Kreis Südwestpfalz „Inklusion nicht nur in Schulen“

Placeholder-Image

Den Prozess der Inklusion aktiv zu begleiten, dazu verpflichtet sich das Ökumenische Gemeinschaftswerk in seinem Leitbild. Jetzt legte es eine erste umfassende Inklusionsbilanz vor. Diese zeigt, welche Erfolge die vielfältigen Aktivitäten und Projekte inzwischen verbuchen können. Sie verschweigt aber auch nicht die immer noch bestehenden Hürden und Hindernisse.

„Oft wird der Begriff Inklusion nur im Zusammenhang mit Schulen gesehen, dabei erstreckt er sich auf alle Bereiche des Lebens“, betont Geschäftsführer Karl-Hermann Seyl: „Dem möchten wir gerecht werden. Wir haben vielfältige Bezüge zu Menschen, deren Situationen so unterschiedlich sind wie ihr Alter. Wir wissen um ihre Wünsche und Bedürfnisse. Unser Gemeinschaftswerk hat ein Netzwerk geknüpft. Wir kooperieren mit Vereinen, Initiativen, Unternehmen und Kirchengemeinden.“ Dies seien wichtige Verbindungen, die es ermöglichten, die Angebotspalette weiter wachsen zu lassen. „Wir machen uns schon lange für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen stark und richten danach unser Angebot aus“, sagt Seyl: „Durch die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 hat das Thema Inklusion neue Kraft bekommen.“ Die Inklusionsbilanz berichtet mit Zahlen aus den Jahren 2011 bis 2013, mit welchen Aktivitäten das Gemeinschaftswerk versucht, beeinträchtigte Menschen ins gesellschaftliche Leben einzubeziehen – von klein auf. So vermeldet der heilpädagogische Kindergarten der Reha Westpfalz nach seiner Umwandlung 2011 in eine integrative Kindertagesstätte Erfolge: 70 Kinder wurden in örtliche Kindergärten integriert, 23 in einer Regel- oder Schwerpunktschule eingeschult. Die Förderschulen des Gemeinschaftswerks in Landstuhl und Zweibrücken, die aktuell von 205 Schülern besucht werden, treiben die Inklusion auch durch außerschulische Aktivitäten und Zusammenarbeit mit Vereinen und Bildungseinrichtungen voran. Zudem werden Integrationsassistenten an Regelschulen vermittelt, um dort Kinder zu unterstützen. Allerdings habe die inklusive Beschulung auch ihre Grenzen. Von 2008 bis 2013 seien sechs Schüler aus Regelschulen in den Förderschulen des Gemeinschaftswerks aufgenommen worden. Für Kinder bis 18 Jahre hält das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) in Landstuhl mit Frühförderung von der Untersuchung bis zur Behandlung ambulante Hilfsangebote bereit, die pro Jahr von 2083 Familien genutzt werden. Spezielle Maßnahmen sollen dabei helfen, möglichen Handicaps präventiv zu begegnen. Darüber hinaus unterstützt das SPZ beeinträchtigte Kinder in Regel-Kitas und -schulen. Dadurch ist es gelungen, 130 Kinder in einen Kindergarten ihres Wohnumfelds zu integrieren. In den Tagesförderstätten mit insgesamt 232 Plätzen werden schwer beeinträchtigte Menschen im Sinne der Inklusion verstärkt und mit mehr Verantwortung in Arbeitsabläufe einbezogen. Auch hier beteiligen sich externe Partner am Bildungsangebot, das im Jahr 2012 von 19 Personen genutzt wurde. Die Werkstätten des Gemeinschaftswerks, in denen 1534 Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen arbeiten, achten auf eine starke Differenzierung der Arbeitsplätze, um den Möglichkeiten des Einzelnen entgegenzukommen. In Zahlen: Von 2011 bis 2013 hatten 38 Beschäftigte einen Tätigkeitsbereich, der sich stark am allgemeinen Arbeitsmarkt orientiert. 82 Personen absolvierten ein Praktikum in Außenbetrieben, 138 beeinträchtigte Menschen waren im Lauterer Integrationsunternehmen Simotec sozialversicherungspflichtig angestellt, 118 auf externen Arbeitsplätzen eingesetzt. 49 Beschäftigte schafften in diesem Zeitraum sogar den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt. Mittlerweile sei die Zahl auf 60 gestiegen, sagt Seyl: „Das macht uns zum größten Vermittler in Rheinland-Pfalz.“ Allerdings könne nicht jeder Betroffene die Anforderungen erfüllen; daher seien 13 Personen wieder in die Werkstätten zurückgekehrt. Doch dürfe man sich von solchen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Es gelte am Ball zu bleiben und die Fähigkeiten beeinträchtigter Menschen zu fördern. So ist es für die Wohneinrichtungen in Ramstein-Miesenbach, Landstuhl und Kusel oberstes Gebot, die insgesamt 120 Bewohner zu maximaler Selbstständigkeit zu befähigen. Mit dem Resultat, dass seit 2006 sechs Personen vom stationären Wohnen ins ambulante wechselten und vier sogar eine eigene Wohnung bezogen. „Wobei es allerdings nicht leicht ist, barrierefreien, behindertengerechten Wohnraum zu finden“, weiß Seyl. Auch die mobilen Dienste tragen dazu bei, die Eigenständigkeit beeinträchtigter Menschen im Alltag zu stärken. Von 2011 bis 2013 begleiteten sie 59 Männern und Frauen zu Freizeitaktivitäten, derzeit unterstützen sie 15 mehrfach behinderte Personen im ambulanten Wohnen. „Durch Veranstaltungen und Auftritte im sportlichen und kreativen Bereich möchten wir das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit tragen“, sagt Dieter Martin. 2011 zum Inklusionsbeauftragten des Gemeinschaftswerks berufen, setzt er sich auf breiter Ebene für die Belange beeinträchtigter Menschen ein. Die Teilhabe an der Gesellschaft funktioniere nur, wenn man den Betroffenen im Wortsinne den Weg ebne. Deshalb ist er dem Beispiel von Landstuhl und Ramstein gefolgt und hat auch in Weilerbach und Otterbach Arbeitskreise zur Barrierefreiheit ins Leben gerufen. Zudem steht er in engem Kontakt mit externen Institutionen. (juf)

x