Dahn
Interview: Welche Themen stehen in der Stadt 2021 an?
Herr Zwick, Sie verweisen in Ihrem Jahresrückblick darauf, dass viele Vorhaben auf Grund der Pandemie nicht oder nur langsam vorankamen. Welche wurden dadurch behindert, aufgeschoben oder sind gestorben?
Auf Grund der Kontaktbeschränkungen sind Projekte wie zum Beispiel die Neugestaltung des Gerstelparks, der Runde Tisch für Handel und Gastronomie oder die Einführung eines Ehrenamtstages, welche wir mit Bürgerbeteiligung erarbeiten wollten, noch auf Eis gelegt. Weitere Vorhaben wie beispielsweise die Umnutzung der Gaststätte Zum Jungfernsprung oder die Neugestaltung der Hauensteiner Straße gehen langsamer voran, als mir persönlich lieb ist. „Gestorben“ ist allerdings noch kein Projekt.
Welche Eilentscheidungen haben Sie wegen Corona getroffen?
Eilentscheidungen im juristischen Sinne waren nicht nötig, da der Stadtrat 2020 trotz vieler Widrigkeiten tagen konnte. Mit dem Haus des Gastes steht uns ein großer Saal zur Verfügung, in dem die Abstände bei einer Ratssitzung, besser als vorgeschrieben, eingehalten werden konnten. Durch seine große Raumhöhe ist auch die Beachtung von Frischluft kein Problem. So konnten fast alle Sitzungen unter Hygieneauflagen abgehalten werden und Entscheidungen gemeinsam beschlossen werden.
Bleibt es bei der geplanten Eröffnung der neuen kommunalen Kindertagesstätte im Oktober?
Nach wie vor ist es unser Ziel, die Kindertagesstätte im Oktober zu eröffnen. Abhängig davon ist, inwieweit die Gewerke Hand in Hand arbeiten können, ohne dass es zu längeren Unterbrechungen kommt. Auch ein Stillstand von Bauarbeiten würde eine Verzögerung der Eröffnung bedeuten. Bislang gibt es dafür jedoch keine Gründe. In den nächsten Wochen werden weitere Entscheidungen für den Innenausbau getroffen, damit das Planungsbüro schnellstmöglich weiter agieren kann.
Wie erklären Sie sich die Kostensteigerung gegenüber der Planung und wie soll dies kompensiert werden?
Im Bausektor herrscht nach wie vor eine sehr hohe Nachfrage, was somit die Preise hochhält. Wir haben einiges nachträglich eingeplant, wie zum Beispiel die komplette digitale Vernetzung des Gebäudes, einen verbesserten Schallschutz, Barrierefreiheit und kleine Änderungen an der Turnhalle. Einen Teil der zusätzlichen Kosten können wir durch die Werke kompensieren, da im Gebäude ein Blockheizkraftwerk betrieben werden soll und die Stadt einen finanziellen Ausgleich für den zur Verfügung gestellten Raum bekommt.
Im Sommer soll feststehen, wer die neuen Bauplätze in der Pirminiusstraße erhält. Stehen die Details zum Vergabeverfahren schon fest und wie steht es um den weiteren Bedarf an Bauplätzen?
Die Nachfrage an Bauplätzen und Industrieflächen aller Art ist in Dahn sehr groß, weswegen wir in den nächsten Wochen darüber beraten werden, wie die Vergabekriterien für die Pirminiusstraße aussehen sollen. Es ist mir wichtig, die Kriterien transparent und diskriminierungsfrei den Bürgern gegenüber darzulegen. Parallel dazu müssen wir dringend weiteres Bauland erschließen, um denjenigen, die jetzt keinen Bauplatz erhalten, ein Angebot bieten zu können.
Lassen Sie uns noch über das Thema Verkehr sprechen: Wie beurteilen Sie die Zuschussmöglichkeiten des Landes für die Entlastungsstraße, nachdem die Verkehrszahlen laut aktuellem Gutachten gesunken sind?
Das ist die politisch spannendste Frage für 2021. Die Sachbearbeiter der Verbandsgemeinde und das Planungsbüro erstellen zurzeit die Unterlagen mit allen Gutachten und Plänen für den Zuschussantrag. Dann werden wir sehen.
Gibt es Alternativen?
Die gibt es immer. Wir müssen allerdings erst einmal abwarten, welche Fakten wir auf dem Tisch haben werden, und anschließend über diese beratschlagen. Dann erst kann eine Entscheidung getroffen werden.
