Zweibrücken-Land RHEINPFALZ Plus Artikel Immer mehr Dörfer wollen Glasfaser-Internet

Beim Ausbau der Hauptstraße hat Reifenberg Leerrohre für Glasfaserkabel verlegen lassen.
Beim Ausbau der Hauptstraße hat Reifenberg Leerrohre für Glasfaserkabel verlegen lassen.

Es werden immer mehr: Die Münchner Firma, die derzeit in Contwig ein Glasfasernetz aufbaut, bietet das auch vielen anderen Dörfern im Zweibrücker Land an. Nun haben Reifenberg und Walshausen Interesse bekundet, und Althornbach dürfte folgen. In Reifenberg will der Platzhirsch aber nicht kampflos aufgeben.

Reifenberg möchte eine Absichtserklärung mit der Firma Unsere Grüne Glasfaser (UGG) abschließen. Die Gemeinde erlaubt, dass die UGG in Reifenberg ein Glasfasernetz baut, und sie verpflichtet sich, 24 Monate lang mit keinem anderen Anbieter Gespräche zu führen. Weitere Verpflichtungen und Kosten gibt es für die Gemeinde nicht. UGG baut das Netz auf eigene Kosten. Die Absichtserklärung ist mit dem Breitbandkoordinator des Kreises abgestimmt. Da die Aufgabe Breitbandversorgung an den Landkreis übertragen wurde, muss der Kreis zustimmen.

Hilmar Mollo von der Firma Fiber to the People, die im Auftrag von UGG die Vorhaben derzeit in verschiedenen Orten vorstellt, erläuterte vergangene Woche dem Reifenberger Gemeinderat die Eckdaten des Projektes, mit dem jedes Haus und jede Wohnung einen Glasfaseranschluss bekommen kann. „UGG hat die Planung, UGG hat das Geld“, machte er deutlich, dass geplant sei, schnell an den Ausbau zu gehen. Im aktuellen Plan, sagte Bürgermeister Pirmin Zimmer, sei der Stockbornerhof nicht für den Anschluss vorgesehen. Da lasse sich eventuell nachsteuern.

Kauf oder Neubau

Wenn in den Gehwegen schon Leerrohre liegen, wäre UGG daran interessiert, diese zu kaufen, sagte Mollo. Das spare Tiefbau und damit Zeit und Kosten. Die UGG mietet keine Leitungen. Können vorhandene Leerrohre nicht gekauft werden, wird neu gebaut.

Gebaut wird ein offenes Netz. Andere Anbieter könnten die Anschlussteilnehmer ebenfalls mit Internet versorgen. Ob es dazu kommt, werde der Markt zeigen, sagte Mollo. Aktuell ist O 2 der einzige Anbieter, der bei UGG den Kunden Verträge anbietet. Die Kosten für Glasfaser-Internet reichen von 25 Euro (bis 100 Mbit/Sekunde) über 35 Euro (bis 250 Mbit/Sekunde) bis 70 Euro (bis 1000 Mbit/Sekunde im Upload). O 2 ist die Kernmarke im Internet- und Mobilfunkbereich der spanischen Telefonica. Telefonica Deutschland und die Allianz-Versicherung stehen hinter der UGG.

Informationsveranstaltungen angekündigt

Der Netzausbau wird über die Breitbandverträge der Endkunden mit O 2 bezahlt. Wer einen Zwei-Jahres-Vertrag mit O 2 abschließt, zahle keine Anschlussgebühr ans Glasfasernetz, ansonsten seien es um die 600 Euro. Es werde dazu Informationsveranstaltungen geben, kündigte Mollo an. Erfahrungsgemäß würden sich viele für Glasfaser entscheiden, wenn der Netzausbau kurz bevorsteht oder startet. O 2 habe bislang immer auch im Nachgang die Anschlussgebühren übernommen, sagte Mollo.

Die derzeitige Versorgungslage mit Breitband entspreche in Reifenberg, zumindest in manchen Ortsbereichen, schon nicht mehr den heutigen Anforderungen, bilanzierte Bürgermeister Pirmin Zimmer. Das habe sich zuletzt wieder bei dem Sturm am Wochenende vor Palmsonntag gezeigt, als die richtfunkbasierte Versorgung nicht mehr funktionierte. Das Thema Glasfaserausbau, das zeigte die Besucherresonanz bei der Ratssitzung, ist wichtig für die Bürger.

Inexio kündigt Baubeginn an

Aktuell könnte Inexio selbst in Reifenberg etwa 50 Häuser mit Glasfaser versorgen. Im Zuge des Hauptstraßenausbaus wurden dafür die Voraussetzungen geschaffen. Zwei Wochen lang habe er vergeblich versucht auf allen Ebenen bei Inexio, das mittlerweile zur Deutschen Glasfaser gehört, jemanden zu erreichen, sagte Zimmer und bilanzierte: „Ist mir nicht gelungen.“ Das hatte er am Mittwoch in der RHEINPFALZ auch öffentlich gemacht, „und eventuell als Reaktion auf den Pressebericht habe ich eine Mail von Inexio erhalten“, sagte Zimmer. Im kurzen Schreiben heißt es, dass Inexio die Gemeinde Reifenberg eigenwirtschaftlich mit Glasfaser ausbaue. Zeitnah würden Vertriebs- und Bauaktivitäten vor Ort starten. Man komme auf die Gemeinde zu. „Mehr steht hier nicht“, sagte Zimmer. Er wollte Kontakt zu Inexio haben, „um dem Unternehmen die Chance zu geben, seine Pläne zu erläutern, bevor wir uns für einen anderen Anbieter entscheiden“, sagte er.

Auch Walshausen möchte ein Glasfasernetz: „Wir haben großes Interesse daran“, sagte Bürgermeister Gunther Veith nach der Ratssitzung vergangene Woche im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Über den Kreis soll nun grünes Licht für den Ausbau eingeholt werden, danach stehe dem UGG-Ausbau nichts mehr im Weg. Laut Veith ist das bestehende Internet im Dorf passabel. Manche Straßen haben schnellere Leitungen (teilweise 100.000 Megabit pro Sekunde), andere kriechen durchs Internet, anstatt zu surfen. Allgemeines Problem: Bisher laufen alle Daten in Walshausen durch veraltete Kupferleitungen.

Rat Althornbach diskutiert

Heute Abend diskutiert auch der Gemeinderat Althornbach über das Angebot der UGG. Bürgermeister Bernd Kipp ist voll und ganz dafür, dass die Firma ihre Kabel im Dorf verlegen darf, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ verriet.

Glasfaser-Internet steigert laut Kipp nicht nur den Wert des eigenen Grundstückes, viele Neu-Althornbacher fragen vor dem Herziehen meistens direkt nach der Glasfaser-Versorgung im Dorf. „Das ist schon sehr wichtig für uns“, findet er. Derzeit sei die Internet-Versorgung in Althornbach „durchwachsen“. Die Telekom hat zu den Verteilerkästen zwar Glasfaser-Kabel verlegt, von den Verteilerkästen führen jedoch Kupferkabel in die Häuser. Je weiter ein Haus von diesem Verteilerkasten entfernt ist, desto langsamer ist das Internet. Beim UGG-Internet wäre das anders, hier würden die Glasfaserkabel bis ins Haus verlegt werden.

Mehrere Orte schon mit UGG-Verträgen

Auch andere Orte im Zweibrücker Land haben bereits einem Vertrag mit der UGG zugestimmt oder darüber gesprochen, darunter Kleinsteinhausen, Riedelberg, Maßweiler, Rieschweiler-Mühlbach, Winterbach, Dietrichingen und Bottenbach.

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