Contwig
Huhn im Haushalt: Die flotte Lotte und ihre Hunde (mit Video)
Als die Contwigerin Petra Giehl Mitte November mit ihren Hunden Gassi ging, traute sie ihren Augen kaum. Nach wenigen Schritten trat doch tatsächlich ein frei laufendes Huhn in Erscheinung. „Zuerst dachte ich, da sitzt ein großer Wildvogel, vielleicht ein Greifvogel“, erzählt die Finderin. „Als ich näher kam, dachte ich sogar an einen Fuchs.“
Hund Jack, einer der vier Shelties der Contwigerin, begann das Tierchen zu beschnüffeln. Und Giehl erkannte, dass es sich um eine Legehenne handelte. „Sie saß abseits des Weges im Acker“, erinnert sich Giehl gut an den 16. November, als sie das Huhn an einem Feldweg oberhalb von Contwig, in Richtung Truppacherhöhe, entdeckte. „Die Bauern haben die Wege dort vor Jahren mal asphaltiert, um besser an ihre Felder fahren zu können“, erklärt sie mit Blick auf den Fundort. „Das Tier saß daneben im Unkraut. Es war mir klar, dass es irgendwo entlaufen sein musste.“
Als Giehl die Henne genauer in Augenschein nahm, wurde ihr klar: Sie ist schwach, kann die Augen kaum öffnen und sieht nicht gut aus. „Also dachte ich mir, entweder das Tier geht ein oder du nimmst es mit.“ Sie entschied umgehend, das Huhn zu retten. „Einen Korb und Decken hatte ich sowieso im Auto“, erinnert sie sich.
Der rote Kamm als gutes Zeichen
Der Weg zum Tierarzt war nicht weit. „Der Tierarzt Knaub in Ernstweiler behandelt neben Haustieren auch Wildtiere“, sagt die Finderin. Eine bakterielle Infektion wurde festgestellt und dem jungen Tier Antibiotika verschrieben. Nach fünf Tagen ging es der Henne besser. Dass sie mittlerweile insgesamt gut entwickelt ist, kann Giehl vor allem am Kamm des Huhns erkennen: „Wenn er rot ist, ist das ein gutes Zeichen.“
Während der Genesung fand Lotte, wie Petra Giehl das Tier inzwischen getauft hat, auch ein neues Zuhause bei ihrer Retterin. „Sie war noch kein halbes Jahr alt,“ meint Giehl, da dies für gewöhnlich der Zeitpunkt sei, an dem Hühner mit dem Eier legen beginnen. „Und die ersten vier Wochen legte Lotte kein einziges Ei“, erinnert sich die Contwigerin. Der 16. Dezember wird ihr sicher in Erinnerung bleiben: Es war der Tag, als Lotte ihr erstes essbares Ei legte. „Zu Beginn legte sie noch unregelmäßig, mittlerweile hat es sich zwischen 6 und 7 Uhr eingependelt“, so Giehl.
Wenn Petra Giehl zuhause ist kann sich Lotte frei bewegen, genau wie die vier Shelties, eine schottische Hunderasse, die auch bei der tierliebenden Familie wohnen. Durch eine Luke kann die Henne rein und raus, wie sie will. „Lotte wird im Haus sogar zunehmend stubenreiner und setzt ihre Hinterlassenschaften auf der Wiese ab.“ Ansonsten steht die große Doppelgarage zur Verfügung, wo die Tiere ebenso ständig Futter finden.
Kosmo passt auf die Federfreundin auf
„Unsere Hunde und das Huhn harmonieren super miteinander“, meint Giehl, die jedem ihrer Vierbeiner eine Funktion zugeordnet hat: „Kosmo passt gut auf Lotte auf, er ist sozusagen ihr Bodyguard“, beschreibt sie scherzhaft. Mit ihrem Handy konnte sie auch schon Videos drehen, etwa wie das Huhn mit Hund Gulliver schmust oder gemeinsam mit den Shelties frisst. „Gora verteidigt sein Futter eher, Jack aber teilt es mit ihr“, hat Giehl festgestellt. „Lotte ist kein Huhn, sie ist ein Huhnd“, meint sie schmunzelnd.
Für ihre Vierbeiner bereitet sie eine Fleischmischung mit gekochten Möhren zu, aus der Lotte die Karotten rauspicke. Zudem füttert sie eine Futtermischung. Eine Bekannte habe ihr Mehlwürmer als Nahrung empfohlen, die Giehl im Internet bestellt hat. „Außerdem steht mit der Gartenwiese eine große Nahrungsquelle zur Verfügung.“
„Die Leute haben schon zu mir gesagt: Die hat es bei dir ja wie im Paradies“, erzählt die Huhn-Mama stolz. Ob sie sich eines Tages noch ein zweites Huhn anschaffen möchte? „Vielleicht schon, aber momentan belassen wir es mal bei Lotte“, meint Giehl. Noch etwas bewegt sie: Einer ihrer damals noch fünf Hunde sein ein Jahr zuvor etwa in dem Zeitraum gestorben, in dem sie im Folgejahr Lotte gefunden habe. Ein kleines Wunder, findet Petra Giehl.