Waldfischbach-Burgalben / Leimen
IGS hat zwei beste Abiturienten: Maurizio Klein und Fabienne Anstett
„Wir wollten eigentlich eine Punktlandung hinlegen“, sagt Maurizio Klein. Aber das sei schwer zu steuern gewesen, „weil wir ja nicht einschätzen konnten, wie die Leistung in der mündlichen Prüfung bewertet wird“. Beide gingen an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Daniel Theysohn im Fach Mathematik ins mündliche Abitur. „Ich war zuerst dran, habe auf Maurizio gewartet“, erzählt Anstett. 13 Punkte hatte sie erreicht. Als Maurizio aus der Prüfung kam, hatte er 14 Punkte geschafft und damit knapp die Nase vorn. „Ich habe mich riesig für ihn gefreut“, sagt Anstett. Es wurde gemeinsam gejubelt, „aber so wie es in Corona-Zeiten sein muss“, ergänzt Klein. Mit Abstand, ohne Umarmung.
Beide ehrgeizig
Schon in der neunten und zehnten Klasse, in der jeweils die Jahrgangsbesten ausgezeichnet werden, „haben wir uns einen Wettbewerb geliefert“, verrät Anstett lachend. Damals sei sie besser gewesen, jetzt hat er abgeräumt. „Hat er verdient“, freut sie sich. Was die beiden unterscheidet? Sie habe immer viel gelernt, bekennt Anstett. „Ich habe es mir einmal angeschaut, das hat fast immer gereicht“, sagt Klein und grinst.
Biologie, Sozialkunde, Englisch waren Kleins Leistungskurse. Anstett hatte sich für Englisch, Sozialkunde und Deutsch entschieden. In Deutsch lieferte sie auch die beste Abiturleistung aller Abiturienten an der IGS ab.
Zeugnis per Post
Abitur in Corona-Zeiten? Beide sind froh, dass es in Rheinland-Pfalz mit den Prüfungen noch geklappt hat. „Auch das mündliche Abitur war in Ordnung“, sagt Klein. Aber danach fehlte einfach alles. Kein Abi-Streich, kein Abi-Ball, kein gemeinsames Feiern. Bitter für den Jahrgang, der sich immer gut verstand, schon in der elften Klasse begonnen hatte, Geld für den Abi-Ball zu verdienen. „Wir hatten richtig viel Geld, das wäre eine super Feier geworden“, sagt Klein. Inklusive tollem Essen. Die Einladungen waren bereits verschickt. „We Want to Break Free“, angelehnt an den Song von Queen, hatte sich der Abi-Jahrgang als Motto gewählt. Die Einladungen hatte Klein gestaltet. Anstett hatte an der Abi-Zeitung mitgearbeitet.
Statt feierlichem Abschluss „kam das Zeugnis schlicht per Post“. Im Hause Klein war eigentlich geplant, zum bestandenen Abitur gemeinsam essen zu gehen. „Ging nicht, die Restaurants sind ja geschlossen“, sagt Klein. Ein Abi-Essen gab es dann doch: „Pizza“, verrät Klein lachend. Die Abiturienten organisierten eine kleine virtuelle Feier: Rein ins schicke Abi-Kleid oder den Anzug und per Video-Chat zusammengeschlossen. Beide hoffen, dass sie ihr Abi irgendwann doch noch richtig feiern können.
„Wie ein schlechter Traum“
Wobei das für Fabienne Anstett schwierig werden könnte, falls sich ihr Traum von Amerika noch erfüllt. Gefühlt sitzt die 19-Jährige auf gepackten Koffern. Tatsächlich sind die Kleider wieder ausgepackt. „Es fühlt sich gerade an wie ein schlechter Traum“, bekennt Anstett. Seit ihrem zwölften Lebensjahr plante sie, nach dem Abitur in die USA zu fliegen. Bainbridge Island – am Meer, etwa 30 Kilometer von Seattle entfernt – sollte der Ort sein, wo sie bis zum nächsten Jahr lebt und arbeitet. „War schon alles geklärt mit meiner Gastfamilie“, erzählt Anstett.
Dann verhinderte Corona die Einreise in die USA. Nun hofft sie, dass sich ihr Traum in absehbarer Zeit noch erfüllt – wenn auch verkürzt. 2021 will Anstett ein Studium der Psychologie beginnen. Auch das ein lange gestecktes Ziel.
Filme analysieren in Quarantäne
Was Maurizio Klein mal werden will, „das weiß ich auch schon lange: Anwalt oder Lehrer“, verrät der 18-Jährige. Inzwischen ist die Entscheidung gefallen: Es wird das Lehramtsstudium werden. Englisch und Sozialkunde bilingual fürs Gymnasium, hat er sich vorgenommen. Bilingual, weil ihm der zweisprachige Unterricht viel Spaß gemacht hat. Dass er das Zeug zum Lehrer hat, bestätigt Schwester Giordana, die wegen der Schulschließung derzeit mit Homeschooling Bekanntschaft macht. Da unterrichtet auch mal der große Bruder. Wird nicht gelernt, „schauen wir gerne zusammen Filme und analysieren die ganz genau“, erzählt Maurizio Klein von der Quarantäne mit seiner Schwester. Die neunte Klasse der IGS, die Giordana besucht, war nach einem Besuch im Elsass frühzeitig vorsorglich nach Hause geschickt worden.
Ein bisschen Geld verdienen sich Maurizio Klein und Fabienne Anstett nebenbei. Während sie in der Wasgau-Bäckerei in Pirmasens arbeitet, ist er bei der Firma Weldcom in Geiselberg beschäftigt. Ansonsten bereitet Klein gerade die Bewerbungen fürs Studium vor, während Anstett hofft, dass sie bald wieder reisen darf. Auch wenn dann Tausende Kilometer die Freunde trennen, „wir werden uns nie aus den Augen verlieren“.