessieren sich heute für andere Sachen, singen steht da nicht mehr an erster Stelle. Aber alles hat eben seine Zeit“, so die Käshoferin. Aus Schäfers Sicht ist das doppelt schade. Denn der Chor hatte auch eine erhebliche soziale Komponente. So waren die Käshofer in regelmäßigem Austausch mit Pirmasenser Pflegekindern und kümmerten sich um sie. Auch gemeinsame Ausflüge, etwa in den Freizeitpark nach Tripsdrill, unternahm die Gruppe regelmäßig. „Aus allen Kindern ist etwas geworden. Keiner von ihnen ist auf die schiefe Bahn gekommen“, erzählt Schäfer.

Auch wenn der Jugendchor nicht mehr besteht, ist das für Schäfer kein Grund, sich ihrem Rentnerdasein hinzugeben. Auch heute singt sie noch zweimal wöchentlich in verschiedenen Chören, unter anderem im Germania-Chor, der immer noch existiert. Schon über 35 Jahren spielt sie zudem Theater.

Umso mehr freut Schäfer sich, dass sie am Sonntag viele alte Gesichter wiedersehen wird. „Einige haben mittlerweile selbst schon Kinder, die auch mitkommen werden. Schön, sich nach so langer Zeit wieder zu treffen“, sagt Schäfer. Um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen, werden zahlreiche Bilder auf Leinwänden ausgestellt, die die Historie des Chors noch einmal Revue passieren lassen.

Info

Der Kinderchor Käshofen feiert den 40. Jahrestag seiner Gründung mit einer kleinen Feier am Sonntag ab 10.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus.

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