Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Immer mehr Biobauern, immer mehr EU-Auflagen

Michael Böhler in einem der Gewächshäuser der Solawi Bärental bei Contwig.
Michael Böhler in einem der Gewächshäuser der Solawi Bärental bei Contwig.

Fast jeder zehnte südwestpfälzische Landwirt wirtschaftet inzwischen nach Bio-Kriterien. Bei der Fläche kommt die Bio-Landwirtschaft sogar schon auf einen Anteil von 16 Prozent im Kreis. Die wegen der Inflation zu beobachtende Kaufzurückhaltung der Kunden in puncto Bio ist bei hiesigen Betrieben nicht zu spüren. Allerdings ein Preisverfall beim Getreide.

Nach Anmeldungen bei der Kreisverwaltung gibt es aktuell 37 Landwirte in der Südwestpfalz, die nach Bio-Kriterien wirtschaften. Davon halten 24 Rinder, zwei Schweine und acht Hühner. Damit kommt die Südwestpfalz auf einen Anteil von fast zehn Prozent aller Landwirte in der Region.

Laut Bauern- und Winzerverband gibt es insgesamt aktuell 395 Betriebe in der Region, konventionelle und biologische, die eine Fläche von 18.898 Hektar bearbeiten. Womit fast jeder zehnte Landwirt biologisch wirtschaftet und bei der Fläche von 3096 Hektar Bio-Landwirtschaft ein Anteil von 16,4 Prozent zusammenkommt. Die Südwestpfalz liegt damit landesweit über dem Durchschnitt. In ganz Rheinland-Pfalz gab es laut Statistischem Bundesamt Öko-Landbau auf 87.016 Hektar Fläche. Insgesamt finden sich im Land 706.000 Hektar an Acker- und Wiesenland, was einen Anteil von 12,3 Prozent des Bio-Landbaus ergibt.

Den höheren Anteil in der Südwestpfalz erklärt Andreas Köhr, Pressesprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, mit der leichteren Umstellung der Betriebe, die viel Futterland haben. Bei Gemüsebauern wie in der Vorderpfalz sei es schwieriger umzustellen.

Das sah 2010 noch ganz anders aus. Damals gab es in der Südwestpfalz laut Bauern- und Winzerverband gerade mal 15 Ökobetriebe, die magere 1185 Hektar Land bewirtschafteten. Damals gab es aber auch insgesamt mehr Betriebe in der Region. Bei 456 südwestpfälzischen Betrieben erreichte die Bio-Landwirtschaft nur einen Anteil von 3,3 Prozent und bei der Fläche von 6,3 Prozent.

Der Bauern- und Winzerverband stelle generell einen gedämpften Absatz bei Bioprodukten fest, erzählt Köhr. Das gehe teilweise so weit, dass die Biolandwirte zu Preisen wie bei konventionell erzeugten Produkten verkaufen müssten. Grundsätzlich drücke die Biobranche auf die Bremse, was den weiteren Ausbau betreffe, so seine Beobachtung. Das liege aber nicht an den Preisen oder einer Kaufzurückhaltung der Kunden, sondern eher an der Regulierungswut der Europäischen Union. „Es gibt immer mehr Auflagen für Bio“, so Köhr, der als Beispiel neue Vorschriften für die Lagerung, Düngung oder Zertifizierung nennt. In der Branche werde davon geredet, dass die EU die Bio-Landwirtschaft mit Auflagen überziehe und einige praxisferne Regelungen eingeführt worden seien.

Bärenbrunnerhof mit eigenem Metzger

Konkret auf Umsatzrückgänge angesprochen, ist bei hiesigen Betrieben nichts zu hören. In der Branche werde zwar von Kaufzurückhaltung geredet, der Bärenbrunnerhof etwa merke davon nichts. „Wir sind sehr zufrieden mit den Umsätzen“, erzählt Sebastian Kill in seinem Hofladen, der beim Besuch einen regen Kundenandrang aufweist. „Wir mussten beim Personal aufstocken und haben jetzt einen eigenen Metzger“, so Kill, der auf die vielen Stammkunden verweist, die schon seit Jahren kämen und auch die Preiserhöhungen des Betriebs im vergangenen Jahr mitgemacht hätten. „Die Kosten laufen uns im Energiebereich davon“, räumt Kill ein. Der monatliche Abschlag für Strom habe sich praktisch verdoppelt. Dazu kommen höhere Preise für Dosen, Deckel oder Eierkartons. Gegensteuern mit einer eigenen Stromproduktion über Photovoltaik sei für ihn schwierig, da der Bärenbrunnerhof wegen seiner Tallage im Winter quasi im Schatten liege.

Absatzprobleme kennt Marlene Herzog, Betriebsleiterin des Wahlbacherhofs bei Contwig, nicht, was aber auch an der Organisationsform des Hofs als Solidarische Landwirtschaft (Solawi) liegt. Hier wird nicht der Markt beliefert, sondern die „Mitmacher“, wie die Anteilseigner des Hofs genannt werden. 155 Anteile wurden von Nichtlandwirten gezeichnet, die dafür jede Woche oder alle zwei Wochen eine Gemüsekiste erhalten, wahlweise auch mit Eiern und Fleisch.

Warteliste beim Wahlbacherhof

„Wir haben eine Warteliste mit 20 Interessenten“, berichtet Herzog von der ungebrochenen Nachfrage nach dieser Art von Nahversorgung. Und das, obwohl auch der Wahlbacherhof jedes Jahr den Beitrag erhöht habe. Gerade der Ukrainekrieg habe vielen gezeigt, dass die Solawi hier einen Vorteil biete. „Egal, was der Markt macht, wir haben Getreide und Gemüse für die Mitmachenden“, so Herzog.

In Contwig gibt es inzwischen auch einen zweiten Betrieb, der solidarisch wirtschaftet: den Böhlerhof, wo Inhaberin Sabrina Böhler sogar noch wenige freie Anteile der insgesamt 85 Anteile bieten kann. Der Böhlerhof liefert seinen Mitmachern allerdings kein Fleisch, sondern nur Gemüse und Eier.

Bannsteinhof: Eier teurer

„Wir werden unsere Eier alle los“, kennt auch Achim Ruf vom Bannsteinhof in Zweibrücken-Mörsbach keine Probleme beim Absatz. Den Preis habe er allerdings im vergangenen Herbst von 40 auf 45 Cent pro Ei erhöhen müssen. Die Hühner und das Futter seien teurer geworden, wobei das nicht auf die Ukraine und die Energiekrise zurückzuführen sei, sondern auf die inzwischen obligatorische Aufzucht des Bruderhahns. Männliche Küken werden nicht mehr getötet, sondern mit aufgezogen, was sich bei den Kosten bemerkbar mache, erläutert der Mörsbacher, der 2400 Hühner hält.

Finanzielle Einbußen habe er bei seinem Hauptgeschäft, dem Getreideanbau. Hier sei etwa der Dinkelpreis eingebrochen, als Folge der Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die weniger zum ohnehin teureren Dinkelbrot griffen, womit inzwischen zu viel Dinkel auf dem Markt sei. „Dinkel ist momentan sogar billiger als Weizen“, so Rufs Beobachtung.

Der Schweineauslauf findet sich direkt neben dem Hofladen auf dem Bärenbrunnerhof in der Nähe von Dahn.
Der Schweineauslauf findet sich direkt neben dem Hofladen auf dem Bärenbrunnerhof in der Nähe von Dahn.
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