Kreis Südwestpfalz In 15 Jahren jeder Dritte über 60 und nur noch 15 200 Einwohner

Im Jahr 2030 wird die Verbandsgemeinde (VG) Zweibrücken-Land nur noch 15 200 Einwohner haben, 1500 weniger als jetzt, und ein Drittel der Leute wird über 60 sein. Davon geht eine Prognose aus, die das Beratungsbüro Entra am Donnerstag dem Verbandsgemeinderat vorstellte. Gleichzeitig gibt das Büro Empfehlungen , wie die VG auf den Bevölkerungsrückgang reagieren sollte.
Die VG hat bei einem sogenannten Demografiecheck mitgemacht. Dabei wurden zusammen mit der Verwaltung zunächst die Stärken und die schwächen der Verbandsgemeinde aufgelistet. Zu den Stärken zählen die Vereine, der Bereich Bildung, der Freizeitwert, die Infrastruktur und die Arbeit der Verwaltung. Schwächen sehen die Zweibrücker bei den Arbeitsplätzen, der Mobilität, der sogenannten Daseinsvorsorge, dem Wohnraum und der Altersstruktur der Verwaltung. Am wichtigsten sei, sich um die Daseinsvorsorge zu kümmern und Wohnungen oder Bauland zu schaffen. Dann kommen die Arbeitsplätze und die Finanzausstattung, schließlich die Motivation fürs Ehrenamt und zukunftsfähige Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Entra empfiehlt nun, diese Felder anzugehen. Kurzfristig lasse sich bei der Daseinsvorsorge etwas tun: der Austausch zwischen Jung und Alt, etwa mit dem Haus Sarepta in Contwig. Als Beispiele nannte Anne-Marie Kilpert von Entra Projekte wie Leseoma, einen Einkaufsdienst und Spielenachmittage. Außerdem müsse man sich um die medizinische Versorgung kümmern. Um Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten, sollte man enger mit der Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten und sich Gedanken machen, wie man kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen kann, die niemanden finden, der die Firma übernehmen will, wenn der Chef in Ruhestand geht. Für die Verwaltung solle es ein Weiterbildungskonzept geben. Mittelfristig könne man alternative Wohnformen schaffen, etwa Seniorenwohnungen, wie sie Großsteinhausen plant. Man müsse die Gewerbeflächen am Flugplatz dem Bedarf anpassen, und die Verwaltung solle die Zusammenarbeit mit der Stadt verstärken, flexiblere Öffnungszeiten anbieten und mehr Möglichkeiten zur Heimarbeit schaffen. Außerdem soll es ein Leerstandskataster geben, um zu sehen, wo sich noch Bauplätze schaffen lassen oder Häuser leerstehen. Hierzu gibt es am 2. Oktober ein Gespräch mit der TU Kaiserslautern. Zu den langfristigen Zielen gehören ein besseres Mobilfunknetz im Grenzgebiet, ein Pendlerbus für französische Arbeitnehmer und Unternehmensgründungen. Bürgermeister Jürgen Gundacker sagte, dass sich nun Arbeitsgruppen bilden werden, in denen auch Mitglieder sitzen, die von den Fraktionen vorgeschlagen werden. Dass CDU und SPD bereits Namen nannten, ohne dass die kleineren Parteien davon wussten, ärgerte Rita Graushaar (Grüne), da dies öfter vorkomme: „Die große Koalition ist schon vorbereitet, und wir haben nix.“ Wolfgang Rapp (SPD) wies darauf hin, dass man dieses Thema auch im Zusammenhang mit dem Thema Flüchtlinge sehen müsse. Die CDU hatte beantragt, eine Stelle zu schaffen, die die ehrenamtliche Arbeit in der Verbandsgemeinde koordiniert und die Helfer entlastet (). „Damit die Sache in einer Hand ist“, wie es Fraktionssprecher Klaus-Martin Weber ausdrückte. „Das ist ein guter Vorschlag“, sagte Bürgermeister Gundacker zu Rapps Idee. Herbert Blinn (CDU) fand, dass einiges, was beim Thema Demografie gesagt wurde, „neu gedacht werden muss“. Hier könnte die Zahl der Flüchtlinge positive Auswirkungen haben, merkte er an. Klaus Freiler (CDU) sagte: „Es ist eine vornehme Eigenschaft, wenn man Leuten in Not hilft.“ Eine solche Koordinierungsstelle sei etwas ganz Wichtiges. „Ich bin stolz, wenn ich die große Welle der Hilfsbereitschaft sehe“, lobte er die Einwohner der Verbandsgemeinde und bemängelte, dass sie von Bund und Land zu wenig Unterstützung bekämen. Auch Gundacker lobte die Hilfsbereitschaft, auch bei den Spenden. Die Verbandsgemeinde müsse dafür jetzt sogar Lagerflächen mieten. Derzeit sind 120 Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde untergebracht, bis Jahresende werden es laut Gundacker doppelt so viele sein. Umgerechnet bedeutet das: Auf 70 Einwohner käme am Ende des Jahres ein Flüchtling. (bfl)