Kreis Südwestpfalz Im Pulk in die Schule
Hedi Bender, einst Schulsekretärin an der Integrierten Gesamtschule Contwig, hat am ersten Schultag geweint. Es waren auf einen Schlag zu viele Kinder um sie herum. Denn: „Ich hatte keinen Kindergarten besucht. Mir hat das nicht so gut gefallen.“ Die Angst vor den Schulkameraden legte sich schnell. Denn es bildete sich eine verschworene Gemeinschaft, die täglich zusammen zur Schule lief.
Vier Kilometer durchs Dorf wanderte Hedi Bender. Von der Fasaneriestraße zwei Kilometer hin – und nach Schulschluss zwei Kilometer zurück. Das sind Erinnerungen, die Eltern von heute wohl Angstschweiß auf die Stirn treiben. Für Hedi Bender und ihre Kameraden war das Laufen zur Schule aber etwas Alltägliches. „Ich wurde nie in die Schule gefahren. Meine Eltern hatten kein Auto und gar keinen Führerschein“, sagt sie. Obwohl 1950 geboren, wurde sie erst 1957 eingeschult. „Ich habe im Mai Geburtstag. Damals war die Einschulung schon im April.“ Dass die 66-Jährige damals etwas länger auf den Ersten Schultag warten musste, hat sie nicht gestört. „Das war sogar gut. Ich war auch nicht im Kindergarten. So etwas gab es damals zwar schon. Aber die Kindergärten steckten noch in der Anfangszeit. Ich war zwei-, dreimal da. Es hat mir nicht gefallen. Meine Schwester war auch nicht im Kindergarten. Nur mein Bruder musste hin. Wenn wir in die Schule gegangen sind, mussten wir ihn deshalb zuerst in den Kindergarten bringen.“ Der Schock wegen der fremden Kinder verflog bald. Hedi Bender erzählt: „Als wir aus der Schule entlassen wurden, waren wir 47. Ich habe das mal recherchiert, weil wir Klassentreffen veranstalten. Wie viel Kinder wir am ersten Schultag waren, weiß ich aber nicht mehr. Wir waren hier in der Straße auch sehr viele. Wir Kinder haben uns damals morgens getroffen, um gemeinsam zu laufen. Wir sind so um 7 Uhr los und waren bis 8 Uhr da. Das war ein richtiger Pulk. Man hat an den Häusern aufeinander gewartet und ging zusammen weiter. Mittwochs gab es noch einen Kindergottesdienst. Morgens vor der Schule. Wenn man da zur Kommunion ging, durfte man vorher nichts essen. Das war damals so.“ Unterrichtet wurden die Contwiger Abc-Schützen in den ersten beiden Klassen von Elisabeth Scherer. „Ihr Mann hat damals im Contwiger Rathaus als Amtsleiter gearbeitet. In der dritten und vierten Klasse kamen dann die Schulschwestern zu uns. Die Mädchen waren bei der Schwester Alexia, die Buben bei Herrn Bosslet.“ Eugen Bosslet wurde später Rektor, „bei dem habe ich damals sogar noch gearbeitet“, verrät die Großmutter zweier Enkelkinder. Acht Jahre besuchte Hedi Bender die katholische Volksschule. „Ich bin gerne hingegangen. Es hat mir Spaß gemacht. Ich habe gelernt und immer einigermaßen gute Noten gehabt.“ 1965 war Hedi Benders Schulzeit vorbei. Vorerst. „Ich habe eine Ausbildung in Dahn gemacht, in diesem Studienheim St. Pirmin. Als Verwaltungsangestellte.“ Eine gewisse Zeit arbeitet die Ausgebildete vertretungsweise bei der Gemeinde Contwig. 1972 wurde die Verbandsgemeinde Zweibrücken gegründet. Die Volksschulen wurden von den Hauptschulen abgelöst. „Ich wurde von Herrn Scherer gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Sekretärin an der Hauptschule in Contwig zu werden. Ich war das von Beginn der Verbandsgemeinde an. Bis ich vor drei Jahren in Rente gegangen bin.“ Vieles hat sich in dieser Zeit an Schulen geändert. „Englisch kam dazu. Wir hatten zu meiner Schulzeit noch kein Englisch. Dann wurde aus der Hauptschule die Regionale Schule. Danach wurden wir Ganztagsschule und schließlich Integrierte Gesamtschule.“ Während Hedi Bender ihre gesamte Schulzeit mit Contwiger Kindern verbrachte, kamen während der Berufsjahre Schüler aus den umliegenden Gemeinden hinzu. Übrigens war die Schillerschule, die katholische Volksschule also, nicht die einzige Lehranstalt in Contwig, als Hedi Bender noch Schülerin war. Es gab noch eine Rosenschule und eine evangelische Volksschule. „Es war alles streng getrennt gewesen“, schmunzelt die Schulsekretärin. „Und die Schillerschule ist damals aus allen Nähten geplatzt.“ Serie In der Woche vor dem Schulanfang erzählen bekannte Persönlichkeiten von ihrem ersten Schultag. Am Montag war es Markus Schmidt, der Wehrleite der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, am Dienstag Gertrud Manz, langjähriges Mitglied im Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land und gestern Jürgen Gundacker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land.