Südwestpfalz / Dahn
Impfungen in Seniorenheimen gehen voran
108 der insgesamt 110 Bewohner haben sich am Dienstag im Haus am Kurpark impfen lassen, nur zwei wollten dies nicht. Für Heimleiterin Antje Gillenberg ist das eine überaus erfreuliche Quote. Und eine Erleichterung. Denn bisher hat es in dieser Einrichtung – wie auch im zweiten Dahner Seniorenheim – noch keinen Corona-Fall bei Bewohnern gegeben, nur eine positive Testung beim Personal. Die bisherige Schutzstrategie hat sich offensichtlich bewährt: Mehrmals in der Woche werden die etwa 100 Mitarbeiter per Schnelltest untersucht, Besucher dürfen nur mit FFP2-Maske ins Haus und werden inzwischen bei den Schnelltestungen an drei Tagen in der Woche mitgetestet.
Viel Aufwand in der Vorbereitung
Was mit einem kurzen Stich für die Bewohner schnell erledigt ist, erfordert eine umfassende Vorbereitung. Der Aufwand sei hoch gewesen, bestätigte die Heimleiterin. Weil bei ihnen viele Betreute untergebracht seien, hätten sie auch viele Zustimmungen einholen müssen. Dazu kommt die medizinische Klärung für jeden Bewohner und die Übermittlung von Informationen an das Land, das letztlich grünes Licht geben muss. Das weiß auch Landrätin Susanne Ganster, die mit Verbandsbürgermeister Michael Zwick am Dienstag das Heim besuchte: Die Hauptaufgabe liege in der Vorbereitung, bekräftigt sie. Also vor allem bei der jeweiligen Einrichtung, die dabei von Ärzten sowie von Kreis und Stadt unterstützt werde.
Gibt das Land grünes Licht, ist das medizinische Personal gefordert. In Dahn waren es am Dienstag neun Fachkräfte vom DRK plus sechs Impfärzte. Letztere sind übrigens schon im Ruhestand, darunter allein fünf ehemalige Hausärzte wie beispielsweise die früheren Fischbacher Ärzte Beate Eisel-Lebherz und Martin Lebherz. Es gebe auch anders zusammengestellte Impfteams, die komplett von außen kämen, erklärt die Landrätin. Doch dass auch Hausärzte aus der Umgebung dabei sind, hält sie – wie auch die Heimleiterin – für vorteilhafter: Das mache es für die Bewohner einfacher, wenn sie den Arzt kennen – und der Arzt wiederum die Senioren kenne.
Für das vom Pirmasenser Impfzentrum des Kreises und der Stadt koordinierte Impfteam war der Einsatz in Dahn übrigens die Premiere im Landkreis – als allererstes Seniorenheim im Kreis war bereits eine Einrichtung in Contwig vom Zweibrücker Zentrum geimpft worden. Als nächste Einrichtung kommt laut Ganster am Mittwoch das Seniorenheim in Hauenstein an die Reihe, Hinterweidenthal steht schon bereit und wartet auf das OK des Landes.
Impfärzte stehen bereit
Für den Landkreis und die Stadt Pirmasens gebe es einen Pool von 150 Ärzten, die sich freiwillig zum Impfen gemeldet hätten, informiert der ärztliche Koordinator Tobias Flöser – darunter Mediziner, die nicht mehr praktizierten. Probleme bei der Notfall-Ausstattung der Impfärzte, wie sie ein Kollege in Kusel moniert hatte, kann er nicht bestätigen: Hier seien so viele versierte Notfallmediziner und Fachkräfte dabei, die auch entsprechend ausgerüstet seien, stellt Flöser fest, der selbst Notarzt ist. Die Verträglichkeit des Impfstoffes bei den Senioren stuft er bisher als positiv ein: Bei den bisherigen Impfungen habe es – außer einem späteren Muskelschmerz oder einer Rötung – keine Sofortreaktion gegeben und keinen Notfall.
Bereits Erkrankte werden vorerst nicht geimpft
Geimpft werden derzeit nur Menschen, die noch nicht an Covid-19 erkrankt waren. Denn bei bereits Erkrankten gehe man davon aus, dass diese immunisiert seien, erklärt der Mediziner. Und weil der Impfstoff – aktuell ist nur jener von Biontech/Pfizer verfügbar – zunächst nur in beschränkter Menge zu erhalten sei, würden bereits Erkrankte vorerst nicht geimpft.
Patienten daheim könnten die mobilen Impfteams noch nicht versorgen, ergänzte die Landrätin. Grund seien die Anforderungen an den bisher verfügbaren Impfstoff im Hinblick auf Kühlung und Mischung.
Geimpft wurden gestern übrigens auch Mitarbeiter der Einrichtung. Für Antje Gillenberg eine selbstverständliche Sache. Allerdings folgen ihr nicht alle rund 100 Mitarbeiter: Nur etwa ein Drittel lässt sich derzeit impfen. Vor allem junge Frauen seien wegen möglicher Langzeitfolgen skeptisch, stellt die Heimleiterin fest. Vielleicht, so hofft sie, überlegten es sich aber noch einige bis zum Wiederholungstermin in drei Wochen.