Clausen
Hochwasserschutz: Bürger handelt, weil der Kommune das Geld fehlt
Erheblichen Frust quer durch den Gemeinderat offenbarte ein Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes „Blumengarten“. Dabei ging das es um den Schutz eines Wohngebäudes, das bei Starkregenereignissen besonders betroffen ist. Immer wieder kommt es zu aufstauendem Niederschlagswasser direkt vor dem Grundstück in der Wiesenstraße. Ursache ist eine Überlastung der öffentlichen Kanalisation. Hier liegt ein Mischkanal in der Straße. Um sich zu schützen, will der Antragsteller sein Grundstück so umwehren, dass eine Überflutung verhindert werden kann.
Bürgermeister Jens Dresen informierte, dass es bei dem 2020 errichteten Wohnhaus bereits in der Bauphase und nach dem Einzug insbesondere bei Starkregenereignissen immer wieder zu Problemen mit Niederschlagswasser gekommen sei. Die Wiesenstraße liege vor dem Grundstück an der tiefsten Stelle des Straßenverlaufs, von beiden Seiten fließe dabei das Niederschlagswasser in die Senke. Gleichzeitig liege unter der Straße ein Regenwasserkanal der Oberflächenwasser aus der höherliegenden Hauptstraße aufnimmt, um es zwischen den Hausnummern 48 und 50 talseits abzuleiten. „Der öffentliche Kanal ist leider bei Starkregenereignissen überlastet, so dass es zu einem Rückstau und Austritt von Niederschlagswasser aus dem nächstliegenden Schacht vor Haus Nummer 44 kommt“, so Dresen. Zeitgleich sei ein Abfluss des Regenwassers in die Gullys der Straße ebenfalls nicht möglich, da aus diesen im Extremfall sogar rückstauendes Niederschlagswasser austrete. Die beschriebene Situation werde auch in der Sturzflutkarte des Landes so beurteilt, betonte Dresen.
Die Lösung scheitert am fehlenden Geld
Sowohl die Gemeinde, wie auch die Verbandsgemeinde und die Verbandsgemeindewerke hätten sich schon seit längerer Zeit um eine Lösung bemüht, sagte Dresen. Es seien mehrere Ansätze erörtert worden. „Aufgrund der wirtschaftlich angespannten Haushaltslage könne keine Ertüchtigung des öffentlichen Kanalnetzes in der Weise stattfinden, dass weitere Überflutungen abgewendet werden können“, gab Dresen als Gesprächsergebnis bekannt. Es müssten Investitionen getätigt werden, die nach Aussage der Verbandsgemeinde- beziehungsweise der Werkeverantwortlichen wohl nicht finanzierbar seien. Das sei der Grund, weshalb sich die Antragsteller entschlossen hätten, ihr Grundstück so zu umwehren, dass eine Überflutung des Areals durch bauliche Maßnahmen verhindert werden könne.
Mit einer Stützmauer aus Schalungssteinen soll ein unkontrollierter Zufluss ins Grundstück verhindert werden. Bekannt wurde auch, dass wegen der schwierigen topographischen Verhältnisse in der Wiesenstraße der Gemeinderat den Bebauungsplan „Blumengarten“ bereits 2022 für den Bereich verschiedener Grundstücke dahingehend änderte, dass Auffüllungen und Abgrabungen im Rahmen der Landesbauordnung zulässig sind.
FWG: Anwohner nicht im Stich lassen
Die Fraktionssprecherin der FWG, Viktoria Meyer, befürwortete den Änderungsantrag „weil wir den Anwohner nicht in dieser Situation im Stich lassen dürfen.“ Für Meyer ist klar, dass es sich „um eine absolute Frechheit handelt, einen Bürger zu zwingen, seine Garage und seinen Eingangsbereich so umzuplanen und viel Geld in Schutzmaßnahmen zu investieren, weil die zuständigen Stellen nicht handeln.“ Dies sei nicht Aufgabe der Anwohner, sondern Aufgabe der VG-Werke. Das Problem sei seit Jahren bekannt. Der Mischkanal an dieser Stelle sei zu klein dimensioniert. Statt nachhaltiger Lösung habe es lediglich ein Vorschlag für eine provisorische Ableitung gegeben, hielt Meyer vor.
Die nun beantragte Maßnahme löse nicht das Grundproblem, sondern verschiebe es. Das Wasser werde praktisch von einem Nachbar zum anderen abgeleitet und so weiter „am Ende läuft die ganze Brühe weiter ins Tal, zu den Damtieren. Wir wissen alle, was bei Überlastung aus dem Kanal gedrückt wird, das ist kein Zustand. Keiner möchte die Fäkalien und das Klopapier im Garten und bei seinen Tieren“, so Meyer. Man trage im Rat Verantwortung für die Bürger, deshalb befürworte man den Antrag. „Gleichzeitig erwarte ich mit Nachdruck, dass die Verantwortlichen in Rodalben endlich ihre Pflicht erfüllen und eine dauerhafte, tragfähige Lösung auf den Weg bringen,“ sagte Viktoria Meyer.
Auch der zweite Beigeordnete Johannes Seibel (CDU) betonte die Schutzfunktion des Gemeinderates für seine Bürger. Er verwies auf das aktuelle Hochwasserschutzkonzept, das hier infrage gestellt werde, „weil die nächsten zwei Jahre sich wohl wegen finanzieller Probleme wieder nichts tut“, so Seibel. Mit der Befürwortung des Antrags wolle man das Hab und Gut der Bürger schützen, sagte Seibel.