Kreis Südwestpfalz „Ich ziehe die Jungen dort manchmal ab“

Gerhard Schönenberger ist 90 Jahre alt, aber er treibt immer noch regelmäßig Sport im Fitness-Studio. Und bei den Orchesterprobe
Gerhard Schönenberger ist 90 Jahre alt, aber er treibt immer noch regelmäßig Sport im Fitness-Studio. Und bei den Orchesterproben donnerstags ist er immer der Erste, lobt ihn sein Dirigent.

«Contwig.» Das Orchester der VT Contwig feiert nächstes Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Von Anfang dabei ist Gerhard Schönenberger, der im Dezember 90 wurde. Ein Mann, der viel erlebt hat und dennoch nie die Neugier auf seine Mitmenschen verloren hat. Besonders gern spricht er mit jungen Menschen, betont er. Und passend zum Musikzug der Turnerschaft macht er Musik und treibt Sport.

„Einmal die Woche gehe ich ins Fitnessstudio“, erzählt Schönenberger, als wäre es das Normalste auf der Welt. „Einer meiner Neffen leitet das. Er findet, ich bin sehr fit. Ich ziehe die Jungen dort manchmal ab, meint er“, sagt Schönenberger und lächelt. Ein Umstand, für den das Gründungsmitglied des Musikzugs der VT Contwig schon immer viel getan hat. Auch heute behält er sich das regelmäßige Radfahren bei – auch Einkaufen fährt er mit dem Fahrrad, ein Auto hat er nicht. „Außer bei den Bergen, da wird’s ein bisschen schwierig“, sagt er schmunzelnd. Deswegen hat er sich ein E-Bike zugelegt. Gemeinsam mit seiner Frau, die vor einem Jahr schwer erkrankt ist, ist Schönenberger einmal im Jahr in Urlaub gefahren. Das Wandern hatte es den beiden angetan. „Wir waren gern in Österreich oder in Südtirol. Die Berge sind toll. Dass wir nicht mehr wegfahren können, fehlt mir schon.“ Mit seiner herzlichen, offenen Art ist er auch im Berufsleben gut gefahren. „Ich habe mein ganzes Leben bei John Deere gearbeitet. Früher hieß das noch Lanz. Da war ich gefragt, bin vom Werkzeugmacher zum Prüfer in der Fertigung aufgestiegen.“ Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er 1992, als er nach über 48 Berufsjahren in Rente ging, noch weiterarbeiten können. Rumsitzen – das ist nichts für ihn. „Sonntags gehe ich zum Stammtisch, montagabends ist Dämmerschoppen hier in Contwig.“ Menschlicher Kontakt ist für den 90-Jährigen ein wichtiger Aspekt im Alltag. Auch was um sich herum passiert, will er wissen. „Jeden Morgen zum Frühstück lese ich die Zeitung. Im Sommer bin ich tagsüber gern im Garten“, erzählt er. Die Musik hat in seinem Leben schon immer eine zentrale Rolle gespielt. 1950 gründete er den Spielmannszug mit, der fester Bestandteil der VT Contwig ist. Die Musiker, anfangs nur eine Handvoll, jetzt rund 40 Personen, hatten Auftritte in Finnland, Tunesien und Holland und begleiteten Turnfeste in Deutschland und Österreich. „Unsere Reise nach Amerika ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Da haben wir 1996 bei der Steuben-Parade auf der 5th Avenue in New York mitgemacht.“ Er hat viel zu erzählen, möchte aber nicht prahlen, wie er betont. „Andere haben auch viel erlebt.“ Beim VT-Orchester ist Gerhard Schönenberger Ehrenmitglied und laut Dirigent Alfred Sefrin „der Erste donnerstags in den Proben“. Er ist auch das einzige noch lebende Gründungsmitglied. „Auch von meiner damaligen Klasse an der Volksschule leben nur noch vier Leute. Aber das ist der Lauf der Dinge“, sagt der Musiker, der früher Fanfare gespielt hat und heute Percussion-Instrumente. Der Vater einer Tochter ist inzwischen dreifacher Opa und zweifacher Uropa. Und was hat er mit der Moderatorin Barbara Schöneberger zu tun, deren Oma in Niederauerbach wohnte? „Das werde ich oft gefragt“, sagt er schmunzelnd. „Aber verwandt sind wir nicht.“ Dafür hat der 90-Jährige im Nachnamen auch ein N zu viel.

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