WALSHAUSEN / BATTWEILER / CONTWIG / KLEINSTEINHAUSEN RHEINPFALZ Plus Artikel In manchen Dörfern findet man sie noch: Mauersegler, die Düsenjets der Vogelwelt

 Mauersegler ähneln Schwalben, sind aber nicht mit ihnen verwandt.
Mauersegler ähneln Schwalben, sind aber nicht mit ihnen verwandt.

Elegant sausen sie durch die Lüfte. Im Schwarm veranstalten sie regelrechte Flugschauen. Die Mauersegler sind die Düsenjets der Vogelwelt. Trotz großer Ähnlichkeit sind sie nicht mit unseren Schwalben verwandt.

Von Willi Hack

Der Mauersegler ist der König der Lüfte. Er kann bis zu 200 Stundenkilometer schnell fliegen und 700 bis 1000 Kilometer am Tag zurücklegen. Er kann eine Flughöhe bis 3000 Meter erreichen. Der Segler mit einer Flügelspannweite von über 40 Zentimetern ist perfekt an das Leben in der Luft angepasst. Die Mauersegler fressen, koten, schlafen, und paaren sich in der Luft. Nicht zu überhören sind ihre schrillen, langgezogenen Rufe, die keinem Gesang entsprechen sollen.

Nur zum Brüten und zur Aufzucht der Jungen kommen die Mauersegler in den unmittelbaren Lebensraum des Menschen, wo sie unter Dächern, in Mauerritzen, Kirchen, alten Mühlengebäuden, Burgen, Felsnischen oder speziell angebotenen Nistkästen eine Kinderstube einrichten. Die Mauersegler gehören zu den Kolonienbrütern. Ihre Nistplätze sind von außen nicht sichtbar. Nur beim Ein- und Ausflug der Vögel kann man bemerken, dass hier außergewöhnliche Vögel wohnen. Mauersegler können 20 Jahre alt werden. Sie kommen Anfang Mai und verlassen uns bereits wieder früh im August.

Die Mauersegler sind ihrem Brutplatz extrem treu. Jedes Jahr kehren sie absolut verlässlich in einem genau eingehaltenen Zeitfenster zurück. Zu ihrer Brutkammer in der ehemaligen Dorfschule in Battweiler kehren sie jedes Jahr in der ersten Maiwoche zurück. Dies war auch in diesem Jahr so der Fall, aber über eine Woche hinweg waren es nur zwei Vögel, die durch die Lüfte jagten. Für die Vogelkenner des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) im Zweibrücker Land, ein Grund zur Sorge. Seit Jahren zählt die Kolonie in der alten Schule nämlich acht bis zehn Vögel. Hans Göppel vom Nabu hatte erfahren, dass es bei der Anreise der letzten Zugvögel aus Afrika, ab Mitte April, im Mittelmeerraum schlimme Unwetter gab. Durch starke Winde wurden vor allem Schwalben und Mauersegler beim Übersetzen von Nordafrika kommend in Richtung Griechenland abgetrieben. Sie gerieten zudem noch in heftigen Regen und Kälte, was für viele Vögel tödlich endete. Für die geschwächten und gestrandeten Vögel bedeutete es bis zu zwei Wochen Verzögerung bei der Ankunft in ihrem Brutgebiet.

In Walshausen hat der Nabu das ehemalige Stromhäuschen am Ortseingang von Dellfeld kommend vor einigen Jahren in viel Eigenleistung zu einem Vogelhotel verändert. Dort hat man auch Nisthilfen für den Mauersegler angebracht, was der jedoch nicht in dem erhofften Zuspruch annehmen konnte. Möglich, dass ihm die Gebäudehöhe nicht so sehr behagte. Dafür haben viele andere Vogelarten hier eine Heimat für die Aufzucht des Nachwuchses gefunden. Der Vogelkenner Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen hat jedoch die Vermutung, dass die dominanten Dohlen den Mauerseglern den Einzug verwehrt haben. Dies gilt auch für die Schwalben, den Turmfalken und die Schleiereulen. Für diese Vogelarten wurden ebenfalls entsprechende Nistmöglichkeiten geschaffen. Nur der Haussperling hat sich nicht unterkriegen lassen und hat zahlreiche Wohnungen belegt, erläutert Fakundiny. Er hat im vergangenen Jahr alle vorhandenen Kästen mit Unterstützung der Pfalzwerke, die mit einem Hubsteiger vor Ort war, gereinigt. Am Nistmaterial konnte er beurteilen, wer alles Wohnrecht in den Nistplätzen aus zweiter Hand hatte. Nicht immer sind das die Arten, die sich die Vogelfreunde besonders wünschen, nämlich in ihrem Bestand gefährdete Vogelarten. Das wären die Schwalben, Mauersegler und die Schleiereule gewesen.

In Contwig haben die Mauersegler vor allem im Bereich der alten Mühle am Schwarzbach, mit ihren Einfluglöchern in der hoch aufragenden Mühlenstube, noch eine beliebte Bleibe. Auch der angrenzende alte Dorfbereich bietet noch Nistmöglichkeiten. Der Bachlauf im Talgrund ermöglicht an weniger guten Tagen zudem noch ausreichend Nahrung an Mücken, Blattläusen, Libellen, Spinnen und Kleininsekten.

Ein ehemaliges bäuerliches Anwesen in Kleinsteinhausen lässt dem Mauersegler noch ein Wohnrecht. Nur die Zahl der Untermieter ist in den letzten acht Jahren deutlich zurückgegangen, berichtet Norbert Fakundiny. Bei Renovierungen, der Erneuerungen der Dächer mit Wärmedämmung werden alle Spalten und Ritzen geschlossen, die Aufbringung eines neuen Putzes an einer alten Sandsteinfassade bedeuten immer einen nicht vermuteten Verlust an Brutmöglichkeiten nicht nur für den Mauersegler, so Fakundiny. Dies gilt für den Gartenrotschwanz, die Eulen, Bachstelzen, Sperlinge, Hausrotschwanz, Stare und die Mehlschwalben. Hinzu komme der starke Rückgang an Fluginsekten, die Hauptnahrung unserer Vögel.

Hier krallen sich die Mauersegler fest, um durch den schmalen Spalt in ihre Kinderstube zu krabbeln.
Hier krallen sich die Mauersegler fest, um durch den schmalen Spalt in ihre Kinderstube zu krabbeln.
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