Contwig / Zweibrücken
John Deere wirbt um Contwiger Gesamtschüler
„Mir war es schon immer ein großes Anliegen, die Schulabgänger zu fragen, was sie denn jetzt machen“, sagt IGS-Direktor Thomas Höchst bei der Pressekonferenz zur neuen Kooperation mit John Deere am Freitagvormittag. Die Hoffnung ist, dass künftig mehr IGS-Schüler Interesse an einer Beschäftigung in dem Zweibrücker Werk haben. John Deere will mit mehreren Projekten direkt mit den Schülern in Kontakt treten.
Die Idee zu der Kooperation stammt von Devin Bach. Er ist ehemaliger IGS-Schüler, arbeitet mittlerweile bei John Deere und ist Mitglied des Gleichstellungs-Programms. Besonderer Fokus des Teams liegt dabei auf der Einbindung von Frauen in das Industrieunternehmen. „ Wir hätten gerne 50 Prozent Ingenieurinnen“, sagt Horst Schiemann, Personalchef beim Zweibrücker John-Deere-Werk. Allerdings sind Frauen auf dem technischen Arbeitsmarkt noch immer rar gesät, auch hier soll der neue Kooperationsvertrag mit der Schule eine Änderung bewirken.
Am Nachmittag mit dem Mähdrescher fahren
IGS und John Deere haben beschlossen, dass das Unternehmen künftig IGS-Schüler bei Schulpraktika bevorzugt annimmt, ebenso sollen Mädchen der IGS am sogenannten „Girls Day“ animiert werden, sich das Zweibrücker Werk für eine mögliche Karriere anzuschauen. Weiter gibt es den Beschluss, dass John-Deere-Mitarbeiterinnen in die Gesamtschule kommen und Schülerinnen von ihrem Job erzählen. Und die Firma wird bei den Berufsinformationstagen der Schule einen festen Platz einnehmen.
Ganz neu ist, dass John Deere eine eigene Arbeitsgemeinschaft an der IGS einführen will. Direktor Höchst verweist in diesem Zusammenhang auf das Ganztagsprogramm der Schule. Über 350 Kinder bleiben nachmittags in der Schule, die Arbeitsgemeinschaften spielen dabei eine große Rolle. Auch für John Deere, so Schiemann, ist die Arbeitsgemeinschaft etwas ganz neues. Der Personalchef sagt, dass sich seine Mitarbeiter regelrecht drum reißen, in die Schule zu gehen und die Arbeitsgemeinschaft mit Leben zu erfüllen. Es gibt viele Ideen, was mit den Schülern gemacht werden soll: Bewerbungstrainings, Vorstellung des Unternehmens und Gespräche über den Wandel in der Landwirtschaft. Es gibt aber auch den Plan, dass die Schüler selbst mal mit den Mähdreschern mitfahren dürfen. „Einfach um zu zeigen, was wir überhaupt herstellen“, sagt Schiemann.
Jedes Jahr weniger Auszubildende
Natürlich hofft John Deere, mit der neuen Kooperation langfristig für mehr Auszubildende im Werk zu sorgen. „Wir merken, dass die Zahl der Azubis von Jahr zu Jahr geringer wird“, sagt Schiemann. Ebenso zeigten die Azubis immer schlechtere Qualifikationen, „sowohl vom Wissen als auch den Sozialkompetenzen“. Schiemann verweist jedoch darauf, dass 95 Prozent aller John-Deere-Azubis nach der Ausbildung übernommen werden.
Höchst ergänzt, dass mit der Kooperation auch Schülern die Möglichkeit auf einen Beruf gegeben wird, die es sonst sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt hätten. Der IGS-Schulleiter sagt, dass sich seine Schule darauf verschrieben habe, Kinder mit einer Lernschwäche aufzunehmen. Für diese Schüler gebe es das Modell des Praxistages. Das heißt, dass sie über einen längeren Zeitraum einen Tag in der Woche in einem bestimmten Unternehmen arbeiten. Dabei können sie laut Höchst zeigen, dass eine gute Arbeit nicht unbedingt von guten Schulnoten abhänge. Auch die Aufnahme von Praxistags-Schülern ist im Kooperationsvertrag festgeschrieben.