Kreis Südwestpfalz „Ich musste einfach baggern“

Placeholder-Image

«Käshofen.»Egon Gilbert ist 67 und arbeitet in seinem Heimatort Käshofen, als wäre er noch nicht im Ruhestand. Gilbert war 45 Jahre bei der Feuerwehr und wollte eigentlich gar kein Amt mehr übernehmen. Seit zwei Jahren ist er nun erster Beigeordneter von Käshofen.

Egon Gilbert ist keiner, der im Ruhestand die Füße hochlegt. In seinem Heimatort findet er immer Arbeit: am Friedhof, an der Bushaltestelle und am Dorfgemeinschaftshaus. Zuletzt arbeitete der ehemalige Maschinist jeden Tag am Käshofer Dorfgemeinschaftshaus. Dort hat er den ehemaligen Schotterplatz hergerichtet, auf dem seit einigen Jahren das Dorffest stattfindet. Er hat ihn planiert und darauf sowie auf dem gesamten Hof des Dorfgemeinschaftshauses Steine verlegt. „Wenn Edwin und ich nicht gesagt hätten, wir machen es, dann hätte das hier nicht stattgefunden“, sagt der kräftige Mann im weißen T-Shirt und Blaumann. Edwin Vollmar und er haben laut Gilbert in etwa 1700 Stunden Arbeit mit dem Bagger und Vollmars Traktor den Platz eingeebnet und für das Verlegen der Steine vorbereitet. „Edwin ist mit seinem Bulldog mit Hänger rund 250 Mal gefahren“, haben die beiden ausgerechnet. „Jede Gemeinde kann stolz sein, wenn sie solche Bürger hat“, sagt Käshofens Bürgermeister Klaus Martin Weber. „Wenn man von Leuten wie Egon Gilbert zehn hätte, könnte man fünf ruhen lassen, und alle Arbeit wäre getan.“ Dasselbe gelte für Edwin Vollmar, der schon 76 ist. Dennoch waren mit ihrer Arbeit nicht alle einverstanden: „Wir haben schon Schläge gekriegt“, erzählt Gilbert. Es gebe eben immer Leute, die andere Vorstellungen hätten. Beim Steinelegen halfen auch Klaus Köhler und der Flüchtling Levan Sakhiashvili aus Georgien, den alle Willi nennen − weil Gilbert beim Arbeiten mit zwei Flüchtlingen die Namen durcheinanderbrachte. „Also habe ich gesagt, du bist Willi 1, und du bist Willi 2!“, erzählt er. Willi 2 wohnt nicht mehr in Käshofen, also blieb nur Willi übrig. „Willi ist seine rechte Hand“, sagt Bürgermeister Weber. Gilbert holt den Mann in der Frühe an der Bushaltestelle ab, wo dieser seine kleine Tochter zum Kindergartenbus bringt. Danach besprechen sie, was zu tun ist. „Willi ist unverwüstlich“, sagt Gilbert, und es schwingt Hochachtung mit. Einmal habe er seinen Helfer nachmittags nach dem Heckenschneiden am Friedhof nach Hause geschickt, weil es so heiß war. Bei seiner Rundfahrt am Abend habe er dann gesehen, dass er um 21 Uhr noch immer Hecken schnitt. Gilbert ist mit Willi und dessen Frau Nino mittlerweile freundschaftlich verbunden. Als sie kürzlich zur Ausländerbehörde nach Trier wollten und ihn baten, sie zum Homburger Bahnhof zu fahren, brachte er sie direkt nach Trier und wieder zurück. „Ich bin 1949 in Käshofen geboren worden und wurde mit dem Strohwickel abgerieben“, erzählt der Mann mit dem grau melierten Oberlippenbart schmunzelnd. Die Hebamme sei mit dem Fahrrad in einem Schneesturm steckengeblieben, erinnert sich seine 81-jährige Patin Cäcilia Köhler. Gilbert besuchte die Volksschule in Käshofen, danach die Berufsschule. In der Folge machte er eine Lehre als Maschinenschlosser bei John Deere. Gilberts Nichte Tanja Ridzewski erinnert sich daran, dass er einst auch als Schaufensterdekorateur in der Kaufhalle arbeitete. Doch das sei nichts für ihn gewesen. „Das war 1968, da war es in den Metallberufen schwierig“, blickt er zurück. Mit den Maschinen lag er jedoch richtig, und das sollte so bleiben. Gilbert arbeitete 22 Jahre lang beim Bauunternehmen Dahlhauser als Maschinist. Danach wechselte er zur Stadt Zweibrücken und baggerte für die Entsorgungsbetriebe, dem heutigen UBZ, unter anderem auf der Mörsbacher Deponie. 23 Jahre arbeitete er für die Stadt. Jetzt baggert Gilbert im Ruhestand. Das ging sogar so weit, dass er 2016 kurz nach einer OP am Magen mit frisch eingesetztem Herzschrittmacher den Bagger bestieg. „Das war zu früh, aber ich hatte keine Ruhe, ich musste einfach baggern“, sagt er. „Man muss Maschinenverstand haben“, ist Gilbert überzeugt. Das gelte auch für die Arbeit bei der Feuerwehr. 17 Jahre war er stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde, in Käshofen zudem 22 Jahre lang Wehrführer. „Es war eine schöne, aber teilweise auch harte Zeit“, sagt er und erinnert sich an schreckliche Brände und Unfälle, etwa einen Wohnhausbrand mit drei Toten in Wiesbach oder einen Unfall mit fünf Toten am Stambacher Berg. Als Gilbert 18 war, musste er schon für seine Familie sorgen; er war verheiratet und Vater eines Sohnes, der mittlerweile 49 Jahre alt ist. Zehn Jahre später bekamen er und seine Frau eine Tochter. Beide Kinder haben jeweils einen eigenen Sohn. Als Gilbert volljährig wurde, habe es noch die Pflichtfeuerwehr gegeben, bei der man antreten musste, sobald man 18 war. So kam er zur Feuerwehr. „Als 1972 die Verbandsgemeinde gegründet wurde, wurde die Feuerwehr freiwillig“, erinnert er sich. Gilbert blieb dabei – fast sein ganzes Leben lang. Die Serie Ganz vorne steht der Bürgermeister; den kennt fast jeder. Aber direkt dahinter? Beigeordnete sind die Stellvertreter der Bürgermeister. Manche haben besondere Aufgaben, anderen liegen bestimmte Bereiche am Herzen, und wieder andere vertreten einfach nur hin und wieder den Bürgermeister, wenn er krank oder in Urlaub ist. In unserer Serie stellen wir die Männer und Frauen in der zweiten Reihe vor.

x