Gibt es schon eine Lösung für die schwierige Umleitungssituation beim Ausbau der Schillerstraße?
Mit der unteren Naturschutzbehörde haben wir alle Möglichkeiten erörtert, welche Möglichkeiten sich bieten, den Verkehr während des Ausbaus der Schillerstraße umzuleiten. Wir haben uns letztendlich für die Variante über den Büttelwoog, Rotsteigbrunnen, Reitstall der Verkehrsumleitung entschieden. Näheres dazu werden wir im Februar auf einer Einwohnerversammlung bekannt geben.
Eine weitere Arztpraxis musste zum Jahresende schließen. Sie favorisieren ein Ärztehaus in Dahn. Wie soll das realisiert werden? Zumal es bereits für Bruchweiler dazu Planungen gibt seitens der Verbandsgemeinde.
Kurzfristig betrachtet brauchen wir dringend eine Lösung für die ärztliche Versorgung im Wieslautertal und Sauerbachtal. Durch die Schließung einer weiteren Praxis in Dahn verschärft sich die Situation nochmals. Bei einer gesamten und mittelfristigen Betrachtung der Thematik wird schnell deutlich, dass wir über das gesamte Versorgungsgebiet der Kassenärztlichen Vereinigung (VG Hauenstein/VG Dahner Felsenland) sprechen müssen. Weitere Praxisschließungen werden folgen, die Probleme sind überall die gleichen. Hier wird schnell klar, dass die Stadt Dahn als Mittelzentrum der geeignetere, gut erreichbare und auch wirtschaftlichere Standort für ein Ärztehaus ist. In Dahn befindet sich mit Schwimmbad, Schulzentrum mit Gymnasium, Grundschule, zwei Kindertagesstätten mit Krippen- und Hortplätzen, schnellem Internet, Bauplätzen – auch für künftige Ärzte – eine hervorragende Infrastruktur, um sich niederzulassen. Der stationäre Handel in Dahn würde durch die Kunden eines Ärztehauses zusätzlich profitieren. Für die Bürger in den umliegenden Ortsgemeinden könnten Außenstellen in leerstehenden oder vorhandenen Praxen entstehen. Eine weitere Idee wäre, einen Abholservice einzurichten. Wichtig ist mir, die Ärzte des Felsenlandes in die Planungen mit einzubeziehen, um die optimale Lösung für alle zu erzielen. Die Gespräche sind seitens der Stadt in vollem Gange.
In Hauenstein hat kürzlich eine junge Ärztin eine Praxis eröffnet, die auch schon in Dahn praktiziert hat. Konnte man sie nicht für Dahn gewinnen?
Diese Ärztin war in Dahn in einer Arztpraxis angestellt und hat sich nun in Hauenstein selbstständig gemacht. Die Gründe für den Wechsel nach Hauenstein sind mir nicht bekannt. Ich bin froh, dass sie in unserer Region geblieben ist, das ist es, was zählt. Sie trägt damit auch zu einer Entlastung der Dahner Praxen bei.
Herr Zwick, Hand aufs Herz. Was lief bei der Umfunktionierung der ehemaligen Gaststätte Zum Jungfernsprung zur Bücherei und Stadtarchiv schief? Seit über einem Jahr ist dies Thema, nun gibt es Probleme mit dem Zuschuss. Wie geht es weiter?
Da ist vieles zusammengekommen. Gründe sind unter anderem die langwierige Bearbeitung und schließlich die Rückgabe des Auftrages seitens des Planungsbüros, Wechsel der Verantwortlichen und zusätzlich die aufgrund der Corona-Pandemie schleppende Austauschmöglichkeit und Kommunikation. Wir müssen uns der neuen Situation stellen und über Alternativen nachdenken und beraten. Leider unter Zeitdruck, da der Zuschuss nur noch bis Mai beantragt werden kann.
In diesem Zusammenhang hat Otmar Weber angeboten, sein Archiv über das Judentum der Stadt zur Verfügung zu stellen. Ist dies vom weiteren Verlauf des Bücherei-Stadtarchiv-Projekts abhängig? Oder sehen Sie dafür auch andere Möglichkeiten, besonders im Aktionsjahr 2021 „1700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland“?
Die Entscheidung hängt ganz davon ab, ob nun eine neue Bücherei gebaut wird oder nicht, was somit Räumlichkeiten bieten würde. Ich hoffe, wir finden eine Lösung, mit der jeder zufrieden sein kann.