Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel In den Ferien die Schulbank drücken

IGS-Schulleiter Thomas Höchst freut sich auf das Angebot der Sommerschule.
IGS-Schulleiter Thomas Höchst freut sich auf das Angebot der Sommerschule.

Am Montag geht die Schule los. Wer jetzt völlig überrascht aus dem Bett fällt und anfängt, den Schulranzen seines Kindes zu packen, der kann sich getrost wieder hinlegen. Denn gemeint ist die Sommerschule.

Die Sommerschule findet dieses Jahr erstmals in Rheinland-Pfalz statt. Das Angebot des Bildungsministeriums soll Schülern helfen, die Lücken zu schließen, die aufgrund der coronabedingten Schulschließung entstanden sind. Die IGS Contwig bereitet sich nun auf das bevorstehende Projekt vor.

In diesem Jahr läuft alles ein bisschen anders. Auch für Schüler und Lehrer. Rund sechs Wochen lang waren die Schulen im Frühjahr geschlossen, danach folgte die schrittweise Öffnung – zuerst für die älteren, dann auch für die jüngeren Schüler. Während die Schule geschlossen war, fand zum größten Teil „Homeschooling“ statt. Lehrer unterrichteten über Videokonferenzen und schickten ihren Schülern den Lernstoff per E-Mail.

Hettrich ist einer von 4500 freiwilligen Lehrern

Trotzdem, davon ist auch Leo Hettrich, Vertretungslehrer an der IGS Contwig überzeugt, gibt es einige Defizite. Hettrich unterrichtete im abgelaufenen Schuljahr eine siebte Klasse in Mathematik und meldete sich sofort, als ein Rundschreiben mit dem Aufruf zur Mithilfe in der Sommerschule an alle Lehrer, Lehramtsstudierenden, Abiturienten und Oberstufenschüler verschickt wurde. „Ich bin froh, wenn ich den jungen Leuten helfen kann“, sagt er. Damit ist er einer von 4500 Freiwilligen, die ihre Hilfe angeboten haben. Sie werden in den Grundschulen und an den weiterführenden Schulen in den Klassenstufen fünf bis acht die Hauptfächer Mathematik und Deutsch unterrichten.

In Zweibrücken haben sich 54 Freiwillige gemeldet

In Zweibrücken haben sich 54 Freiwillige gemeldet, außerdem wurden 17 Lehrer vom Land angefordert. Dass auch Schüler der Oberstufe und Lehramtsanwärter die Kurse leiten dürfen, befürwortet Leo Hettrich. „Es kommt nicht immer auf die fachliche Qualifikation an, eine pädagogische Ader ist fast wichtiger“, findet er. Die Kursleiter können sich schon jetzt das Material auf der Internetseite des Bundesministeriums ansehen. Dort gibt es auch Ideen für Kennenlernspiele, um das Eis zu brechen.

Mitte Juli hatten sich für die IGS Contwig 40 Schüler gemeldet, 20 davon kommen aus den fünften Klassen, der Rest verteilt sich auf die Klassen sechs bis acht. „Das heißt aber noch gar nichts, die erste Runde war nur eine Interessensbekundung und diente lediglich zur Planung“, sagt Thomas Höchst, Direktor an der IGS in Contwig. Das Land erstelle nun die Angebote in den Kommunen, und die Eltern müssten ihre Kinder dann dort anmelden. „Aber so wie es bisher aussieht, wird es ein Angebot in Contwig geben“, vermutet Höchst.

Mitte Juli hatten sich 126 Schüler angemeldet

Stand 15. Juli, hatten sich in Zweibrücken 126 Schüler für die Sommerschule angemeldet. Wie effektiv diese sein wird, könne man erst danach sagen. Das hänge vom Personal, dem Material und der Bereitschaft der Kinder ab. Aber Höchst ist überzeugt, dass jede Maßnahme zur Unterstützung von Kindern positiv zu bewerten ist, so auch die Sommerschule.

Einziges Manko: Es fahren keine Schulbusse

So sieht es auch Peter Ohlinger aus Homburg, dessen Sohn im nächsten Schuljahr die achte Klasse besucht. Die Entscheidung zur Anmeldung an der Sommerschule traf der Alleinerziehende ohne sein Kind. Aber er habe seinem Sohn erklärt, warum es notwendig sei, und er habe das verstanden. „Ich möchte, dass er gut gewappnet ist für das neue Schuljahr“, sagt Ohlinger. Kosten kommen keine auf ihn zu, Bildungsministerin Stefanie Hubig hat 500 000 Euro in die Hand genommen, um die Sommerschule kostenfrei anbieten zu können. Schule und Stadt müssen lediglich die Räume stellen. Einziges Manko sei der Schulweg, da in den Ferien keine Schulbusse fahren. Die Eltern müssen also ihre Kinder selbst zur Schule bringen. Die Zeiten findet Peter Ohlinger gut, der Kurs gehe drei Stunden, von 9 bis 12 Uhr. Sein Sohn könne danach immer noch ins Freibad und mit seinen Freunden spielen.

Die 13-jährige Amy Bergmann wird im nächsten Schuljahr in die sechste Klasse an der IGS Contwig gehen. „Angst habe ich nicht, ich mache mir nur Sorgen, dass ich nicht alles so gut hinbekomme“, sagt sie. Schule in den Ferien, das fände sie eigentlich blöd, vor allem das frühe Aufstehen. Aber sie gibt zu, dass sie in Mathe nicht ganz so gut ist und noch ein bisschen Hilfe gebrauchen kann. Ob ihre Eltern sie letztlich anmelden werden, sei noch offen.

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