Kreis Südwestpfalz In acht Sekunden ein Gigabyte laden

Firmen in 34 Gewerbegebieten im Kreis Südwestpfalz können seit vergangener Woche Daten mit einer Geschwindigkeit von einem Gigab
Firmen in 34 Gewerbegebieten im Kreis Südwestpfalz können seit vergangener Woche Daten mit einer Geschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde übertragen. Thomas Müller von der Telekom, Albert Schädler vom Breitbandkompetenzzentrum des Innenministeriums, Landrätin Susanne Ganster und Mohrbach-Geschäftsführer Lutz Demuß (von links) drückten im Gewerbepark in Höhfröschen vor der Baustelle zum neuen Firmensitz der Firma Mohrbach den symbolischen Startknopf für das schnelle Netz.

„Es ist ein Meilenstein“, sagte Landrätin Susanne Ganster: Seit vergangener Woche trägt der Landkreis Südwestpfalz, zumindest was die Gewerbegebiete anbelangt, mit Recht den Zusatz „Gigabit-Region“. In allen Gewerbegebieten im Kreis kann jetzt mit einer Geschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde durchs Internet gesurft werden. Das heißt: Ein Gigabyte herunterzuladen, dauert acht Sekunden. Ein DVD-Rohling hat 4,7 Gigabyte. Dessen Inhalt wäre in nicht mal 40 Sekunden übertragen.

Die bisher unterversorgten Gebiete wurden via Glasfaser erschlossen. 56 Kilometer Glasfaser wurden dazu in den vergangenen 14 Monaten nach dem Spatenstich im Gewerbegebiet in Hauenstein im Kreis verlegt. 443 Gewerbegrundstücke, verteilt auf acht Ausbauregionen – betroffen waren 34 Gewerbegebiete – wurden durch den symbolischen Knopfdruck im Gewerbepark Höhfröschen in das neue Gigabit-Zeitalter gehievt. Der Landkreis hat die Grundlagen dafür geschaffen. Jetzt sei es an den Unternehmen im Landkreis, diesen Standortvorteil auch zu nutzen, sagte Ganster. Bislang steht das ultraschnelle Internet nur an zwei Prozent der Anschlüsse in Deutschland überhaupt zur Verfügung. Ein Unternehmen, das die sich bietenden Internetleistungen nutzen wird, ist die Mohrbach Verpackungsmaschinen GmbH, die derzeit ihre neue Zentrale im Gewerbepark Höhfröschen baut. „Ich lebe quasi online“, beschrieb Mohrbach-Geschäftsführer Lutz Demuß seinen Arbeitsalltag. Zum Firmenverbund mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro gehören neben der Mohrbach-Verpackungsmaschinen GmbH auch die Firma Heripack (Sauerland) und die Firma Rasch (Köln). „Egal wo ich bin, ich muss für alle arbeiten können“, hob Demuß die Bedeutung der schnellen Datenübertragung hervor. Als es um die Entscheidung gegangen sei, wo die neue Zentrale gebaut wird, „war für uns das Thema Bandbreite ganz entscheidend“, sagte er. Verbandsbürgermeister Thomas Peifer habe ihm immer gesagt, er solle das Grundstück kaufen und bauen, das mit dem Internet bekomme man hin. „Was soll ich sagen, Sie haben geliefert“, so Demuß. Damit sei ein großer Nachteil in Gewerbegebieten in der Region in einen Standortvorteil gewandelt worden, waren sich alle Beteiligten einig. Das helfe, Arbeitsplätze in der Region zu sichern und zu schaffen. Wenn er baue, dann für die nächsten 30 bis 50 Jahre, in denen das Unternehmen wettbewerbsfähig sein müsse, sagte Demuß. Die Wettbewerbsfähigkeit sei bei Firmen in Zukunft mit Schlagworten wie Industrie 4.0 oder Internet der Dinge verbunden, zeigte Thomas Müller, Leiter Infrastruktur Südwest und Mitte bei der Telekom, auf, wie wichtig Bandbreite für Unternehmen wird. Bis Jahresende können Unternehmen in der Projektregion noch mit einem Investitionskostenzuschuss von 600 Euro ihren schnellen Anschluss herstellen lassen. Der Kreis selbst hat für die Versorgung der Gewerbegebiete 3,7 Millionen Euro investiert. Es ist die erste von drei Ausbaustufen für schnelles Internet im Kreis. 3,3 Millionen Euro Zuschuss kamen von Bund und Land. 400 000 Euro Eigenkostenanteil seien eine gute Investition gewesen, steht für Ganster fest. Albert Schädlich vom Breitbandkompetenzteam des Innenministeriums hob hervor, dass es ganz entscheidend gewesen sei, dass die Orts- und Verbandsgemeinden den Breitbandausbau auf den Kreis übertragen haben. Das habe den zügigen und reibungslosen Ausbau ermöglicht. Von diesem profitieren nicht nur 443 gewerblich genutzte Grundstücke, sondern auch private, die entlang der jetzt verlegten Glasfaserstrecken liegen. Für 7000 Haushalte ist es bereits jetzt, spätestens zu Beginn des kommenden Jahres möglich, mit Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/Sekunde zu surfen. Die Upload-Geschwindigkeiten liegen bei 40 Mbit/Sekunden. Ausbaustufe zwei ist der Ausbau des Datennetzes für private Nutzer. 99,6 Prozent der Haushalte im Kreis sollen mit mindestens 50 Mbit/Sekunde im Netz surfen können. Bis Frühjahr 2019 soll dieser Projektabschnitt abgeschlossen sein. Der hat sich etwas verzögert, damit auch die weiterführenden Schulen im Kreis mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden können. Diese Schulen anzuschließen, ist Ausbaustufe drei. „Aber wir sind damit nicht am Ende“, sagte Ganster. Als Nächstes stünden die Grundschulen auf dem Anschlussplan. Für die privaten Haushalte, die zum Großteil über vorhandene Kupferkabel versorgt werden, wird ein flächendeckendes Glasfasernetz für höhere Bandbreiten angestrebt.

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