CONTWIG / BATTWEILER / REIFENBERG Im Herbst fliegt dieser zierliche Schmetterling sogar über die Alpen
Naht im Spätsommer die Obsternte, dann sieht man den Admiral auch unter den Obstbäumen, wenn man Glück hat. Am faulen Obst auf dem Boden nascht er gerne. Bei jedem kleinen Windhauch oder einer Lichtveränderung, wenn man versucht, sich ihm zu nähern, ist er jedoch wieder weg. Unstet und vermutlich besonders vorsichtig sind alle Falter, sodass man sich in ihrer Umgebung kaum bewegen darf, um sie beobachten zu können.
Eigentlich kommt der Admiral aus Südeuropa oder Nordafrika im Frühjahr zu uns. Der kleine, zarte Falter überfliegt dabei – kaum vorstellbar – die Alpen. Für die über 2000 bis 3000 Kilometer in unsere Heimat benötigen die Schmetterlinge meistens zwei Wochen, erzählt Hans Göppel vom Naturschutzbund Deutschland im Zweibrücker Land. Die klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahre hätten jedoch dazu geführt, dass sich nach und nach eine eigenständige mitteleuropäische Population herausgebildet habe. Trotzdem sei der Admiral immer noch ein Wanderfalter, da einige im Sommer von unserer Region bis hoch nach Skandinavien fliegen. Im Herbst ziehen sich die Falter nach Süden zurück, aber überqueren nicht mehr alle miteinander die Alpen.
In den ersten Tagen des Herbstes sieht man den Tagfalter vor allem noch am Waldrand. Bei genauer Beobachtung auch beim Stockbornerhof. Zudem noch in den Talauen bei der Geißenbrücke, im Garten, an Brombeeren oder in Obstanlagen, weil er gerne am halbfaulen Fallobst saugt. In dieser Jahreszeit ist das Nahrungsangebot für die letzten noch fliegenden Schmetterlinge von bescheidener Abwechslung. Am Schneckenhügel auf der Kalkhöhe zur Contwiger Gemarkung finden die Falter auch in dieser Jahreszeit noch passende Nahrung. Außerdem hat es dort auch noch einige Streuobstwiesen mit viel Fallobst. Wiesen mit noch zahlreicher blühenden Blumen und die Waldränder mit ihren blühenden Stauden gehören zum Lebensraum des Admirals.
„Schmetterlinge über blühenden Blumenwiesen sind ein Charakterbild unserer Kulturlandschaft gewesen“, sagt Siegfried Kramp vom Naturschutzbund. In weiten Bereichen auch über unsere Region hinaus gebe es weder die einstige Schmetterlingsfülle noch die Blütenvielfalt zurückliegender Zeiten. „Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel haben sie vertrieben“, so Kramp, der die belebte Natur im Zweibrücker Land und dem Bliesgau gut kennt. Er hat in diesem Jahr den Admiral höchstens viermal in unserer Region gesehen.
Hauptursache des Falterrückgangs sei die Überversorgung mit Nährstoffen. Die Raupen vieler Falterarten würden an Pflanzen magerer Standorte leben. Diese Pflanzen verschwinden schnell, wenn gedüngt wird. Sie werden von den schneller wachsenden, stickstoffliebenden Kulturpflanzen oder wenigen Massenarten der Unkräuter ersetzt. Man sieht das an der Brennnessel: Sie wuchert auf nährstoffreichen Böden mit hohem Stickstoffgehalt und lässt dort wenig Platz für andere Pflanzen.
An den Brennnesseln leben aber die Raupen von Admiral, Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und C-Falter. Diese Tagfalterarten konnten somit ihren Bestand besser halten. Der große Rest wurde dramatisch weniger. Ihre Raupen benötigen Futterpflanzen stickstoffarmer Standorte. Es reicht ihnen nicht einmal aus, dass ihre Futterpflanze vorkommt. Wenn sie einen zu hohen Stickstoffgehalt aufweist, gehen die Raupen zugrunde, obwohl es an Nahrung nicht zu mangeln scheint.