Kreis Südwestpfalz „Im Übermaß ins Schwarzbachtal“

Rund 70 Gäste begrüßte Angelika Küttner, die Vorsitzende des CDU-Ortsvereins Bechhofen, am Montagabend beim Neujahrsempfang ihrer Partei im Dorfgemeinschaftshaus. Während sie in gewohnt launiger Form in Orakel-Manier mögliche Entwicklungen des Jahres 2017 skizzierte, kritisierte Bürgermeister Paul Sefrin eine Ungleichbehandlung der Gemeinden.
Bürgermeister Sefrin zog in seiner Rede eine Halbzeitbilanz der noch bis 2019 laufenden Wahlperiode. Das Dorfzentrum habe sich mittlerweile zu einem Gesamtkomplex entwickelt, „den man anschauen kann“. Mit dem Ausbau des Bechhofer Kindergartens können seit Januar bis zu 115 Kinder, die von 20 Fachkräften betreut werden, die größte Kita der Verbandsgemeinde besuchen. „Das ist die Zukunftswerkstatt unserer Gemeinde“, sagte er. Sefrin setzt darauf, dass es in diesem Jahr gelingen wird, die Weichen für ein neues Baugebiet in Richtung Lambsborn zu stellen. Derzeit verhandle die Pfalzwerke AG als Erschließungsträger mit den Eigentümern, so Sefrin. Die Einführung wiederkehrender Beiträge habe es der Gemeinde ermöglicht, Straßenbauprojekte in Angriff zu nehmen. Wenn eine Förderzusage vorliegt, könne der Ausbau der Kirrberger Straße im zweiten Halbjahr beginnen. Für das zweite Halbjahr 2018 habe der Landesbetrieb Mobilität den Ausbau der Lambsborner Straße in Aussicht gestellt, hier ist die Gemeinde für den Ausbau der Gehwege zuständig. Sefrin äußerte auch Kritik. Bereits zum dritten Mal habe die Gemeinde einen Antrag auf Förderung der Sanierung des Dorfgemeinschaftshausdachs gestellt. „Hier regnet es gefühlt seit über 15 Jahren rein“, merkte er an. Der dritte Versuch, die 250 000 Euro teure Maßnahme finanziert zu bekommen, sei wohl der letzte. „Wenn dieser Anlauf nicht gelingt, dann drohen die Schließung und der Verlust wertvoller Dorfgemeinschaft“, sagte Sefrin. Mit Blick auf die Teilnahme am Projekt „Smart Villages“, die zu keinem Ergebnis führte, beklagte er die Ungleichbehandlung: „Die Fördergelder fließen in einem Übermaß ins Schwarzbachtal, der Rest bekommt Beschäftigungsprogramme.“ Aufgabe des Gemeinderates sei es, für den Erhalt und die Verbesserung der Infrastruktur zu sorgen, da dürfe es keine Denkverbote geben. Die Gemeinde habe mit ihren Ideen und Kräften Grenzen erreicht, angesichts der Haushaltslage sei Bechhofen auf Förderung von außen angewiesen. „Wir wollen im Wettstreit der Kommunen Gleichbehandlung erfahren“, sagte er. Als Beispiel für Ungleichbehandlung nannte er das Tourismuskonzept für die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, das noch unter der Regie des ehemaligen Bürgermeisters Kurt Pirmann entwickelt wurde und in dem etwa ein Aussichtsturm zwischen Groß- und Kleinsteinhausen, ein Bikepark bei Bechhofen und ein Wasserspielplatz bei Contwig vorgesehen waren. „Den Wasserpark in Contwig gibt es schon. Ob es den Bikepark Bechhofen gibt, ist offen. Der ist jetzt für Zweibrücken angedacht“, kritisierte er. „Für mich ist schwer vorstellbar, dass zwei solcher Projekte in kurzer Entfernung gefördert werden“, bemerkte der Bürgermeister. Zuvor hatte Küttner eingeräumt, dass sie sich „noch nie so schwer getan habe, die richtigen Worte zu finden“. Die SPD sei nicht mehr Gegner der CDU, zur AfD und zur Flüchtlingsfrage finde sie keine Worte mehr. Deshalb wagte sie einen Ausblick auf das, was 2017 hoffentlich bringen werde. Dazu gehört für Küttner eine rapide Verbesserung des Betriebsklimas in der Verbandsgemeindeverwaltung, die Sanierung der Heizung in der Bechhofer Grundschule, die Sanierung des Dorfgemeinschaftshausdachs, eine erfolgreiche Paartherapie bei Merkel und Seehofer, CDU-Siege bei den Landtagswahlen, den touristischen Erfolg des Lutherjahres, das militärische Ende des IS und das Scheitern Donald Trumps in seinem ersten Jahr als US-Präsident. Ob das alles realistischer ist als der erhoffte Lottogewinn, mit dem die CDU-Vorsitzende ihre Reiseträume verwirklich möchte? Spätestens im Januar 2018 wird sie beim nächsten Neujahrsempfang der CDU darüber berichten. Ob dann Susanne Ganster neue Landrätin ist, entscheiden die Wähler im Mai. Die 40-jährige CDU-Kandidatin stellte in Bechhofen sich und ihre Schwerpunkte vor – Sicherung des Schulangebots, Investitionen in die Sanierung von Straßen, kreisweiter Ausbau der Internetversorgung – und versprach, für die Anliegen der Bürger ein offenes Ohr zu haben. Es sei wichtig, dass die CDU in den Fußspuren weitergeht, die Hans Jörg Duppré – er ist seit 1979 Landrat – hinterlassen habe. |daa