Kreis Südwestpfalz Im Kampf Veggie gegen Rollo erfolgreich

Sie entwerfen Rezepte, richten sie an und fotografieren die Köstlichkeiten fürs Netz: Julia und ihr Vater Christof Feith.
Sie entwerfen Rezepte, richten sie an und fotografieren die Köstlichkeiten fürs Netz: Julia und ihr Vater Christof Feith.

«HAUENSTEIN.» Sie ist Grafik-Design-Studentin an einer Mannheimer Schule. In ihrer raren Freizeit betätigt sie sich darüber hinaus als Food-Fotografin, Rezepte-Erfinderin, zusammen mit ihrem Vater Christof als Food-Bloggerin, und nun praktiziert sie mit großem Enthusiasmus auch noch Handlettering, eine neue, andere Form der Kalligraphie: Die 19-jährige Julia Feith aus Hauenstein ist auf vielen Gebieten zuhause und vor allem eines: Sie ist überaus erfolgreich.

Zunächst also: Foodfotografin. Damit hat alles vor zwei Jahren angefangen. Es geht darum, Lebensmittel, Speisen und ganze Menüs so zu fotografieren, dass einem schon beim Betrachten das Wasser im Mund zusammenläuft. Erste Versuche auf diesem Gebiet hat Julia mit dem Handy gemacht. Als sie immer mehr Spaß daran fand, das, was sie in Mutters Küche entstehen ließ, immer besser ins Licht zu setzen, folgte eine Canon EOS 700d, wobei sie Wert auf ein besonders gutes Objektiv legt. Jetzt fotografiert sie mit 35 Millimeter-Festbrennweite. „Ein gutes Objektiv ist die halbe Miete“, sagt sie. Ihre Bilder gewannen an Qualität, weil sie sich mit Hilfe von Fachbüchern fortbildete. Und weil die Fotos so gut wurden und ihre Rezepte auch im Freundes- und Familienkreis gut ankamen, nahm sie zunächst an dem in der Kochzeitschrift „Lecker“ ausgeschriebenen Rezeptwettbewerb teil. Aus einem griechischen Joghurt sollte ein besonderes Gericht kreiert werden. Julia reichte Rezept und Foto für einen „Moussaka Wrap mit Auberginen, Hack und Tzatziki-Dip“ ein – und wurde als eine von fünf Gewinnerinnen in die Showküche von „Lecker“ nach Hamburg eingeladen. Dort wurden nicht nur die Gewinnerrezepte zubereitet. Die fertigen Leckereien wurden auch in dem „Lecker“-Studio, das eigens für Foodfotografie eingerichtet ist und als das größte seiner Art in Europa gilt, fotografiert. „Man konnte natürlich viel von den Profis der Redaktion lernen“, sagt Julia, die ihr Vater nach Hamburg begleitet hatte. Weitere Wettbewerbe, weitere Erfolge, weitere Einladungen zu Kochevents folgten, einmal mit Süßkartoffel-Pommes mit Tomatensalat und Petrella-Zucchini-Hack, einmal mit einem Cup Cake mit einer raffinierten Vanille-Himbeer-Creme. Dafür wurde sie von Krüger-Kaffee nach Berlin zu einem „Event Workshop“ mit der Fernsehmoderatorin Ruth Moschner eingeladen, die unter anderem mit der Kochshow „Grill den Henssler“ auf dem TV-Schirm präsent war. Nicht nur erlebnisreiche Reisen nach Hamburg oder Berlin gab’s für die Rezepte: Einmal brachte sie auch eine Kitchen-Aid-Küchenmaschine nach Hause. Ihre Rezepte samt Fotos erschienen in den einschlägigen Blättern und wurden im Netz verbreitet. Nicht nur in der Küche – beispielsweise bei Fernsehkoch Stefan Wiertz – bildete sie sich fort. Bei Andy Baumann, einem Profikoch, Food-Stylisten und Foodfotografen, nahm sie an einem Workshop teil, sie lernte von dem Kölner Fotografen Guido Schröder und der Münchenerin Anja Schlichenmaier. „Wenn man solchen Profis bei der Arbeit zuschauen kann, kann man nur lernen. Und ihre Tipps bringen dich immer weiter“, sagt Julia. Nicht zuletzt: „Auch die schulische Ausbildung hat meinen Stil verändert“, stellt sie fest. „Und weil meine Arbeiten so gut ankamen, habe ich mich Anfang des Jahres getraut, mit einem eigenen Foodblog ins Netz zu gehen“, erzählt Julia. Sie hat einen kongenialen Partner gefunden. Papa Christof ist stellvertretender Leiter der Lauterer Hochschulgastronomie, die bundesweit unter den Unimensen einen hervorragenden Ruf genießt. Und so hat Christof Feith auch eine besondere Nähe zur Kulinarik und zum kreativen Kochen. Zusammen sind die beiden unter dem Titel „Dad & Daughter Foodgeschichten“ im Netz vertreten. Im Blog finden sich ihre kulinarischen Kreationen: ein Burger-Toast im Hawaii-Style mit gebratener Ananas und Wildpreiselbeeren etwa, eine farbenfrohe Frühlingsquiche, Involtini mit Tomatensoße oder – für Leckermäuler – ein russischer Zupfkuchen und der Partygag „Design dein Törtchen“. Julia: „Die Ideen werden gemeinsam entwickelt, gemeinsam zubereitet und gemeinsam verbessert.“ Sie sind im Blog ausführlich beschrieben und – natürlich – mit Fotos zum Reinbeißen illustriert. Eine besondere Spielart des Blogs ist der „Battle Dad vs. Daughter“, dessen erste und bisher einzige Ausgabe sich dem Thema „Poutine – Canadian streetfood“ widmet. Unter der Frage „Was gefällt euch besser?“ ging Julia mit Süßkartoffel-Fries mit „Pulled Veggie“ an den Start, der Papa wollte mit Steakhouse-Fries mit Pfälzer Rollbraten „Pulled Rollo“ punkten. Der Blog kommt an: „Dad & Daughter“ wurden zum „Food.Blog.Meet“ in Düsseldorf, einer Art Messe für Blogger, eingeladen. Interessant: „Da haben wir sehen können, wie die Hersteller von Küchengeräten und Lebensmitteln auf die Werbung über die Blogger setzen“, berichtet Vater Christof. Julia wertet den Blog nicht nur als kreatives Hobby, er sei auch eine „gute Übung für die Schule“, die sie als staatlich geprüfte Grafikdesignerin abschließen wird. Mittlerweile hat sie sich auch für den Blog, aber nicht nur dafür, mit Handlettering ein neues Betätigungsfeld erschlossen. „Handlettering ist nichts anderes als das Zeichnen von Buchstaben, bei dem man die Optik der Kalligraphie mit einem Fineliner nachempfindet“, beschreibt Julia den Trend. Dass sie es dabei auch zu einiger Meisterschaft gebracht hat, belegen die Kommentare von Teilnehmern eines Workshops, denen sie die Grundzüge des Handletterings beibrachte: „Es hat Riesenspaß gemacht. Und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen“, wird berichtet. Nach dem Erfolg des ersten Workshops will Julia weitere Kurse anbieten. „Ich habe Spaß an kreativem Tun“, sagt sie. Kein Wunder, dass sie eine erste Ausbildungsstelle im Büro bald geschmissen hat. Wenn man sie hört, wird überdeutlich: Sie hat mit kreativer Arbeit ihren Lebensinhalt gefunden. Internet dadanddaughterfoodgeschichten.com

x