Kreis Südwestpfalz In Macao geht’s um die Wurst

9300 Kilometer trennen Waldfischbach-Burgalben und die chinesische Sonderverwaltungszone Macao, 50 Kilometer westlich von Hongkong gelegen. Dank Verkehrsmittel wie Flugzeug und Fähre eine Distanz, die binnen eines Tages zurückgelegt werden kann. Unbeschadet. Auch von deutscher Wurst. Lyoner von der ortsansässigen Metzgerei Huber hatte auf dem Wunschzettel der Enkel von Helga Petry aus Waldfischbach gestanden, als sie ihre Familie in Macao besuchte.
Zum zweiten Mal trat die 76-Jährige die Reise in die Nähe Hongkongs an. Sohn Kai arbeitet im Management der Sheraton-Hotelgruppe und lebt seit 2011 in Macao. Mit seiner Familie, Ehefrau Silke, der 13-jährigen Tochter Isabella und dem sechsjährigen Sohn Moritz. Ein dreiwöchiger Familienbesuch stand auf Helga Petrys Terminplan. Mitbringsel aus Deutschland sollten es für die Familie sein. Aber was mitbringen? „In Macao gibt es ja alles. Fast alles“, sagt Helga Petry lachend. Bevor nun etwas, das in Macao auch zu haben wäre, die lange Reise ans chinesische Meer antreten würde, fragte sie: „Was soll ich mitbringen?“ „Huber-Wurst“, lautete die spontane Antwort von Enkel Moritz. Gemeint war damit die Lyoner aus der Metzgerei Huber in Waldfischbach-Burgalben. Die mehrfach preisgekrönte Wurst hatte Enkel Moritz bei Besuchen bei der Oma kennengelernt. „Eine gute Oma versucht natürlich, Wünsche zu erfüllen“, sagt Helga Petry schmunzelnd zum kulinarischen Anliegen aus Fernost. Mit den Fachleuten aus der Metzgerei besprach sie, ob der Wursttransport nach Macao möglich sei, ohne dass die Qualität leidet. Das war kein Problem. Die Wurst werde eingeschweißt, könne problemlos transportiert werden. Der Flug ab Frankfurt war gebucht. Die Wurst wurde für den Abflugtag bestellt. Kesselfrisch war sie, als sie in Waldfischbach-Burgalben eingeschweißt wurde. Morgens holte sie Helga Petry ab, packte sie in den Koffer. Dann machte sich Oma Petry mit der Wurst im Gepäck auf den langen Weg zu den Enkeln nach Macao. Um 15.30 Uhr hob der Flieger in Frankfurt ab. Einchecken, zehn Stunden Flugzeit, Auschecken in Hongkong, Überfahrt per Fähre nach Macao. Sohn Kai hatte die Mama am Flughafen abgeholt. In Macao wurde die Oma vom Rest der Familie, mit der sie ansonsten via Skype und Email Kontakt hält, freudestrahlend begrüßt. „Eine tolle Sache. Hätte nie gedacht, dass ich das in meinem Alter noch lerne“, ist Helga Petry von den modernen Kommunikationsmöglichkeiten begeistert. Aber letztlich geht nichts über persönlichen Kontakt. Der Besuch aus Deutschland zeigte dann auch gleich mal, was im Gepäck noch mitgeflogen war: die Lyoner, die Enkelin Isabella übrigens genau so gerne isst wie Bruder Moritz. Wie versprochen, hatten die Würste den Flug unbeschadet überstanden. Die erste der drei eingeschweißten Lyoner aus der Pfalz wurde noch direkt beim Abendbrot verspeist. „Die hat richtig gut geschmeckt“, versichert Helga Petry. In Macao, ein östliches Zentrum der Glücksspieler, leben mehr als 585 000 Menschen. „Da ist nichts mit der Ruhe, wie wir sie aus der Pfalz kennen“, sagt die Waldfischbacherin. Während in Waldfischbach-Burgalben 273 Menschen auf einem Quadratkilometer leben, sind es in Macao auf gleicher Fläche 20 674 Einwohner. Faszinierend sei es, aber auch anstrengend, bekennt Helga Petry. Die gigantischen Bauten, die Vielzahl an Stätten, die an die Geschichte Macaos, das mal portugiesische Provinz war, erinnern, und natürlich die Menschenmengen. „Das gibt es so in der Pfalz nirgends“, sagt Helga Petry. So gemütlich wie möglich wurden verschiedene Sehenswürdigkeiten Macaos und Hongkongs betrachtet. Bei einer Picknick-Tour dabei: die Huber-Wurst. Im Bild wurden die kulturhistorischen Unterschiede festgehalten: deutsche Wurst vor fernöstlichen Sehenswürdigkeiten. „Wir hatten viel Spaß“, erinnert sich Helga Petry lachend an die Foto-Tour mit Wurst. Deutsche Wurst mitbringen, das war nicht der einzige Wunsch der Enkel, was Essen aus der Heimat anbelangt. Ganz oben auf der Wunschliste stand Oma Helgas Hirseauflauf. „Der ist zwar nicht typisch pfälzisch, aber wird bei uns in der Familie sehr gern gegessen“, erzählt sie. Knödel mit Specksoße, Frikadelle und einiges mehr standen auf dem familiären Wunschspeiseplan. Um die Gerichte so zubereiten zu können, wie sie die Familie aus Deutschland kennt, „habe ich ein paar meiner Gewürze mitgenommen“, verrät Helga Petry. In Macao gibt es, einschließlich einer deutschen Bäckerei, zwar viel, aber nicht alles. Die Bäckerei verkauft immerhin Brezeln. So konnte die Oma aus Deutschland mit Blick auf das chinesische Meer – die Familie wohnt in Coloane, direkt am Meer – deutsche Brezelsuppe kochen. Das Essen in Macao schmeckt Helga Petry. Aber sie bekennt ganz ehrlich: „Diese ganz ausgefallenen Reisgerichte, die braucht ein Pfälzer nicht“. Im Sommer kommt die Familie aus Macao zu Besuch nach Deutschland. Beim Abstecher nach Waldfischbach-Burgalben steht natürlich auch die Huber-Wurst auf dem Wunschzettel. Kesselfrisch versteht sich, aber diesmal ohne mehr als 93 000 Kilometer zurückzulegen.